Springe zur Hauptnavigation, zur Suche, zum Inhalt.

Suche
Hauptnavigation
Sie befinden sich hier:

Kulturpolitik : Die Kleinen klagen bitterlich über die Gema

Musik und Konzerte, 04.09.2009, Marc Wiegand

Essen. Nicht alle singen gerne das Lied der Gema - Abgaben an den Musikrechte-Verwerter Gema machen Veranstaltern zu schaffen. Über 100 000 Konzertveranstalter, Musiker und weitere Kulturschaffende unterschrieben eine Petition an den Bundestag und machten ihrem Ärger Luft.

Live-Musik Adieu! So müsste das Wuppertaler Stadtteilfest „Barmer Herbst” an diesem Wochenende (4.9.09) eigentlich überschrieben sein. Schließlich werden die Besucher, die an Bauernmarkt, Kunsthandwerk und Karussell entlang schlendern, höchstens von Musik aus der Konserve berieselt. Der Veranstalter verzichtet in diesem Jahr auf das musikalische Bühnenprogramm, weil niemand die hohen Gebühren des Musikrechte-Verwerters Gema bezahlen will.

Wutschrei? Auch bei "Bochum Total" ist man auf die Gema nicht gut zu sprechen. (c) Jakob Studnar Foto: WAZ

Das Fest in Wuppertal-Barmen ist längst kein Einzelfall mehr. In einer Petition an den Bundestag machen 106 575 Konzertveranstalter, Musiker und weitere Kulturschaffende ihrem Ärger über die Gema Luft. Sie fordern, dass die Arbeit des Musikrechte-Verwertes „auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz, Vereinsgesetz und Urheberrecht überprüft wird.” Hinter dieser trockenen Formulierung verbirgt sich der Vorwurf, die Verwertungsgesellschaft, die treuhänderisch die Urheberrechte ihrer 63 000 Mitglieder verwaltet, würde absurde Summen verlangen. Harter Tobak, der den Petitionsausschuss des Bundestages im November beschäftigen wird.

„Die Gema benutzt eine willkürliche Abrechnungsmethodik, die nur ihrer Gewinnmaximierung dient”, kommt aus den Reihen der Interessengemeinschaft (IG) Barmen harsche Kritik. Die Einzelhändlergemeinschaft, die den „Barmer Herbst” veranstaltet, hält in ihrem Fall Gebühren in Höhe von rund 600 Euro für angemessen. Die Gema würde jedoch in etwa das Zehnfache fordern. Grund für diese gravierende Diskrepanz ist die unterschiedlich Auffassung über die Bemessungsgrundlage: Die IG bezieht ihre Rechnung auf den Platz, auf dem die Bühne steht, und der beschallt wird. Die Gema schließt jedoch die gesamte Fußgängerzone, rund 13 400 Quadratmeter, in ihre Rechnung mit ein. „Haarsträubend ist das. So wird Kulturleben zerstört”, meint ein IG-Mitglied dazu.

Kein gutes Haar an der Gema

„Ich kenne keinen Veranstalter, der nicht über die Gema stöhnt”, fasst Mark Schulz von der Veranstaltungsagentur Stamm & Belz die Stimmung in der Musik-Branche zusammen. „Wenn wir in der Essener Zeche Carl eine Party mit Musik aus der Konserve veranstalten, müssen wir schon 300 Euro bezahlen”, erklärt er. Die Gebühr berechne sich nach Eintrittspreis und Größe der Halle. Dabei greife diese sogenannte Gema-Pflicht für eine Veranstaltung, sobald dort ein einziges Gema-pflichtiges Musikstück gespielt werde. „Da ist schon ein bisschen Abzocke dabei.”

Kein gutes Haar an der Gema lässt auch Marcus Gloria. Er veranstaltet das eintrittsfreie Stadtfestival „Bochum Total”, das sich im Wesentlichen über Sponsoren, Getränkeverkauf und Standgelder finanziert. In diesem Jahr flatterte eine Forderung in Höhe von 15 000 Euro auf seinen Schreibtisch. Wie soll das funktionieren?”, fragt Gloria. Dass aufgrund der Wetterkapriolen an zwei von vier Veranstaltungstagen nur wenige Besucher den Weg nach Bochum fanden, berücksichtige die Verwertungsgesellschaft überhaupt nicht.

„Wo bleibt der Rest der 15 000 Euro?”

"Tarif-Dschungel" mit Verschleierungstaktik. (c) imago Foto: imago stock&people

Was ihn so richtig auf die Palme bringt, ist die undurchsichtige Umverteilung: „Selbst wenn alle Künstler auf dem Festival Gema-Mitglieder wären, würden sie insgesamt nur 1000 Euro erhalten”, erläutert Gloria. Dabei gebe es bei dem Festival kaum Bands, die bei ihren Auftritten auf Songs anderer Künstler zurückgreifen würden. „Wo bleibt also der Rest der 15 000 Euro, die wir als Veranstalter zahlen sollen?”

Nach Ansicht Glorias verfolge die Gema mit ihrem „Tarif-Dschungel”, in dem sich bis vor kurzem auch die Sparte „Zirkusveranstaltungen mit Liliputanern” verbarg, eine bewusste Verschleierungsstrategie: 70 Prozent der Gema-Auszahlungen gingen an die kleine Gruppe ihrer stimmfähigen Mitglieder (3251). Der Rest der 63 000 Mitglieder würde benachteiligt.

Ort des Geschehens
Rund ums Thema

Interview

Gorny für Internetsperren bei Urheberrechts-Verletzungen

Essen. Die Absage der Popkomm soll auch ein politisches Signal der Industrie gegen die illegale Verbreitung von Musik im Internet sein. Popkomm-Gründer Dieter Gorny erklärt im Interview mit DerWesten, warum er das französische Modell für sinnvoll hält: Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen.   weiterlesen...

Musik und Konzerte, 03.07.2009, René Bogdanski und Andreas Fettig

die Trackbacks werden geladen...
die Kommentare werden geladen...
das Kommentar-Formular wird geladen...
Suchen Sie Ihre Stadt
Ihre gemerkten Städte:
    SchoolJam
    • DerWesten sucht in Kooperation mit dem Bundesfamilienministerium im Wettbewerb SchoolJam die beste Schülerband.

      Zum SchoolJam-Spezial
    zwanzigzehn - Das Blog zur Kulturhauptstadt
    • Kulturhauptstadt 2010: Eine riesige Region ist Schauplatz für dieses Großereignis. Wir sind natürlich dabei und viele andere Menschen, die über ihre Erfahrungen berichten.

      Zum Blog
    Alles zum "Forum Lokaljournalismus"
    Kulturhauptstadt 2010
    Westropolis
    Mode
    • Mode von hier - Designer, Models und Trends. Fotos und Texte zum Thema Mode gibt’s auf dem DerWesten-Spezial.

      Zum Mode-Spezial
    Das Feuilleton für NRW
    • Schauspiel, Oper, Tanz, Film, Musik, Literatur und mehr: DerWesten präsentiert die besten Artikel von "K.WEST - Das Feuilleton für NRW".

      Zu den K.WEST-Beiträgen
    Das Kulturhauptstadtmagazin
    • Das Magazin für Kultur, Wirtschaft und die Kulturhauptstadt in spe - DerWesten präsentiert das Beste aus der “Ruhr Revue“.

      Zu den Beiträgen der Ruhr Revue
    DerWesten lyrisch
    seen.by Fotokunst & Fotodruck
    • Wer Fotos liebt, geht zu seen.by Fotokunst & Fotodruck: Profi-Fotografen und -Amateure zeigen ihre besten Motive. Auch wir sind dabei mit Bildern aus dem Westen. Nutzer können unsere und ihre eigenen Bilder in hoher Qualität drucken lassen.

      Mehr...