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Depeche Mode haben den Blues

01.02.2013 | 08:00 Uhr
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Depeche Mode haben ihre neue Single "Heaven" veröffentlicht. Das Album "Delta Machine" erscheint am 22. März 2013.Foto: Anton Corbijn

Dortmund.  Lange hat die Fangemeinde auf die neue Single von Depeche Mode hingefiebert. Jetzt ist sie da, und mit Heaven verlässt die Band eingetretene Pfade, klingt erwachsener und verzichtet sogar auf den sonst üblichen Überraschungseffekt.

Wenn Depeche Mode einen neuen Song veröffentlichen, gerät die Welt in Ekstase – zumindest die Fanwelt, die sich leidenschaftlich um die drei Engländer dreht. Mit entsprechender Spannung wird das neue Album "Delta Machine" erwartet, das am 22. März erscheinen soll . In den vergangenen Jahren hat die Band denn auch regelmäßig mit der Erwartungshaltung ihrer Fans gespielt und Debüt-Singles gerne mit einem Knalleffekt eingeleitet. Ob es ein verzerrtes „Wrong“ , das zahnschmerzgleiche Quietschen am Anfang von „I feel you“ oder der Stampfer „Personal Jesus“. Auch die neue Single „Heaven“ überrascht, aber anders. Das Stück beginnt leise mit einem zaghaften Drum-Computer, gefolgt von schweren Piano-Anschlägen. Kein Aha-Effekt, kein Wachrüttler.

Stattdessen setzt Dave Gahans Stimme niveauvoll klagend ein. Depeche Mode haben den Blues. Sänger Gahan zeigt, dass er mit zunehmendem Alter gesanglich gereift ist und die Zusammenarbeit mit der Band Soulsavers offenbar neues Pathos in die Stimme des 49-Jährigen gepflanzt hat. Denn so gefühlvoll klang Gahan selten. Der Begleitgesang von Martin Gore hält sich angemessen und wohldosiert im Hintergrund, unterstreicht Gahan dort, wo es nötig ist. Hier haben sich zwei gesucht und gefunden, so viel Harmonie war selten . Letztlich ist „Heaven“ ein Song, den Komponist Gore vor 20 Jahren vermutlich noch selbst gesungen hätte.

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Köln. Alan Wilder galt als der Tüftler, der hinter dem Sound von Depeche Mode steckte. DerWesten traf Wilder zum Soundcheck und begab sich im zweiten Teil des Interviews auf einen Parforceritt durch 14 Jahre Depeche Mode.

Was der Songwriter allerdings gemeint hat, als er „Heaven“ in die Nähe vom Rock der Siebzigerjahre und Rod Stewart rückte, weiß er wohl nur allein. Das Stück steht vielmehr in der Tradition des gospellastigen Depeche-Mode-Klassikers „Songs of faith an devotion“. Mit einer Prise „Yer Blues“ vom Weißen Album der Beatles. Elektronische Klänge werden in kleiner Dosis eingesetzt, das Klavier und Gahans Stimme tragen den starken Song.

Fangemeinde ist gespalten

Die Fangemeinde spaltet „Heaven“ natürlich vom ersten Ton an. Die ewige Frage „Was hätte Alan Wilder aus diesem Song gemacht?“, ließ ebenso nicht lange auf sich warten, wie der Wunsch, die Band möge sich endlich auflösen, da sie nie wieder ein Meisterwerk wie „Violator“ erschaffen werde. Auf der anderen Seite jubeln die Fans, die mit ihrem vergötternden Enthusiasmus alles, aber auch wirklich alles genial finden würden, selbst wenn Gahan sein Gurgeln beim morgendlichen Zähneputzen auf CD pressen würde.

Die Wahrheit liegt, langweilig, in der Mitte. „Heaven“ ist natürlich nicht der beste Song, den Depeche Mode jemals veröffentlich haben. Es ist kein Kracher, keine Tanznummer, kein „Enjoy the silence“. Es ist ein reifer Song.

Kontrastprogramm auf der B-Seite

Das Kontrastprogramm bietet die B-Seite „All that’s mine“, ein rein elektronisches Stück. Der Eindruck schleicht sich ein, Martin Gore habe hier seine Erfahrungen aus dem Techno-Projekt VCMG mit Vince Clarke einfließen lassen. Düstere Elektro-Klänge und Dave Gahans Bariton tragen die Nummer, Techno-Versatzstücke verleihen die nötige Würze. „All that’s mine“ schwebt zwischen den Band-Epochen, klingt irgendwie aus der Zeit gefallen. Am ehesten erinnert es an „Hole to feed“ oder auch „Ghost“ vom noch aktuellen Album „Sounds of the Universe“, ohne auch nur im Entferntesten nach Kopie zu klingen.

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14 Jahre lang war Alan Wilder bei Depeche Mode. DerWesten bat ihn zum Soundcheck.

Als Vorgriff auf das am 22. März kommende Album „Delta Machine“ haben Depeche Mode mit den drei nun veröffentlichten Songs wenig zur Erhellung beigetragen. Das bereits im Sommer vorveröffentlichte Stück „Angel“ und die Single „Heaven“ weisen in Richtung Blues. Dazu passen auch Aussagen der Bandmitglieder, dass die Gruppe sich musikalisch dem Album „Songs of faith and devotion“ genähert habe. „All that’s mine“ geht in die genau entgegensetzte Richtung. Vielleicht wird „Delta Machine“ aber auch ein Zeugnis der Vielseitigkeit der Band. Ein solches Album wäre ebenso überfällig wie unwahrscheinlich.

Konzerte in Deutschland

Depeche Mode gehen in diesem Jahr auf Welttournee und kommen auch nach Deutschland. Auftakt der Deutschland-Tour ist am 1. Juni München, gefolgt von den Stationen Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Leipzig, Hamburg und Düsseldorf. In der Rheinstadt wird die Band am 5. Juli ein Zusatzkonzert geben. Insgesamt sind mehr als 30 Auftritte in 25 europäischen Ländern geplant, das letzte davon am 29. Juli im weißrussischen Minsk. Dann bricht die Band, die seit 31 Jahren zusammen Musik macht, nach Nordamerika auf.

Stefan Reinke

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