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Rock-Geschichte

2010: Die Söhne des Predigers - Kings of Leon

16.09.2011 | 06:00 Uhr
2010: Die Söhne des Predigers - Kings of Leon

Mit ihrer Mix aus Elementen von Blues, Country und Garagen-Punk und ihren Texten, die von Rastlosigkeit, Einsamkeit und der Suche nach einem Zuhause erobern die Kings of Leon das Publikum. Ihre Wurzeln liegen im crhsitlichen Milieu.

„Someone like you and all you know and how you speak
Countless lovers under cover of the street
You know that I could use somebody
You know that I could use somebody
Someone like you“

Ziellos läufst du durch die Straßen, die Menschen um dich herum scheinen künstlich. Zahllose Geliebte, die du haben könntest. Aber du möchtest etwas Verbindliches, willst diese eine: „Du weißt, ich könnte jemanden brauchen – jemanden wie dich“, singt, ja fleht Kings of Leon-Sänger Caleb Followill mit einer solchen Inbrunst, dass es mich beim ersten Hören der Single „Use somebody“ aus dem Album „Only by the night“ bis ins Mark traf.

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Unter freiem Himmel wird am 9. Januar die Ruhr 2010 eröffnet. Essen ist Europäische Kulturhauptstadt, stellvertretend für 53 Städte der Region. Zahlreiche Konzerte, Theater und Kunstprojekte folgen, z. B. 400 gelbe SchachtZeichen-Ballons und das spektakuläre Still-Leben auf der A40. Am 24. Juli kommt es jedoch bei der Loveparade in Duisburg zur Katastrophe. Bei einer Panik sterben 21 Menschen, mehrere Hundert werden verletzt.

Kurz zuvor wird Hannelore Kraft (SPD) Ministerpräsidentin von NRW. Sie steht nun einer rot-grünen Minderheitsregierung vor, die als Erstes die Schul-Kopfnoten wieder abschafft. Ex-Bundesbank-Vorstand und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin spaltet derweil mit Thesen zur Integration von Ausländern die Republik.

Das Berliner Canisius-Kolleg macht Fälle sexuellen Missbrauchs aus den 70er- und 80er-Jahren öffentlich. Immer mehr Fälle kommen an katholischen Schulen und Einrichtungen ans Licht. Das Bundesverfassungsgericht kippt die Hartz IV-Sätze (Februar), Deutschland wird Dritter bei der Fußball-WM in Südafrika (Juli), und in Dortmund beginnt die Flutung des Phoenixsees (Oktober).

Caleb Followill, seine Brüder Nathan und Jared sowie ihr Cousin Matthew kennen eine gewisse Unstetigkeit und Unabhängigkeit aus ihrer Kindheit. Leon Followill, Namensgeber der Band und Vater von Caleb, Nathan und Jared, kann man als einen der letzten Hippies bezeichnen. Als Wanderprediger der Pentecostal Church zieht er mit der Familie durchs Land. „Wir sind unterwegs groß geworden, auf den Straßen zwischen Oklahoma City, Memphis und wieder zurück“, sagt Caleb.

„Weil wir so selten zu Hause sind, sehnen wir uns auch so sehr danach. Zuhause ist doch der Ort, von dem wir alle träumen. Das Leben dort soll ein wunderbares sein“, erklärte Caleb kürzlich.

Rastlosigkeit als roter Faden

Motive von Rastlosigkeit, Suche und Alleinsein ziehen sich wie ein roter Faden durch das vierte Album der Südstaatenband. Mit „Only by the night“ und den Single-Auskopplungen „Use somebody“ und „Sex on fire“, die im Radio und in Diskos auf Dauerrotation tönen, gelingt den Jungs der kommerzielle Durchbruch: In Deutschland schafft es das Album bis auf Platz 6 der Jahrescharts.

2009 heimst „Use Somebody“ gleich drei Grammys ein. Bei den Brit Awards werden die „Könige“ für das beste Album ausgezeichnet. Noel Gallagher, damals noch Oasis-Frontmann, bekennt: „The Kings of Leon are my new fucking favourite band“.

Im christlichen Milieu liegen die musikalischen Anfänge der Kings of Leon. Schlagzeuger Nathan, der älteste der Brüder, beginnt mit sieben Jahren das Gitarrenspiel. In der Pentecostal Church ist die Musik ein wichtiges Element: „Man zeigt seine tiefsten Gefühle. Die Leute sind nicht immer besonders gut auf ihren Instrumenten, aber wenn sich alle irgendwie finden, haut es dich echt um.“

Bis 1992 lebt die Familie in Mumford. Die Stadt, dreißig Minuten von Memphis entfernt, ist ein regelrechtes Kaff. Konservativ durch und durch. „Wir waren in einer kleinen Schule mit vierzig Kindern zwischen zwölfter Klasse und Kindergarten“, erinnert sich Nathan. Auf dem Stundenplan: Heimatunterricht, Lesen, Schreiben und Erdkunde.

Das Ende der Kleinstadt-Idylle

Die Kleinstadt-Idylle endet abrupt. Vater Leons Verhalten entspricht nicht den Vorstellungen der Kirche: Mitunter zeigt er sich den Mitgliedern seiner Gemeinde nackt, auch trinkt er zu viel Alkohol. Die Kirchenoberen nehmen ihm das geistliche Amt, und die Familie zieht nach Nashville.

2010: Dicke Gitarrenwände und viel Gefühl

Die Kings of Leon sind eine
extrem fleißige Band. Nachdem sie im Oktober 2009 eine
monatelange Welttournee
beendet hatten, gingen sie
schon im Februar 2010 wieder ins Studio. „Come Around
Sundown“, veröffentlicht am 15. Oktober 2010, ist ihr
fünftes Studioalbum. 13 Titel, 47 Minuten Spielzeit: eine
Mischung aus schnellen Rocks und langsamen Balladen,
dicken Gitarrenwänden, viel Gefühl und noch mehr Energie.
Anspieltipps: „Radioactive“, „Back Down South“ sowie „The Immortals“. „Come Around Sundown“ kam bei der Kritik nicht so gut weg wie sein Vorgänger, erreichte aber in D und GB Platz, in den USA Platz 2.

Dort kommen Kings of Leon erstmals mit den „teuflischen“ Verlockungen der Großstadt in Kontakt. „Zum ersten Mal hatten wir die Möglichkeit, für uns selbst zu denken. Wir probierten alle möglichen Sachen aus, von denen wir vorher nicht einmal geahnt hatten, dass es sie da draußen gab“, sagt Nathan.

Sie kauften Platten von Bands, von denen sie zuvor nur gehört hatten: Led Zeppelin, Tom Petty, Rolling Stones. „Als wir auf die White Stripes stießen, war ich total hin und weg. Wir dachten: Vielleicht können wir das auch und vielleicht kriegen wir’s sogar cool hin“, erinnert sich Nathan. Die Brüder formierten sich erstmals zu einer Band und mieteten kurzentschlossen ein Haus für Proben und Auftritte – Matthew und Jared waren mit 18 und 16 noch zu jung für die Clubs der Großstadt.

Die ersten Nächte verbrachten sie damit, die Leute, die sie besuchten, beim Koksen, Kotzen und beim Randalieren zu beobachten. „Manche Leute wirkten so verzweifelt, dass man es förmlich riechen konnte“, erinnert sich Caleb. All diese neuen Eindrücke sollten im Jahr 2003 auch in ihr erstes Album „Youth & Young Manhood“ einfließen. Elemente von Blues, Country und Garagen-Punk machen den Sound der Südstaaten-Musiker aus, der nicht mit expliziten Andeutungen geizt. Mit „Only by the night“ entsagen die Jungs weitgehend den Country-Klängen, an eindeutigen Aussagen fehlt es weiterhin nicht, wie der Titel „Sex on fire“ beweist.

Erhalten haben sich die „Kings of Leon“ auch ihr Gespür für die Massen: Ihr fünftes Album „Come around Sundown“ (Oktober 2010, siehe Zugabe!) schaffte in Deutschland, Großbritannien und vielen anderen Ländern direkt den Sprung auf Platz 1.

Postskript: Nachdem Caleb Followill am 29. Juli 2011 in Dallas ein Konzert abgebrochen hatte, cancelte die Band am 1. August die bevorstehende US-Tour. Als Grund wurden gesundheitliche und stimmliche Probleme des Frontmanns angegeben. Hinter den Kulissen heißt es, der 29-Jährige müsse einen Alkoholentzug machen.

Die Charts des Jahres:

Für die 19-jährige Hannoveranerin Lena reicht es (trotz des Eurovision-Siegs) in den deutschen Jahrescharts nur zu Platz drei. Direkt vor ihr platziert sich Shakira mit dem offiziellen Song der Fußball-WM in Südafrika. Platz eins belegt Israel ‘Iz’ Kamakawiwo’ole. Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen ist in seiner Heimat Hawaii ein Nationalheld – und schon seit 13 Jahren tot. „Over The Rainbow“ ist die Widerveröffentlichung eines Liedes von 1993.

1. ‘Iz’ Kamakawiwo’ole: Over The Rainbow

2. Shakira: Waka Waka

3. Lena: Satellite

4. Unheilig: Geboren um zu leben

5. Yolanda Be Cool & Dcup: We No Speak Americano

6. K’Naan: Waving Flag

7. Stromae: Alors On Danse

8. Hurts: Wonderful Life

9. Keri Hilson: I Like

10. Ke$Sha: TiK ToK

(Quelle: media control)

 

Antonia Röder

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