Museum Folkwang zeigt Fotografien von Detlef Orlopp

Mit einer umfassenden Retrospektive würdigt das Museum Folkwang den Fotografen Detlef Orlopp.
Mit einer umfassenden Retrospektive würdigt das Museum Folkwang den Fotografen Detlef Orlopp.
Foto: Kerstin Kokoska
Was wir bereits wissen
„Nur die Nähe - auch die Ferne - Fotografie“: Das Museum Folkwang in Essen zeigt in einer neuen Ausstellung 160 Schwarz-Weiß-Fotografien von Detlef Orlopp. Der Künstler beschäftigt sich mit der Erscheinungsvielfalt organischer Formen.

Essen.. Detlef Orlopps Fotografie ist ein Fels in der Brandung modischer Strömungen, digitaler Entwicklungen, wirkungsheischender Effekte. Monolithisch, erhaben und analytisch durchdacht ragt sein Werk aus dem Meer der medialen Möglichkeiten heraus, still und sachlich, konzentriert und karg und voller Demut für das, was uns umgibt: Wasser, Erde, Gestein.

Das Museum Folkwang widmet diesem fotografischen Landschaftsvermesser, Oberflächen-Erkunder und Otto-Steinert-Schüler nun die erste umfassende Retrospektive. „Nur die Nähe – auch die Ferne – Fotografie“ ist ein eindrucksvolles Zeugnis staunenswerter Strenge und Klarheit, künstlerischer Konsequenz und inhaltlicher Tiefe. 160 Schwarz-Weiß-Fotografien, immer im quadratischen Format. Kein Horizont, kein Himmelblau, nur die Erscheinungsvielfalt organischer Formen.

Foto-Ausstellung Der Mensch hat in dieser sonst menschenleeren Fotografie auch seinen Platz. Eine Serie von Por­träts, die Orlopp seit den frühen 70ern gemacht hat, bildet den Ausgangspunkt dieser Ausstellung. Orlopp hat Studienfreunde vor die Kamera gebeten, befreundete Menschen, en face fotografiert, vor weißer Leinwand, ohne Regieanweisung. Während Thomas Ruffs Jahre später entstandene XXL-Gesichter heute mit ernstem Blick auf ihrem Kunststatus beharren, zeigt Orlopp diese schweigsamen Porträts ebenso unprätentiös wie eindringlich als Gesichtslandschaften. Man kann sie erkunden und abtasten, sich einlassen und vertiefen wie in die grafisch und gestisch erscheinenden Oberflächenstrukturen seiner Gebirgszüge, Gesteinsformationen und Wasseroberflächen.

Orlopps Variationen von Wasseroberflächen füllen Wände

Als Otto Steinert Ende der 50er die subjektive Fotografie propagiert, beugte sich sein Schüler Detlef Orlopp über die klassischen Themen Porträt und Landschaft, und bis heute hat er sie nicht aus den Augen gelassen. Allein die vielen Variationen von Wasseroberflächen füllen Wände: spiegelglatte Meeresbilder, tosende Seestücke, lichtfunkelnde Wellenbewegungen, ein Meer aus Strichen, Brechungen und Reflexionen. „Eine Feier des Wassers“, nennt Orlopp diese serielle Fotografie. Dazu türmen sich auf den Bildern imposante Gebirgsketten auf, feiern den Rhythmus der Gesteinsschichten und die Strukturen des schroffen Gerölls. Orlopp illustriert nicht, er schafft Ruhezonen für unsere überhitzten Wahrnehmungs-Sensoren.

Ausstellung „Es gründet in der Stille“ ist das Leitmotiv seines Lebens, und wie man so ganz bei sich bleibt und seiner Kunst in diesen nach Aufmerksamkeit und Abwechslung hechelnden Zeiten, das weiß Orlopp selbst nicht so genau. „Man verfügt über etwas, das einen immun macht“, sagt er nach einigem Nachdenken. Das Museum Folkwang setzt dieser Eigenständigkeit mit dem Ankauf von nahezu 500 Blättern und der Ausstellung ein würdiges Denkmal.