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Musikshow

Die Popolskis sind im Auftrag des Opas unterwegs

06.11.2009 | 10:16 Uhr
Die Popolskis sind im Auftrag des Opas unterwegs

Hagen. Wer sind diese schnauzbärtigen Pollunder-Fetischisten? Eine Underground-Coverband? Eine Grunge-Comedy-Truppe? Die Polnische Pop-Invasion? „Der Popolski-Show” ist ein multimediales Phänomen. Und phänomenal erfolgreich: Der heutige Auftritt in Siegen ist schon lange ausverkauft.

Es begab sich vor anderthalb Jahren zur Osterzeit, dass ein Knarzen und Rauschen und Flimmern anhob im nächtlichen Fernsehen. Dann erklang eine Stimme: „Hey, wer ist da los? Sind wir drin in der WDR?” So begann eine dreiteilige Show, die so originell, so anarchistisch und so anders als der übliche geklonte TV-Schrott daherkam, dass WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff völlig entsetzt war. Und das gilt im Sender inzwischen als Qualitätsurteil.

Auf Erfolgskurs: Die Popolskis begeistern ihr Publikum mit den Originalversionen von Opas Kompositionen.

Zu akzentbelastetem Wort und braunstichigem Krisselbild meldete sich, angeblich aus einem Plattenbau in der polnischen Stadt Zabrze, vor einer 60er-Jahre Schrankwand ein gewisser Pawel Popolski und enthüllte eine Sensation: Die gesamte Popmusik der Welt, 128 000 Titel, hat sein Großvater Pjotrek geschrieben. Der windige Gebrauchtwagenhändler Olek Priszewinski hat die Enkel beim Proben belauscht und verkauft die Hits an internationale Stars, ohne dass die Popolskis Tantiemen sehen.

Opas Kompositionen im Original präsentieren

Schlimmer noch: Pawel, Mirek, Janusz, Dansz, Andrzej, Isidor, Tomek, die eineiigen Zwillinge Henjek und Stenjek sowie die rote Dorota müssen mitansehen und -hören, wie Opas Kompositionen gnadenlos verhunzt werden. Deshalb haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, der Welt die Originalversionen zu präsentieren. Enthunzt sozusagen.

Das ist die Geschichte hinter einer mitreißenden Musikshow, die manche an die Blues Brothers erinnert, andere an die Leningrad Cowboys und ganz anderen unvergleichlich erscheint. Den Mann hinter dem angeklebten Schnauzbart, könnte man schon einmal gesehen und gehört haben: Nein, es ist nicht Christoph Daum. Er heißt Achim Hagemann, ist gemeinsam mit Hape Kerkeling zur Schule gegangen, hat dessen „Hurz” am Klavier begleitet, „Das ganze Leben ist ein Quiz” mitgestaltet und die Filmmusik zu „Isch kandidiere” komponiert. Die Popolskis hat er bereits vor ein paar Jahren als Live-Band ins Leben gerufen. Aber erst die TV- und Radioauftritte schufen den Kult-Status.

Ein Pinchen mit "Vitamin-W"

Für den ist das Pseudo-Polnische, über das auch Polen lachen können, verantwortlich, das ritualisierte Wodka-trinken („Vitamin W)”, die Skurrilität der Präsentation, der Typen und der Geschichten. Aber auf der Bühne würde das ohne die musikalische Qualität nicht funktionieren: Anastacias „I'm Outta Love” entwickelt Schunkel-Qualität, Modern Talkings „Cheri Cheri Lady” erklingt im Stil der Red Hot Chili Peppers, Tony Marschalls „Schöne Maid” bekommt Soul-Schmelz, bei Led Zeppelins „Whole lotta Love” haucht Dorota den Refrain lasziv wie Marilyn, „Ein bisschen Frieden” geht in „I'm looking for Freedom” über, das Hardrock-Polka-Crossover endet im Phillysound.

Außerdem ist die Opa-Popolski-Legende wirklich wahr. Das bewies eine verwackelte Schwarzweiß-Sequenz in der TV-Show: Da erwarb Stefan Raab auf dem Polenmarkt in Köln-Nippes Rohmaterial zu „Maschendrahtzaun” und „Wadde hadde dudde da”.

„From Zabrze with Love” heißt die aktuelle Show, die am 27. November im Rahmen von "Kultur pur" im Bestwiger Bürherhaus zu sehen ist. Karten: 02904 / 987 166

Harald Ries

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