Musik für die Veranda

Essen..  Blues-Scheiben gibt’s zugegebener Maßen wie Sand am Meer. So erfrischend wie der bislang eher unbekannte Big Daddy Wilson surften in der jüngeren Vergangenheit allerdings wenige durch das Reich der drei Akkorde. Denn wer den akustischen Fingerzupferblues liebt, kommt dabei genauso auf seine Kosten wie der Freund ruppigerer Sounds mit elektrischer Gitarre und düsteren Bassläufen, Wilson lässt einen bei Bedarf mal mit den Fingern schnippen, aber hat auch den brodelnden, funkigen Sound eines Bo Diddley drauf. Sehr abwechslungsreich und geschmackvoll ist das arrangiert worden – und das alles mitten in Österreich!

„Time“ (Dixie Frog Records / Vertrieb: H’Art) hat der aus Edenton (North Carolina) stammende Ü-50-Blueser sein Album betitelt. Und sich mit etablierten Größen des Genres wie Eric Bibb beim Songschreiben und Produzieren ein kompetentes Team an Bord geholt. Da wird entspannt gegniedelt, nicht nur auf der akustischen Gitarre und mit dem üblichen Slide, sondern sie schnappten sich auch mal die Mandoline oder das 6-String-Banjo.

Durchgängig fasziniert Wilsons Stimme – beim Timbre irgendwo zwischen John Lee Hooker und Keb Mo. Machtvoll, aber auch weich, jedenfalls eine Kehle, die ordentlich den Blues hat. Man hört diesem Gesang an, dass da jede Menge Gospel und Countryfeeling im Hintergrund mitwabern. „Mississippi John“ ist nur eine von vielen Nummern, die man sich am liebsten auf einer Südstaatenveranda anhören würde.

Es geht sehr spartanisch los („Time To Move“), aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. „She Loves Me“ beispielsweise ist eine geradezu charmante Einladung zum Mitwippen, und mit „Mama’s Words“ findet sich sogar ein zartes Duett mit Ulrika Ponten auf der Titelliste.