Abschied von der Blues-Legende B.B. King

B.B. King live: Diese Aufnahme entstand im vergangenen Jahr bei einem Auftritt in San Antonio, Texas.
B.B. King live: Diese Aufnahme entstand im vergangenen Jahr bei einem Auftritt in San Antonio, Texas.
Foto: Getty Images Entertainment/Getty Images
Was wir bereits wissen
Der Musiker B.B. King ist tot. Er starb im Alter von 89 Jahren in Las Vegas. Während der Jahrzehnte seines Schaffens hat B.B. King Generationen von Künstlern beeinflusst.

Essen.. Es reichte schon eine einzige Phrase, manchmal sogar ein einziger spitzer Ton in den hohen Griffbrettlagen, um zu wissen, dass da gerade wieder „Lucille“ zu „singen“ begann. Dass sie von den bösen, untreuen Mädchen erzählen durfte, vom Leben und vom Leiden, von den Zeiten, in denen man den Blues hat, und von denen, da man vor Glück in die Luft hüpfen möchte. B.B. King nannte „Lucille“ irgendwann mal seine wahre Geliebte, und es ist garantiert nur ein bisschen geflunkert. Denn B.B. King besaß viele „Lucilles“. Aber der Meister und seine so genannten Gibson-Gitarren entwickelten über die Jahre beim Zusammenspiel eine Innigkeit, wie es sie nicht oft gab in der jüngeren Musikgeschichte.

Nun werden seines „Lucilles“ wohl als Ausstellungs- und Erinnerungsstücke in irgendeine Ruhmeshalle einziehen. Denn der Mann, der sie spielte, der große Bluesgitarrist B.B. King, ist tot.

89 Jahre ist er alt geworden, ehe er in Folge einer langjährigen Diabetes-Erkrankung an seinem Wohnsitz Las Vegas für immer die Augen schloss und die Musikwelt in tiefe Trauer stürzte.

Lenny Kravitz, einer jener jüngeren Musiker-Kollegen, die zwar auf einer ganz anderen musikalischen Schiene unterwegs sind, aber ohne Zweifel in jungen Jahren Kings Gitarrenspiel gelauscht haben, brachte die hohe Kunst des Meisters und seine Bewunderung gestern sehr gut auf den Punkt: „B.B., jeder andere konnte tausend Noten spielen und niemals sagen, was du mit einer einzigen ausgedrückt hast.“

Man muss sich das vor Augen halten: Fast 70 Jahre währte diese Karriere des als Riley B. King in Indianola (Mississippi) geborenen Sohns armer Plantagenarbeiter. Geschenkt wurde King wahrlich nichts: Sein Vater verlässt die Familie, als er vier ist, die Mutter stirbt kurz darauf. King ackert auf dem Feld, er singt im Gospelchor, besorgt sich eine Gitarre und lässt sich von einem Prediger die ersten Griffe zeigen. Bis es irgendwann dazu reicht, von Spelunke zu Spelunke zu ziehen und sich so den Lebensunterhalt zu verdienen.

Gitarrist bei einer Radioshow

Dann verschlägt es King nach Memphis, wo man ihn als Gitarrist für eine Radioshow verpflichtet. „Blues Boy“ nennen sie ihn, daraus wurde B.B. Die Initialen einer Weltkarriere. Sie begann mit seinem ersten Hit „The Thrill Is Gone“ Ende der 60er-Jahre. Eine typische King-Nummer, geprägt von seinem gar nicht mal so virtuosen oder schnellen, aber ungemein zupackenden und intensiven Gitarrenspiel und natürlich dieser Stimme, die fast so markant wie der Gesang von „Lucille“ war. Es war zugleich einer der Songs, die den Blues plötzlich auch bei weißen Hörern salonfähig machten. Nicht nur in den Vereinigten Staaten. Plötzlich spielte der King of Blues in Europa sogar bei Königs im Garten.

Related content B.B. King war ein Weltstar, segelte aber all die Jahre immer ein wenig neben dem Mainstream her. Mit Rock’n’Roll oder Rockmusik hatte der beleibte Herr nie etwas am Hut. Er hat immer sein Ding gemacht: den Blues.

Und vermutlich erst in späten Jahren erkannt, welchen Einfluss sein Spiel auf gitarristische Nachfolger wie Eric Clapton oder John Mayall, Keith Richards oder Jack White hatte. Oder dass ein John Lennon sagte, er habe es immer bedauert, nie so gut Gitarre zu spielen wie B.B. King.

Sie wollten ihn sehen, bis zuletzt

Noch im hohen Alter ist King auf Tournee gewesen, hat Alben eingespielt, die freilich nicht immer mehr die große Qualität etwa eines „Deuces Wild“ hatte, aber immerhin. Auch in Deutschland ging er noch 2011 auf die Bühne, gehbehindert zwar und etwas wackelig auf den Beinen, aber sichtlich gut drauf. Solange ihn das Publikum sehen wolle, so lange werde er auftreten, sagte er immer.

Und sie wollten ihn gern sehen, ihm zujubeln. Und nicht nur seine Fans wissen: Mit dem Tod von B.B. King hat der Blues ein großes Stück seiner Seele verloren.

Zum Video: Erinnerungen an einen Ausnahme-Musiker.