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"Hordes of Chaos": Auf der Couch mit Kreator-Frontmann Mille

Musik und Konzerte, 23.01.2009, René Bogdanski

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Essen. "Hordes of Chaos" heißt die aktuelle CD der Heavy-Metal-Veteranen Kreator. DerWesten besuchte den Sänger und Kopf der Band, Mille Petrozza, in seiner Wohnung und sprach mit ihm über das Album und die anstehende Welt-Tournee.

Info

Die Band Kreator

Kreator trug in den 80er Jahren zur Verbreitung der Stilrichtung Thrash Metal bei. Die Gruppe gelangte auch im Ausland zu großer Popularität innerhalb der Metalszene. Die Essener gelten als eine der bekanntesten und ältesten deutschen Bands in dem Genre. Das aktuelle Album Hordes of Chaos erschien m 16. Januar 2009 über das Label Steamhammer (SPV) in Deutschland. Am 23. Januar geht die Band auf Europa-Tournee. Nach ihrem letzten Deutschland-Konzert in der Oberhausener Turbinenhalle am 14. März geht es für Kreator nach Amerika und Kanada.

Alle Tourdaten

"Hordes of Chaos" ist das inzwischen zwölfte Studio-Album der Metal-Band Kreator. Seit dem 16. Januar steht die CD in Deutschland in den Läden. Die Band gilt seit den achtziger Jahren als Speerspitze der deutschen Thrash-Metal-Bewegung. Auf eben diesen musikalischen Pfaden bewegt sich auch das aktuelle Album der Essener. Mit der Produktion beschreiten die Musiker neue Wege: Erstmals in der Geschichte der Band wurden die Songs live eingespielt. Die Aufnahmen fanden unter der Regie von Moses Schneider in den Berliner Tritonus Studios statt.

Damit haben Kreator die Zusammenarbeit mit ihrem vorherigen Produzenten, dem Engländer Andy Sneap, vorläufig beendet. Ein ungewöhnlicher Schritt, da Schneider bisher kaum Erfahrungen mit Metal-Produktionen hatte. Sneap produzierte namhafte Metal-Bands, wie Megadeth oder Machine Head und erhielt für Opeth's "Deliverance" einen Grammy in Schweden. Warum sich die Band zu diesem Schritt entschloss, erklärt Sänger Miland "Mille" Petrozza.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Moses Schneider?

Das aktuelle Kreator-Album "Hordes of Chaos" steht seit Freitag in den Läden.

Mille: Moses kommt eigentlich aus der Independent- Punkrock-Szene. Bekannt geworden ist er durch seine Produktionen von Tocotronic und Beatsteaks. Wir hatten vor, mit dem neuen Album einen anderen Ansatz zu finden und wollten einfach eine andere Art der Produktion für den Sound von Kreator etablieren. Wir haben uns mit unserem Produzenten Andy Sneap zusammengesetzt und ihn gefragt, wie es wäre, das Album live aufzunehmen. Er fand die Idee nicht gut und meinte, das würde irgendwie rumpelig. Ich habe viele Interviews von Bands gelesen, die Alben mit Moses Schneider gemacht haben und wusste deshalb, dass er solche Live-Aufnahmen macht. Ich habe ihn kontaktiert und so kam es zu der Zusammenarbeit. Das neue Album ist in seinen Grundstrukturen live aufgenommen. Die einzigen nachträglichen Einspielungen waren die Solo- und Melodie-Gitarren sowie der Gesang.

War das in der Vorbereitung ein anderes Proben?

Mille: Ja, definitiv. Du musst wirklich darauf achten, dass jeder alles immer richtig spielt. Wenn du ein Album im konventionellen Sinn aufnimmst, wo jeder seinen Teil separat einspielt, während die anderen längst zu Hause sind, kann bei den Proben ruhig noch etwas schief sein. Du lernst es spätestens dann, wenn du im Studio an deinem Part arbeitest. Da kann man noch viel nachbessern, so wie es heutzutage eigentlich fast jeder macht.

Wir haben so ausgiebig geprobt, dass wir an dem Tag, als wir ins Studio gegangen sind, auch für eine Live-Aufnahme bereit waren. Vor den eigentlichen Aufnahmen haben jedes Mal die Stücke vorher drei, vier Mal durchgespielt. Das Proben war sehr intensiv.

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dagegen gab es ja auch eine Zeit, in der viele Leute gesagt haben, die Tage der Band seien gezählt. Kreator früher - Kreator heute, wie ist dein persönliches Fazit?

Mille: Ich glaube, wir haben wieder zu unserer alten Stärke zurück gefunden. In den Neunzigern haben wir viel experimentiert und dachten, uns ständig neu erfinden zu müssen. Aus heutiger Sicht war das der falsche Weg. Ich will damit nicht sagen, dass unsere Alben aus der Zeit schlecht sind, sie waren einfach nur anders. Was wir jetzt haben, ist die perfekte Symbiose aus Experimenten und Identität. Wir können genau da Experimente ansetzen, wo sie nicht als solche wahrgenommen werden, da sie im Kontext der Band funktionieren. Das halte ich für den richtigen Weg, weil wir sowohl uns als auch die Fans zufrieden stellen können. Sollte ich nochmal den Drang verspüren, experimentelle Alben aufzunehmen, könnte ich mir ein Solo-Album vorstellen. Im Moment fühle ich mich allerdings kreativ vollkommen ausgelastet.

Wie kreativ ward ihr bei der Tour-Vorbereitung? Was erwartet den Konzertbesucher auf den bevorstehenden Kreator-Shows?

Mille: Jede Kreator-Tour wird natürlich größer als die vorangegangene. Wir wollen den Leuten, die zum Konzert kommen, auch etwas bieten. Sie sollen nicht einfach nur vier Typen an ihren Instrumenten sehen, sondern der visuelle Rahmen muss einfach stimmen - sei es von der Lichtshow oder vom Bühnenaufbau. Jemand, der eine Konzertkarte kauft, kriegt von uns eine richtig gute Show geboten.

Man darf gespannt sein. Danke für das Interview.

Das Interview führte René Bogdanski.

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