Die Pet Shop Boys können auch Ballett
23.03.2011 | 12:05 Uhr 2011-03-23T12:05:00+0100
Essen.Mit jedem Album anders klingen und doch einen hohen Wiedererkennungswert besitzen – wohl kaum eine Band beherrscht diese Kunst wie die Pet Shop Boys. Jetzt ist ihr neues Werk “The Most Incredible Thing“ erschienen.
Die Pet Shop Boys sind wieder da. Mit ihrem neuen Album „The Most Incredible Thing“ beschreitet das Elektro-Duo aus England abermals neues Terrain. Nachdem sie bereits mit Bravour die musikalische Neu-Vertonung des Films „Panzerkreuzer Potemkin“ bewältigt hatten, haben sich Neil Tennant und Chris Lowe diesmal an ein klassisches, narratives Ballett getraut – in der Tradition von Pjotr Tschaikowski, wie sie unbescheiden konstatieren.
„The Most Incredible Thing“ ist die musikalische Umsetzung von Hans Christian Andersens Märchen “Das Unglaublichste“. Die Handlung: Ein König ruft einen Wettbewerb ins Leben, wonach derjenige, der ihm das unglaublichste Ding präsentiert, das halbe Königreich und die Hand der Prinzessin erhält. Ein junger Mann erfindet eine Uhr, in der zur jeweils vollen Stunde unter anderen Moses, Adam und Eva, die vier Jahreszeiten, die fünf Sinne oder etwa die zehn Gebote erscheinen. Am Hof sind sich alle einig, dass dies das Unglaublichste ist, das sie je gesehen haben – bis ein Bösewicht erscheint und die Uhr zerstört. Das wird als noch unglaublicherer Akt angesehen, und der Zerstörer der Uhr wird zum Gewinner erklärt. Doch am Ende erwachen die Wesen aus der Uhr wieder zum Leben und besiegen den Bösewicht.
Blutleer
Wie so oft bei Soundtracks birgt auch „The Most Incredible Thing“ das Problem, dass die Musik ohne den visuellen Eindruck des Films oder eben des Balletts etwas blutleer wirkt. So auch beim neuen Werk der Pet Shop Boys. Die Musik ist hörbar, ein absolut gelungener Mix aus moderner Klassik und Elektro-Pop. Sie oszilliert zwischen minimalistischem Kraftwerk-Sound und opulenten Mixes aus Synthie- und Orchester-Arrangements. Die Mischung passt.
Die einzelnen Stücke sind etwas rhythmischer geworden als das, was die Pet Shop Boys sonst produzieren. Doch klassische Elemente von Tennant/Lowe fehlen nicht: Der typische Gesang wird hier und da eingestreut, die liebgewonnen und herzerwärmenden Synthie-Klänge sind fast omnipräsent. Und trotzdem werden Pop-Puristen Probleme mit der Struktur des Albums haben. Andererseits macht das Album neugierig darauf, wie denn Tanz und Musik zu einer Einheit verschmelzen.
Leider wird das Live-Erlebnis des Balletts nur wenigen Menschen möglich sein. Im Londoner „Sadler’s Wells wurde es am 22. März uraufgeführt und wird schon am 26. März wieder enden. Im Jahr 2012 wird das Ballett dann für zwei Wochen zum selben Ort zurückkehren. Als Trostpflaster bleibt, dass die BBC das komplette Stück noch in diesem Jahr im Fernsehen ausstrahlen wird.
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