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01.02.2012 | 23:57 Uhr
Vom eigenen Erfolg überwältigt: Dan Auerbach (r.) und Patrick Carney sind The Black Keys. Foto: ap

Berlin.   Die dreifachen Grammy-Preisträger gaben in Berlin eines ihrer seltenen Gastspiele. Sie haben gehörig neues Publikum hinzugewonnen, nicht zuletzt wegen des Albums „El Camino“, das eine Sammlung lupenreiner Hitsingles zu enthalten scheint. In 100 Minuten Show ließen sie das Publikum dahinschmelzen.

Als die White Stripes vor gut einem Jahr endgültig ihre Trennung bekannt geben, dürfen sich zwei Leute zumindest heimlich ein klein wenig Hoffnung machen, es sei ihnen verziehen: Dan Auerbach, Gitarrist und Sänger der Black Keys, und sein steter Wegbegleiter an den Drums, Patrick Carney. Gemeinsam können sie sich in zehn Jahren und einigen angenehm rumpeligen Bluesrock-Alben stetig anwachsender Popularität erfreuen. Der ganz große Sprung aber gelingt erst später, zu übermächtig die Konkurrenz in einem ausgereizten Segment. Erst mit dem 2010er Werk „Brothers“ startet der große Triumphzug, der sein vorläufiges Highlight mit dem Gewinn von drei Grammys erreicht – just zu dem Zeitpunkt, als die White Stripes die Segel streichen.

In der Arena Berlin beschleicht einen das Gefühl, dass tatsächlich ein paar der Fans das Lager gewechselt haben müssen und nun den inzwischen ebenso großen Ableger feiern. Vielleicht ein Schnellschuss, diese Theorie. Als rasche Vermutung, warum die Black Keys denn plötzlich riesige Hallen ausverkaufen, dient es aber allemal. Ganze 9.000 (!!) Besucher kommen und tanzen - vorrangig zu den Stücken des neuen, unverschämt griffigen Rockalbums „El Camino“, das einer Ansammlung von durchweg lupenreinen Hit-Singles gleichkommt und die berechtigte Frage aufwirft, welcher Band dies zuletzt so eindrucksvoll gelungen ist.

Obwohl bereits seit einiger Zeit keine Tickets mehr erhältlich sind, ist die Halle in dem Moment, als Auerbach sich fast schüchtern dem Publikum vorstellt („Good evening, we’re The Black Keys“) weit davon entfernt, restlos gefüllt zu sein. Ein nicht ganz unerheblicher Teil der erwartungsfrohen, ungeduldigen Gäste steht immer noch in der schier unendlichen Schlange vor dem Eingang. Fest steht bereits zu diesem Zeitpunkt: So sehr die Band in den nächsten gut 100 Minuten mit ihrer Show imponieren wird, so inakzeptabel ist die Organisation rundherum. Dies bekommt neben den Wartenden im Schnee-Niesel auch der hintere Teil der Halle zu spüren, der mit einem matschigen Soundbrei auskommen muss. Abseits des Geschehens.

Auf den Schultern hüpft eine junge Studentin

Umso erstaunlicher sind die Protagonisten selbst, die lediglich ein paar Minuten brauchen, um sich bis hinten durchzukämpfen und nicht nur zwischen den einzelnen Stücken für Jubelstürme zu sorgen. Das dankbare Berliner Publikum feiert „Brothers“-Hits wie „Tighten Up“ oder „Ten Cent Pistol“, doch stehen vor allem die aktuellen Rock-Hymnen wie „Howlin‘ For You“, „Next Girl“ oder „Sister“ bei der live um Bassist und Keyboarder aufgestockten Band und dem bunt gemischten Publikum hoch im Kurs: Links die auf den Schultern des Freundes hüpfende junge Studentin, rechts der an den Bierbecher klammernde Single mit lichtem Haupthaar.

„O-ho-ho-ho!“

Unbestrittener Höhepunkt und zugleich letzter Song des regulären Sets ist das - „O-ho-ho-ho!“ – unwiderstehliche „Lonely Boy“, das einen später auch noch durch die Straßen Berlins verfolgen soll. Erst einmal kommen Auerbach und Kollegen nach lautem Getöse im Publikum aber noch mal zurück auf die Bühne, bis sich beim abschließenden „I Got Mine“ plötzlich in hell erleuchteten Buchstaben der Bandname in die letzten Eindrücke dieses imposanten Konzertabends brennt: THE BLACK KEYS. Jetzt hat es wirklich jeder verstanden. Das nächste Mal dann in der O2 Arena – mit „O-ho-ho-ho!“ und La Ola?

Pascal Weiß

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