Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Musik

Der Junge von nebenan - Cliff Richard wird 70

13.10.2010 | 17:48 Uhr
Cliff Richard wird 70. Foto: Imago

Essen/London. Sein Alter sieht man ihm nicht an. Sein Glaube halte ihn fit, sagt Cliff Richard, der Diät lebt und gerade Swing-Klassiker veröffentlicht hat. Er feiert am Donnerstag seinen 70. Geburtstag.

Manchmal kann er einem fast unheimlich werden. Weil er nicht zu altern scheint. Bilder gibt es, da steigt Cliff Richard aus dem Wasser. Braun gebrannt ist die Haut, voll das Haar. Kein Bauch, kaum Falten, aber ein strahlendes Lächeln. Es sind Bilder, die in diesem Sommer entstanden sind. Kurz vor seinem 70. Geburtstag, den Richard heute feiert. Gute Gene sagen die einen, geschickte Chirurgen, glauben andere.

Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte. Wie so oft bei dem Mann, der am 14. Oktober 1940 als Harry Webb im indischen Lucknow zur Welt gekommen ist. Als „britische Antwort auf Elvis Presley“ ist er gehandelt worden, als er – nicht mal 20 Jahre alt – mit „Move It“ und „Living Doll“ erste große Hits landete. Dabei ist er nie so rau und wild gewesen, wie der King, ist mehr Sonnyboy für mittlere Lohngruppen als Vorstadt-Teddy. Cliff ist der nette Junge von nebenan, dem die Herzen der Damen zwischen 17 und 77 zufliegen. Bis heute. Eine Ein-Mann-Boygroup, auch wenn er damals meist mit den Shadows zusammen auftritt. So bringt er zwischen 1958 und 1969 43 Songs in die Top 20 der englischen Charts, auch den Deutschen rät er unter anderem erfolgreich „Rote Lippen soll man küssen“.

Keine Skandale - nur Merkwürdigkeiten

An Skandale in seiner über 50-jährigen Karriere kann man sich nicht erinnern. Weil es keine gegeben hat. Höchstens Merkwürdigkeiten. So holt er 1966 bei einem Konzert plötzlich den US-Prediger Billy Graham auf die Bühne und verkündet 25 000 überraschten Londonern: „Es ist ein großes Privileg, so vielen Menschen sagen zu können, dass ich Christ geworden bin.“

„Alles Masche“, sagen viele und werden eines Besseren belehrt. Richard beginnt, in Kirchen und Sonntagsschulen zu predigen, beteiligt sich an Spendenaktionen und Wohltätigkeitskonzerten und achtet bei seinen Filmen stets auf saubere Texte und jugendfreie Kamerapositionen. Niemand hat ihn je fluchen hören. „Ich sehe mich als Christ, der zufälligerweise im Showgeschäft ist“, sagt Richard dazu.

Vielleicht hat er deshalb einen so guten Draht zu Petrus. Am 3. Juli regnet es in Strömen, als Richard in Wimbledon zu Gast ist. Die laufende Partie muss unterbrochen werden. Cliff stimmt mit den Tennisstars Virginia Wade, Martina Navratilova, Pam Shriver, Gigi Fernandez und Conchita Martinez als Chor seine Hits „Summer Holiday“ und „The Young Ones“ an und betet zum Himmel.

Kurz darauf scheint die Sonne. Britische Zeitungen sprechen von einem „kleinen Wunder“, Richard-Fans sind begeistert. Seine Königin ist das ohnehin. Ein Jahr zuvor hat sie ihn als ersten Popstar zum Ritter geschlagen. Und auch sonst hilft der Glaube, sagt Richard. „Er hält mich fit.“ Nur kurz, hat der Sänger in der britischen Boulevardpresse eingeräumt, habe er ein wenig mit Botox nachgeholfen. „Aber davon sackten meine Augenbrauen ab.“ Angeblich schon seit 50 Jahren nimmt Richard nur eine Mahlzeit am Tag zu sich. Seit einiger Zeit richtet er sich dabei nach der „Blutgruppe Diät“, die Lebensmittel einer Blutgruppe zuordnet. Ganz offen redet Cliff über solche Dinge. Zu seiner sexuellen Orientierung aber sagt er kaum etwas. Affären oder Beziehungen mit Frauen sind nicht bekannt. Dafür pflegt Richard Männerfreundschaften. Oft wird er deshalb für homosexuell gehalten. „Das nervt mich höllisch“, sagt er. Weil es niemanden etwas angehe und „Sex ohnehin nicht die treibende Kraft“ für ihn sei.

Nie mehr Wimbledon

Musikalisch ist es ruhiger geworden um Cliff. „Millennium Prayer“, die umstrittene Vertonung des Vaterunser, liegt fast zehn Jahre zurück. Nun will er es noch einmal wissen und hat gerade ein neues Album mit Swing-Klassikern veröffentlicht. Rund um seinen 70. Geburtstag gibt er Konzerte in der Londoner Royal Albert Hall, die binnen Stunden ausverkauft waren. Beim Tennis in Wimbledon wird er nie mehr singen. Nicht mehr nötig, haben ihm die Veranstalter mitteilen lassen. Der Platz sei jetzt überdacht.

Andreas Böhme



Kommentare
14.10.2010
11:02
Der Junge von nebenan - Cliff Richard wird 70
von Time_goes_by | #1

Congratulations and best wishes for the future!

Aus dem Ressort
"The Voice of Germany"-Liveshow endet dramatisch für Favorit
The Voice of Germany
Die erste Liveshow von "The Voice of Germany" mündete für Rapper und Mitfavorit Alex Hartung in einem dramatischen Ende. Die neue Duell-Form Clashes waren eine Offenbarung für die Stimmen in der Musikshow. Moderator Thore Schölermann hatte mit peinlichen Aussetzern zu kämpfen.
Von Fan beleidigt - Morrissey bricht Konzert in Polen ab
Morrissey
Trotz seiner Krebserkrankung tourt der britische Künstler Morrissey weiter durch Europa. Ein Konzert in Polen brach der einstige "The Smiths"-Sänger in dieser Woche ab, nachdem er von Fans wohl beleidigt wurde. Am Montag spielt Morrissey ein Konzert in Essen.
Christmas-Song von „Band Aid 30“ - wohltätiges Fremdschämen
Ebola-Hilfe
30 Jahre nach Erscheinen von „Do They Know It's Christmas“ hat Bob Geldof eine Neuaufnahme des Songs in Auftrag gegeben, um Spenden im Kampf gegen Ebola zu sammeln. Campino (Toten Hosen) trommelte nationale Künstler für eine deutsche Version des Titels zusammen. Über den Text lässt sich streiten.
The Voice of Germany - Coach Samu Haber entsetzt seine Fans
The Voice of Germany
Die zweite Knockout-Runde von "The Voice of Germany" war die bislang unterhaltsamste Ausgabe in der vierten Staffel der Musikshow. Samu Haber erntete nach einer Entscheidung einen kleinen Shitstorm. Derweil sah Smudo bei dem in Wesel aufgewachsenen Björn Amadeus Kahl den "Heiligen Geist".
Lenny Kravitz lässt in Oberhausen Rock und Funk verschmelzen
Konzert
Er singt von New York in zerrissenen Jeans: Lenny Kravitz aus Brooklyn spielte in der Oberhausener Arena vor 7000 Fans das einzige NRW-Konzert seiner „Strut“-Tournee. Die Anhänger hören 125 Minuten Rock und Funk. Mit 50 Jahren ist Kravitz jugendlich wie eh und je.
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos
Lenny Kravitz rockt die Arena
Bildgalerie
Konzert
Beatsteaks feiern mit Visions im FZW
Bildgalerie
Fotostrecke