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Konzert: Depeche Mode - Stadionrockgewaltig

Musik und Konzerte, 03.11.2009, Georg Howahl

Foto: WAZ FotoPool

Depeche Mode in Oberhausen: Dave Gahan schwitzt schon beim zweiten Song. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

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    Depeche Mode in Oberhausen: Dave Gahan schwitzt schon beim zweiten Song. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

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    Depeche Mode in Oberhausen: Ein Multimedia Overkill durch die geschickt von Anton Corbijn in Szene gesetzen Videos. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

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    Depeche Mode in Oberhausen: Das Hirn und das Herz hinter der Show, Martin L. Gore. Er schrieb die meisten Songs - und sorgte für die gefühligen Momente. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

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    Depeche Mode in Oberhausen: Dennoch bleibt Dave Gahan der Charismatiker... Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool

Oberhausen. Depeche Mode ist eine sehr, sehr große Band. Und das nicht erst seit gestern. Dementsprechend sind die Erwartungen an Live-Konzerte von Depeche Mode nicht nur sehr, sehr groß, sondern gewaltig, stadionrockgewaltig.

Die König-Pilsener-Arena zu bespielen und zu beglücken, das war mit der gigantischen Show zum Album „Sounds Of The Universe“ dennoch keine allzu große Herausforderung. Aber eigentlich war das alles ja ganz anders geplant und die Oberhausen-Show nur das letzte Zusatzkonzert in der Region.

Erinnern wir uns also kurz an den Mai, als diese Tour abgebrochen wurde, bevor sie richtig begonnen hatte. Sänger Dave Gahan hatte einen Blasentumor, der wegoperiert werden musste. Das hätte viele aus der Bahn geworfen. Nicht so Dave Gahan, diesen durchtrainierten Stehaufmann, dem Scheidung, Drogensucht und Selbstmordversuche nichts anhaben konnten, genau so wenig wie ein kurzzeitiger Übertritt ins Reich des Todes. Nach nicht einmal einem Monat Genesung stand er im Juni wieder auf der Bühne, um nachzuholen, was krankheitsbedingt versäumt wurde.

Helikopter mit dem Mikroständer

Charismatiker am Mikro: Dave Gahan. Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool Foto: WAZ FotoPool

Halten wir kurz inne, richten unseren Blick ins Oberhausener Rund und mutmaßen, was der Welt entgangen wäre, wenn es diesen durchaus charismatischen Sänger und Massenanimateur allzu früh dahingerafft hätte. Die Entertainmentgeschichte wäre ärmer um einen ihrer virtuosesten Mikroständerakrobaten und Wirbelwinde. Denn allein die vielen verschiedenen Arten, wie er mal mit dem Mikroständer zur Helikopterschraube wird, wie er mit ihm in Pirouetten dreht und ihn dann wie eine Tanzpartnerin dreht, dazu braucht man Talent. Das hat Gahan. Auch stimmlich.

Denn, fast hätten wir’s vergessen, Musik lieferten Depeche Mode vor einer gigantischen Videoleinwand inklusive projektionstauglicher Halbkugel ja auch noch. Fast zwei Stunden lang. Zwei Stunden, die es selbst den Laien in der Fangemeinde leicht gemacht haben, mitzusingen, vorausgesetzt, sie haben „Sounds Of The Universe“ gekauft. Von diesem Album stammen etwa die ersten drei Lieder, „In Chains“, „Wrong“ und „Hole To Feed“, bei denen auch klar wird, dass Martin L. Gore zwar der begnadete Songschreiber, doch eben nicht der Charismatiker dieser Band ist, eher ihr Paradiesvogel. Im Silberglitzerjackett, mit Silberglitzerpuder allüberall auf dem Körper bestäubt und einer sterngezackten Gitarre, steht er dort wie ein von den Sternen gefallener Papageno. Liebenswert, sympathisch, begnadet. Aber nicht mehr.

Corbijn und das Rabenauge

Als Depeche Mode ihren Hitreigen mit „Walking In My Shoes“ eröffnen, liefern sie gleich einen beeindruckenden Beweis für die konsequente Ausnutzung der Videoleinwand, ein Phänomen, das man an diesem Abend noch mehrfach beobachten soll, schließlich stammt die Videoshow von Anton Corbijn, dem Haus- und Hoffotografen von Depeche Mode. Die Leinwand also: Erst fliegt ein Rabe darüber. Und während die Kamera auf seinem schwarzen Gefieder verharrt, wird die Halbkugel über der Bühne zum Rabenauge, das darüber wacht, ob das Publikum Dave Gahan pflichtgemäß die Gesangspflichten abnimmt.

Es folgt ein Streifzug durch die Jahrzehnte: „It’s No Good“, „A Question Of Time“, „Precious“, „Fly On The Windscreen“, das mit seinem glasklar modulierten Thema daran erinnert, dass Depeche Mode tatsächlich mal den Begriff Synthiepop mitdefiniert haben.

Die Martin-Momente

Was nun folgte, waren die Martin-Songs. Gore darf bei Depeche Mode nämlich von Zeit zu Zeit auch singen – und etwa mit „Freelove“ und „Home“ für die intimen Momente sorgen, teils nur begleitet vom E-Piano.

Depeche Mode haben im Laufe der Jahre aber so viele Hits angehäuft, dass es ihnen leicht fällt, für den Rest des Abends eine todsichere Setlist zu erstellen, die trotzdem nicht komplett abgeschmackt wird. „Policy Of Truth“, „I Feel You“, das unvermeidliche „Enjoy The Silence“ ebenso wie „Never Let Me Down Again“, bei dem etwa 24 000 Arme im Takt hin und her gerissen werden. Ein großer Anblick nach 90 Minuten.

Und konsequenterweise gibt’s noch eine halbe Stunde Zugaben. Etwa „Stripped“, „Behind The Wheel“ und „Personal Jesus“. Und wer Depeche Mode mag, aber nun zufrieden ist, dennoch nicht dabei gewesen zu sein bei diesem guten, aber insgesamt nicht überragenden Konzert, dem sei gesagt: Das Wippen, das Singen, das Armehochreißen; das Schwitzen, das Wummern in der Brust, das Mitfiebern, das ist eben sehr, sehr großes Gefühl. Und allein dafür hätte es sich gelohnt, dabei zu sein.

Flechter-Visionen

P.S.: Möchte sich noch jemand darüber beschweren, dass Andrew Fletcher wieder nicht erwähnt wurde? Obwohl er doch das dritte Mitglied von Depeche Mode ist? Der Mann war da. Stand am Rand. Am Keyboard. Trug Anzug. Sonnenbrille. Machte nicht viel. Cooler Typ. Hätte auch zu Hause bleiben können.

Ort des Geschehens
Rund ums Thema

Tour of the Universe 2009

Depeche Mode im Revier

Mitreißendes Konzert von Depeche Mode in der ausverkauften Arena in Oberhausen.   weiterlesen...

Oberhausen, 02.11.2009, Tom Thöne

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