Web-Radio
Das Webradio Byte FM zieht es an die Ruhr
17.08.2009 | 08:52 Uhr 2009-08-17T08:52:00+0200Bochum. Byte FM steht für 24 Stunden Musik ohne Werbung. Das mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete Webradio aus Hamburg kommt nun auch nach Bochum. Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 soll ab September der Ruhr-Ableger auf Sendung gehen. DerWesten sprach mit dem Byte FM-Erfinder Ruben Schnell.
Der gebürtige Hannoveraner Ruben Jonas Schnell studierte Musikwissenschaften und Amerikanistik in Freiburg, Oregon und Hamburg. Erste Erfahrungen als Musikredakteur sammelte er anfang der 90er Jahre in Freiburg bei Radio Dreyeckland. Anschließend wechselte er nach Hamburg und zur ARD. Schnell moderiert das Format „Nachtclub“ bei NDR Info sowie das „Nachtclub Magazin“. 2007 gründete er das Internetradio ByteFM.
Inzwischen verfügt Byte FM über ein Studio in Hamburg. Für den Sender arbeiten rund hundert Moderatoren und DJs sowie fünf feste Mitarbeiter. Am 31. August startet mit Byte FM Ruhr in Bochum der erste Ableger im Ruhrgebiet.
Seit Januar 2008 sendet das Webradio aus Hamburg auf http://www.byte.fm/ alles, was in der modernen Popmusik wichtig ist. Es ist ein Programm von Musikliebhabern für Musikliebhaber abseits des Mainstreams. Moderiert wird das Ganze von Profi-DJs und Musikjournalisten. Im Juni bescherte dies den Machern den Grimme Online Award In der Kategorie Spezial. „Ein klassisches Web-Radio”, so die Jury, „das vor allem durch das inhaltliche Konzept besticht."
Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres wird nun der Ableger Byte FM Ruhr auf Sendung gehen. In direkter Nachbarschaft zur Zeche Bochum laufen die Arbeiten am eigenen Tonstudio auf Hochtouren. Am 31. August soll es auf Sendung gehen. Zwischen den Umzugsarbeiten fand der Byte FM Initiator Ruben Jonas Schnell etwas Zeit, um mit DerWesten über die geplante Arbeit an der Ruhr zu sprechen.
Was für eine Vorstellung haben Sie vom Ruhrgebiet als neues Arbeitsumfeld?
Ruben Schnell: Ich finde es interessant, dass mir diese Frage hier öfter gestellt wird. Ich habe den Eindruck, dass die Leute im Ruhrgebiet davon ausgehen, dass man außerhalb eine bestimmte Vorstellung vom Ruhrgebiet hat. Ich kann von mir sagen, dass ich relativ wenig weiß, insofern ist das aber weder positiv noch negativ belegt - wenn aber eher positiv. Alleine die Ankunft war ein Erlebnis. Da geht es nach Dortmund und hier nach Essen, dort nach Köln und auch Frankfurt ist nicht so weit. Es ist fast als wäre man in Los Angeles. Natürlich gab es bei der Anreise auch mal einen Spruch, als wir das erste Kraftwerk gesehen haben: "Hey, jetzt sind wir wohl im Ruhrgebiet." Aber ich finde es toll, alles wirkt irgendwie urban. Und man begegnet uns hier sowohl mit diesem Projekt als auch privat sehr freundlich, für mich ist das super...
...es geht also aus dem hohen Norden in den Pott - Was hat Sie ausgerechnet ins Ruhrgebiet verschlagen?
Schnell: Wir produzieren bislang zwar in Hamburg aber unsere Mitarbeiter sind über das ganze Bundesgebiet verteilt. Hamburg ist als Standort noch am stärksten. Ich begreife Byte FM nicht als Hamburger Sender, sondern als redaktionelles Musikradio für den gesamten deutschen Sprachraum.
Als ich mitbekam, dass das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt 2010 wird, dachte ich, das wäre doch ein toller Partner, der an uns Interesse haben müsste. Denn wir sind in Lage hiesige Inhalte für Publikum im deutschsprachigen Raum aber auch in der ganzen Welt hörbar zu machen. Und genau so war es. Ich habe es vorgeschlagen und man war spontan begeistert und die Kooperation war abgemacht.
Warum ist die Wahl gerade auf Bochum gefallen?
Schnell: An dieser Entscheidung waren wir nur am Rande beteiligt. Bochum wird im Zusammenhang von Ruhr 2010 der Musik-Standort und da sind wir gerne dabei. Ich habe das Gefühl, dass Bochum als Standort gar nicht so schlecht ist. Die Stadt liegt relativ zentral, wir sind hier direkt bei der Zeche und Roof Music befindet sich im selben Gebäudekomplex, womit wir direkt an der hiesigen Musikszene angedockt sind. Wir kriegen Bands, die abends in der Zeche spielen auch hier direkt ans Mikrofon. Und was sich noch im Ruhrgebiet verbirgt? Ich bin gespannt.
Inwieweit wird sich das Programm von Byte FM Ruhr gegenüber dem Hamburger Programm unterscheiden oder ist es eher als Erweiterung angelegt.
Schnell: Letzteres ist der Fall. Zunächst wird es hier Vorproduktionen geben, die dann über Hamburg ausgestrahlt werden. Das ist dank der technischen Möglichkeiten, die das Internet bietet heutzutage ja traumhaft einfach.
Dann hätte ich gerne eine Metal-Show. Die würde zwar sicher eher abends laufen aber zwei Stunden Metal-Programm aus dem Umfeld der ansässigen Musikzeitschriften wäre schon toll. Dann werden wir natürlich anfangen, zu lancieren. Wir brauchen Leute, die Radioerfahrung haben oder talentiert sind oder bereit sind, an sich zu arbeiten und sind damit natürlich an hiesigen Programm-Machern interessiert. Das sollten dann Programminhalte sein, die über das hinaus gehen, was es bisher schon gibt oder die so gut sind, dass man es unbedingt im Programm haben muss.
Die Jury des Grimme Online Award lobte vor allem auch Ihre journalistischen Qualitäten. Was macht für Sie guten Musikjournalismus aus?
Schnell: Ganz wichtig ist, dass der Musikjournalist einen persönlichen Bezug zu dem hat, was er vorstellt und so professionell mit der Materie umgehen kann, dass es ihm gelingt, Bezüge herzustellen. Der Musikjournalist sollte in der Lage sein, die Musik in einen Kontext zu stellen - sei es historisch, gesellschaftlich oder sozial. Er sollte es schaffen, das Interesse des Hörers zu wecken - auch wenn er ihm etwas Neues vorstellt.
Was hat sich für Sie seit der Verleihung des Grimme Online Awards verändert?
Schnell: Das E-Mail-Postfach war sehr, sehr voll danach und für mich hat sich tatsächlich etwas verändert. Wenn man von einer solchen Plattform ausgezeichnet wird, dann hat man als Musikjournalist das Gefühl, dass auch die Leute, die sich mit Journalismus auseinander setzen, die Wertigkeit anerkennen. Ein Grimme ist schon was und man ist jetzt einfach eine andere Marke. Natürlich wird dadurch unser Programm nicht besser aber die Anerkennung für zum Beispiel unseren Bildungsauftrag, den uns niemand erteilt hat, war für uns alle ein großes Glücksgefühl.
Das Interview führte René Bogdanski.
17:31
Nochmal : Lokalfunk, so ist es klar?
So nebenbei, wer versteht schon, warum es in NRW nicht mehr lokale Sendelizenzen gibt? Fragt doch mal bei schwarzgelb nach.
12:41
Korrektur zu 11 :
im vorletzten Satz habe ich mich verraspelt. Hinter Lokalpunkt war schluss mit dem Satz. Übrigens ist die WAZ mit mehreren Sendern in NRW am Lokalfunk beteiligt, der Bürgerfunk ist quasi abgedrängt in die Nachtstunden. Eigentlich schade, denn da gibt es noch viel Lokales.
12:36
Stimmt nicht so ganz, lieber Radiomann. Die SPD wollte gar nichts in der Richtung verhindern, sondern hat 1989 den so genannten Bürgerfunk im Lokalfunk eingefordert. Damit wollte man mittels Laien dem Normalbürger eine Stimme geben.Das hat hier und da wohl auch ganz gut funktioniert, weil die Hobbyfunker echt lokale Dinge auf dem Sendeplan hatten im Gegensatz zum Lokalfunk recht viel an Lokalem zu berichetn. Qualität : Naja bis semiprofessionell.Danach gab es 2007 ein neues Landesmediengesetz, zur Freude der Verleger,auch der WAZ Gruppe
21:02
In NRW erlaubt das Landesmediengesetz von 1987 bislang nur einen Lokalsender pro Stadt bzw. Landkreis. Dieser muss zudem nach dem 2 Säulen System aufgebaut sein. Es muss eine Veranstaltergemeinschaft gegründet werden (besteht aus Politikern, Vereinsvorsitzenden aus dem Sendegebiet oder auch angehörigen der Kirchen) und einer Betreibergesellschaft wie z.B. bei den Ruhrgebiets Lokalradios die Westfunk. Erstere ist Arbeitgeber der Redaktion und des Chefredakteur, die Betreibergesellschaft kümmert sich um die Ausstattung der Sender und übernimmt die Vermaktung der Werbezeiten usw. Damit wollte die SPD Regierung Ende der 80er Jahre Privatfunk in NRW weitesgehend verhindern, verbieten konnte sie ihn laut EU-Gesetz nicht. Erst die rot/grüne Landesregierung unter Peer Steinbrück änderte des Landesmediengesetz 2004 insofern, das auch andere Sender bedingt zugelassen sind. Wie z.B. domradio in Köln und Pulheim. Die jetzige Landesregierung plant zumindest die Frequenzen von BFBS privatem Rundfunk zur Verfügung zustellen, sollten die Briten die Frequenzen irgendwann mal zurückgeben.
16:08
@dusted: So habe ich es auch gar nicht verstanden (dass keine Frequenzen da wären), sondern schon aus politischer Sicht.
Aber wie kommt es, dass diese Lobby in NRW so stark ist, während es z. B. im traditionell eher konservativen Bayern eine Fülle an privaten Radiostationen gibt? Das überrascht mich und daher dachte ich, wenn anderswo die Zulassung möglich ist, können hier auch nicht entschieden mehr Entscheidungsträger dagegen sein. Wissen Sie zufällig, ob es in den letzten Jahren mal Versuche gegeben hat einen privaten Radiosender in NRW auf Sendung zu schicken, der dann nicht zugelassen wurde?
08:51
... ich meinte auch nicht, dass die Frequenzen technisch nicht vorhanden wären. Es ist eher so, dass in NRW da eine ziemlich grosse Lobby den Daumen drauf hat, um Werbeeinnahmen gesichert zu wissen.
Mal vereinfacht gesagt:
Den Entscheidungsträgern ist durchaus bewusst, dass beispielsweise 1Live sofort verlieren würde, wenn´s einen Sender geben würde, der nur 10% mehr Abwechslung im Musikprogramm hat.
23:24
@dusted
Dass allgemein keine Frequenzen freigegeben werden für neue Sender glaube ich eigentlich gar nicht so sehr - anderswo geht es ja auch.
Mir ist zugegebenermaßen absolut schleierhaft, warum es in NRW so wenige Radiosender gibt. Eigentlich gibt es hier ja nur die sechs Sender des WDR, Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und den jeweiligen Lokalsender von Radio NRW. Hinzu kommt noch BFBS, irgendein Sender zwischen MG und Heinsberg (Name vergessen) und vereinzelt räumlich begrenzte Uniradios (z.B. Radio CT in Bochum).
Wenn man in Hessen oder Rheinland-Pfalz unterwegs ist, kann man sich im Radio vor privaten Radiosendern überhaupt nicht retten (FFH, RPR, ...) und auch in vielen anderen Bundesländern sieht das ähnlich aus. Allen voran natürlich Berlin.
Dass es noch jemand hier versucht, glaube ich aber auch nicht, denn mit Ihrem letzten Absatz stimme ich absolut überein. Die bisherigen FM-Frequenzen werden zwar weiter bestehen, aber das normale Radiogerät wird online mit Sendern gespeist.
10:37
Die Frequenzen würden (wenn vorhanden) überhaupt nicht freigegeben werden.
Da würde sich der öffentliche rechtliche Rundfunk absolut gegen stellen, würden sie doch Hörer und damit Werbegeld verlieren.
In ein paar Jahren (ich schätze ca. 5) wird es aber eh darauf hinaus laufen, dass in jedem Autoradio, Internetradio läuft.
Das mobile Internet wird bis dahin flächendeckend in DSL Geschwindigkeit verfügbar sein, und in die Autoradios werden auch die Empfänger integriert sein.
09:43
analog senden ist viel viel teurer als online.
aber wenn du denen gerne so ne sendestation spenden willst, nur zu
16:47
Ich wollte eher darauf hinaus das man auch mal in Erwägung ziehen könnte auf konventionelle Weise zu Senden. Analog auf FM.