Depeche Mode auf Achterbahnfahrt ins Universum
16.04.2009 | 12:39 Uhr 2009-04-16T12:39:00+0200
Dortmund. Am Freitag erscheint die neue Scheibe von Depeche Mode. Sie wird sich millionenfach verkaufen. Das sagt nichts über die Platte, aber einiges über die Gruppe. Sie definiert sich nicht über ein Album. Nicht über Verkäufe, Hitparaden, Gold oder Platin. Die Band schwebt über irdischen Zahlen.
Sie wird vergöttert. Depeche Mode ist Kult. Weil sie Generationen Lebensgefühle schenkt, gute und schlechte – seit mittlerweile 29 Jahren.
Zum Beispiel das Für-immer-jung-Gefühl. Es wird gleich beim Debütalbum in Vinyl gepresst. „Speak & Spell” erscheint 1981. Das Cover, ein in Zellophan verpackter Schwan, zeigt an: Der Inhalt mag natürlich sein, die Hülle ist künstlich. So klingt es auch. Vince Clarke, Andrew Fletcher, Dave Gahan und Martin Gore machen Gute-Laune-Musik wie für die Spielzeugabteilung. Dass sie auch aussehen wie Puppen, mit diesen toupierten und spraybetonierten Tollen – es passt zum Ton.
Synthie-Pop heißt der Sound. Man hört kein Instrument, nur Elektronik-Klänge. Ein monotoner, klopfender Beat mit eher beiläufigen Texten. Leichtigkeit aus der Retorte. Depeche Mode schwimmen auf einer Welle mit Gruppen wie Soft Cell, O.M.D., The Human League. Eine neue Zeitrechnung beginnt. In den USA geht MTV auf Sendung. Der erste Clip: „Video Killed The Radio Star" von The Buggles. Solchen Gruppen geht bald die Luft aus. Depeche Mode hält sich oben – trotz Streit im Kinderzimmer. Songschreiber Vince Clarke steigt aus und gründet mit Alison Moyet die Gruppe Yazoo.
Martin Gore und Neuzugang Alan Wilder basteln fortan den Depeche-Mode-Sound zusammen. Er wird ernster, erwachsener. Das schadet zunächst nicht. Im Gegenteil: Songs wie „People Are People”, „Master And Servant”, „Never Let Me Down” machen Depeche Mode zu Superstars.
Helden leben gefährlich
Dass solche Helden gefährlich leben, erfährt Dave Gahan am eigenen Leib. Der smarte Sänger verträgt den Ruhm nicht sonderlich, Drogen umso mehr. 1995 hängt der „Personal Jesus” am seidenen Faden. Auch von Ehefrau Nummer zwei verlassen, schneidet er sich die Pulsadern auf. Der 33-Jährige wird gerettet, doch der folgende Entzug scheitert. 1996 spritzt sich Gahan einen Speedball aus Kokain und Heroin. Zwei Minuten ist er klinisch tot, dann holen ihn die Ärzte zurück. Die Stimmung in der Band ist hörbar auf dem Nullpunkt. Schluss mit lustig. Düstere Balladen und beklemmender Schwermut haben die Fröhlichkeit verdrängt – „It's No Good”.
Grotesk: Als Gahan langsam wieder auf die Beine kommt, rutscht Gore ab. Er trinkt, immer häufiger, immer mehr. Im Suff gelingen dem grübelnden Melancholiker nur noch Durchschnittswerke. Letztlich ist es Gahans Ehrgeiz, der Gores Verfall stoppt. Gestärkt durch sein Solodebüt „Paper Monsters”, stellt der Sänger dem Songschreiber ein Ultimatum: Entweder dürfe er ab sofort selbst Songs verfassen, oder er steige aus. Gore hat keine Wahl. Er weiß: Ohne Gahans Stimme ist Depeche Mode tot. Also enthält „Playing The Angel” 2005 drei Songs des Frontmanns. Auf der Albumrückseite blitzt sogar Humor auf: „Pain And Suffering In Various Tempos”.
Sicher, er habe Martin „damals ziemlich überfahren mit meinen neuen Ansprüchen”, sagt Gahan rückblickend. „Andererseits kam es mir gerade darauf an: auf den Schockeffekt. Ich wollte diese Band wachrütteln; ein Beben starten, das uns aus unserer jahrelangen Lethargie befreit – und ich bin froh, dass ich noch immer die Nachwehen spüre.” Es hat alle ordentlich durchgerüttelt.
Das neue Album heißt „Sounds Of The Universe”. Der Klangkosmos wird um ein paar retro-futuristische Sterne reicher. Die Band scheint geerdeter denn je. Und einsichtig: „Wrong”, die erste Single, reflektiert ein Leben voller Fehler und Missetaten. 22 fertige Songs hat Depeche Mode ins Studio gebracht, ein Drittel mehr als benötigt. So viel Schaffenskraft irritiert Dave Gahan. „Das gab's bei uns noch nie.” Gut so.
12:03
Um da mal ein Klischee zu bedienen: DM ist ein Lebensgefühl!!! Das werden viele nicht gerne hören, denn das ist wohl der meistgesagte Satz von DM-Fans, aber leider ist er wahr. Ich kann nicht umhin, mir einzugestehen, dass ich die früheren Songs auch besser fand, aber nicht nur wegen der Qualität der Musik, sondern weil das passende Lebensumfeld dazukam. Musik bildet nunmal Lebensabschnitte ab, DM-Musik bei mir eine der schönsten Zeiten meines Lebens...
Also, warum sich nicht erinnern und das NEUE trotzdem gut finden können...Das macht doch mehr Spaß, als alles zu verteufeln...
Ich weiß, dass DM-fans als sehr intolerant gelten...aber trotzdem bin und bleibe ich Fan...und ich finde WRONG einfach gut, denn egal, welcher Stil das sein soll...Retro oder so...es löst etwas aus bei mir...Gefühle im Bauch...schöner geht es nicht!!!!
21:59
Das war eine Popperband und bleibt eine Popperband !
21:01
Depeche Mode ist zwar nicht mehr so gut wie in den 80 er, trotzdem freue ich mich schon auf das Konzert am 04. Juni.
Lang leben die 80er !!!
:-)
17:18
In den 1980er Jahren war`n se gut, habe jede Maxisingle auf Vinyl von denen, aber danach???
Ne, is nicht schön...
17:02
Depeche Mode das ist doch billige Kirmesmusik. Immer das selbe....total kommerziel.
Ich finde Mark Medlock oder Lady Gaga viel besser. Mark Medlock macht wenigstens richtig gute Musik.
Gruß Hanni
16:28
... eine der Bands, die nach Tschernobyl nie mehr so waren wie vorher ... (aus der Serie: Fußnoten zu Verschwörungstheorien in der Popgeschichte)
16:20
Gefühle zu wecken ist die Substanz von Musik ... insofern doch nicht schlimm, wenn es nostalgische sind.
15:56
Retro-Musik für Retro-Hörer. Stehengeblieben in ihrer Kreativität langweilen diese älteren Herren mit Ideenlosigkeit. Zum Abschalten. Gekauft wirds wohl trotzdem - zur Bedienung nostalgischer Gefühle.
15:52
Yep, ich fand die Speak & Spell auch sehr gelungen. Vor allem Photographic und Big Muff. Das Nachfolgealbum gefiel mir fast noch besser; es wirkt auf mich so schön beruhigend. Ich bin nach dem Kauf der Music for the masses ausgestiegen.
15:36
Wie bitte, Thomas.Lau?! Und so einer findet sich in meiner virtuellen Freundschaftsliste *schmoll*. Ich zähle schon die Tage bis zum 4. Juni...