Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Erinnerung

Alexandra - Die traurige Diva

31.07.2009 | 07:53 Uhr
Alexandra - Die traurige Diva

Essen. Alexandra starb vor 40 Jahren bei einem rätselhaften Autounfall. Ihre Lieder wie "Zigeunerjunge", "Sehnsucht (Das Lied der Taiga)" und "Mein Freund der Baum" sind unvergessen. Um den tragischen Tod der Ausnahmekünstlerin ranken sich bis heute Verschwörungstheorien.

Alexandra © Koch Universal Music

An der Todeskreuzung von Tellingstedt steht seit Kurzem, versteckt im Gebüsch, ein Gedenkstein. Fans haben ihn aufgestellt. „Hier starb die Sängerin Alexandra am 31. Juli 1969”, ließen sie draufschreiben. An diesem Tag, kurz nach 15 Uhr, rammte ein mit Gehwegplatten beladener Lastwagen samt Anhänger den Mercedes-Sportwagen der damals erst 27 Jahre alten Ausnahmekünstlerin rechts seitlich und schob das Wrack mehr als 20 Meter entfernt in einen Straßengraben. Alexandra, die offenkundig ein Stoppschild überfahren hatte, starb noch an der Unfallstelle. Ihre Mutter Valeska Treitz erlag einige Tage später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Der Sohn Alexander, der auf der Rückbank geschlafen hatte, überlebte leicht verletzt.

Der tragische, rätselhafte Tod auf der Landstraße, der sich nun zum 40. Mal jährt und immer ein bisschen an das Sterben von James Dean erinnert, war der Beginn eines Mythos.

Eigentlich hieß sie Doris Treitz

Man muss heute nur mal in beliebiger Runde den Namen Alexandra aussprechen, nach Sekunden summt irgendjemand die Melodie von „Mein Freund der Baum”. Manche suchen möglicherweise noch nach den Refrain-Zeilen („...er fiel im frühen Morgenrot...”), aber sofort ist wieder diese tiefe, traurige Frauenstimme aus den Wirtschaftswunderjahren im Gedächtnis, die Alexandra so unvergesslich macht.

Man hat sie als „Stimme der Sehnsucht” vermarktet, und so kitischig dieses Siegel klingt, es passt irgendwie zu dieser kurzen wie dramatischen Karriere.

Es wäre spannend zu wissen, was Alexandra heute tun würde, was sie aus ihrem rauchigen Stimm-Talent gemacht hätte. Sicherlich wäre sie nicht beim Schlager geblieben und hätte sich auf Dauer auch nicht in der Hitparade beklatschen lassen wollen. Lieder wie „Sehnsucht” waren ihr zuwider, ist bei ihrem Produzenten Fred Weyrich nachzulesen.

Slawistisch-folkloristisches Markenzeichen

Ihre Stimme und ihre Lieder sind unvergessen. © Koch Universal Music

Als sie das Stück einsingen musste, soll sie geweint haben. Vermutlich wäre Alexandra, heute 67 Jahre alt, beim Chanson und/oder beim Film gelandet, sie wäre wohl als große alte Dame auf kleinen gepflegten Bühnen unterwegs, das war ihr stets deutlich näher als die Schlagerszene.

Der Lebensweg von Doris Treitz alias Alexandra war steinig. Geburt im Memelland, der Flüchtlingstreck gen Westen verschlägt die Familie 1944 nach Kiel, später nach Hamburg. Alexandra will der Enge entfliehen, nach oben, Sängerin oder Schauspielerin werden. Sie jobbt als Zimmermädchen, Sekretärin, bei der Wahl zur Miss Germany belegt sie 1962 den neunten Platz. Sie heiratet einen 30 Jahre älteren Exilrussen. Die Beziehung scheitert, ihr entspringt jedoch der Sohn Alexander, nach dem sich die Sängerin schließlich nennt.

Entdeckt wird sie schließlich von Weyrich, der Alexandra als slawistisch-folkloristisches Markenzeichen etablieren will. Mit Hazy Osterwald und Adamo macht Alexandra erste Tourneen, arbeitet später in Brasilien mit dem Bossanova-Erfinder Carlos Jobim zusammen („Girl From Ipanema”).

Fans legen Blumen an Todeskreuzung nieder

Info
CD und DVD zum Todestag

Hits und private Fotos

Zum Todestag ist die CD/DVD „Alexandra. Stimme der Sehnsucht" (Koch/Universal) erschienen, die sowohl die Hits der traurigen Diva bietet als auch unbekanntere Versionen sowie eine französische Version vom Taiga-Lied. Die DVD enthält die TV-Dokumentation „Portrait in Musik", das Booklet eine umfangreiche Fotogalerie und private Fotos.

Den Durchbruch in Deutschland schafft sie 1967 mit „Zigeunerjunge”. Aber der plötzliche Erfolg bricht diese junge Frau auch. Der Auftrittsstress, die dauerhafte Trennung von ihrem Kind - der Juli 1969 soll eigentlich der Beginn einer längeren Auszeit werden. Als Alexandra stirbt, ist sie eigentlich auf dem Weg in den Sylturlaub.

Der merkwürdige Tod bei Tellingstedt hat immer wieder zu Spekulationen Anlass gegeben. Das elfenbeinfarbene Mercedes 220 SE Coupe´ soll zuvor Mucken gemacht haben; zudem war Alexandra offenkundig nicht mit dessen Bedienung vertraut. Die Polizei fand am Armaturenbrett Notizzettel mit den wichtigsten Anweisungen. Die logischste Erklärung wäre die, dass die Sängerin an der Kreuzung das Gas- mit dem Bremspedal verwechselte. Ein verheerender Irrtum also. Aber es ranken sich halt auch Verschwörungstheorien um ihren Tod. Da ist von Selbstmord die Rede, von Drogen, von Manipulationen am Unglücksauto. Eine Antwort werden ihre Fans nicht mehr bekommen.

Stattdessen werden sie wieder frische Blumen an der Todeskreuzung von Tellingstedt ablegen. Gerade heute, an dem Tag, an dem ein Mythos starb.

Michael Minholz

Facebook
 
Kommentare
01.08.2009
00:34
Alexandra - Die traurige Diva
von Silvio Thimm | #2

hallo. ich bin zwar erst 34. aber ich muß sagen nach diesem bericht vorgestern im fernsehen bin ich ein großer fan von ihr. wahnsinns und sehr sympatische stimme. erinnert mich sehr an christian anders. haben irgendwie was gemeinsam die beiden. ruhe in frieden. mfg silvio

31.07.2009
11:24
Alexandra - Die traurige Diva
von Verena | #1

Unvergessen wird sie uns bleiben, ihre tiefe kräftige Stimme, die unter die Haut geht., auch heute noch.
Wilde Spekulationen über ihren Tod die nicht aufhören. Immer wieder hört man, das in ihrem Familenkreis erhebliche Zwistigkeiten gegeben hat, bis hin zu Drohungen derer, die Nachforschungen über Alexandras Tod anstellen.
Letztendlich, ob wir es erfahren oder nicht, es wird keine wesentlichen Veränderungen herbeiführen. Sie wird immer die bleiben, die sie in ihrem Gesang verkörperte. Wirklich schade, dieses Talent nur so kurz erfahren zu haben.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/178120/create

Aktuelle Fotos und Videos
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Großartig, irre - einfach Gaga
Bildgalerie
Lady Gaga
Aus dem Ressort
"Die Ärzte" lassen sich in Oberhausen von "Kiss" inspirieren
Beste Band der Welt
"Die Ärzte" in Oberhausen - das ist seit langem eine Liebesgeschichte. Die beste Band der Welt schmeichelte ihrem Publikum mit Sprüchen und musikalisch - auch wenn manche Fans die alten Hits vermissten. Einen Kniff hat sich die Band bei "Kiss" abgeguckt.
Foto 4 Kommentare 4
Türkischem Pianisten Fazil Say droht Haft wegen Tweet
Regierungskritiker
Dem bekanntem türkischen Pianisten Fazil Say drohen eineinhalb Jahre Haft. Say soll auf Twitter den Islam beleidigt haben. Die türkische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Say hat auch eine Verbindung nach NRW.