Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Ruhr.2010

Morgen ist Kulturhauptstadt

31.12.2009 | 12:46 Uhr

Essen. Ein kluger Traum und ein schönes Fest: es ist soweit, morgen ist Kulturhauptstadt. Dass die Stimmung gigantisch und die Erwartung überschäumend wären, wird man nicht behaupten dürfen; die Zeiten sind nicht danach.

Wer Sorgen hat, weil das Leben immer teurer wird, feiert nicht ohne Weiteres. Die Kulturhauptstadt ist allerdings nicht irgendein Weiteres.

Wir haben sie herbeigewünscht als etwas Großes; etwas, das schöne Bahnhöfe, herrliche Konzerte, Ausstellungen und ganz großes Theater bringen werde, und Touristen und ein neues Image. Wie jede Begeisterung wurde auch diese von der Zeit dezimiert; und Kunst und Geld, das bleibt eine schwierige Geschichte. Zuversicht und Vorfreude begegnen heute dem bitteren Satz: Und 2011 machen sie dann die Theater dicht. Wenn es so käme – sie hätten nichts gelernt. Gar nichts. Aber kommt es so?

Sie, wir alle haben etwas gelernt: dass die Kulturhauptstadt eine Bewegung ist. Die Bewerbung der Region um den Titel war der erste Schritt zu einer neuen, fast unglaublichen Solidarität; Theater, Museen, Kunst- und Heimatvereine handeln gemeinsam, die Musikszene gestaltet ein Jahr lang eine Hommage an Hans Werner Henze.

Die Kulturhauptstadt hat einen Traum

Dessen Kunst sich übrigens nicht an eine kleine Avantgarde wendet; Ruhr.2010 ehrt ihn auch deshalb, weil er sich und sein Werk in sozialer Verantwortung sieht. Soviel zum Thema: alles nur Hochkultur. Gegen die natürlich rein gar nichts spricht, bei uns wird aber die Skepsis vor der vermeintlichen Schwelle vererbt, obwohl die Enkel der Bergarbeiter Philosophielehrer sind.

Die Kulturhauptstadt hat einen Traum: Sie will einen neuen Geist begründen und die alten kohlenstaubdüsteren Bilder verdrängen. Es ist ein vernünftiger Traum, und er kann wahr werden. Ruhr.2010 kann der Welt zeigen, dass es zwischen Dortmund und Duisburg mehr gibt als verlassene Zechen; dass die eigenwilligen Orte des Reviers eine junge Kreativwirtschaft anziehen und in den Ruinen der Industrie Kunst entsteht, die zum Markenzeichen geworden ist. Wer das sehen will, muss herkommen.

Aber die Kulturhauptstadt darf nicht nur klug sein. Kunst kann die Seelen erreichen und den Weg in eine andere Dimension öffnen; das muss gelingen, bei den Menschen, die hier leben. Dann wird die Euphorie zurückkehren. Wenn dann diese Kunst auch noch bewirkt, dass aus der missachteten, gebeutelten Region eine bewunderte Metropole wird: umso besser. Dann wird 2010 ein Fest und 2011 kein Theater geschlossen.

Gudrun Norbisrath

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
14.01.2010
22:34
Morgen ist Kulturhauptstadt
von Oer.ps | #8

Jaja. Jetzt aber mal langsam in Rente, ja?

05.01.2010
14:54
Morgen ist Kulturhauptstadt
von polizistin | #7

Plan B: Wer keine Lust mehr hat in der Kälte zu stehen, sollte die Aftershow-Party im Hinterhaus nicht verpassen. www.hinterhaus-essen.de

03.01.2010
23:37
Blockierter Kommentar.
von Eis | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.01.2010
23:37
Blockierter Kommentar.
von Eis | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.01.2010
23:35
Blockierter Kommentar.
von Eis | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.01.2010
23:35
Blockierter Kommentar.
von Äptissin | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.01.2010
23:35
Blockierter Kommentar.
von Fürstäptissin | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.01.2010
23:32
Blockierter Kommentar.
von Fürstäptissin | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2325987/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schweden gewinnt ESC
Bildgalerie
Fotostrecke
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Aus dem Ressort
Künstler wirft der Documenta-Leitung Zensur vor
Ausstellung
Streit um die Documenta in Kassel: Die evangelische Kirche wollte zur Documenta-Zeit vor einer Kirche ebenfalls Kunst zeigen. Dagegen wehrte sich die Documenta-Leitung - und muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, Zensur zu betreiben.
Türkischem Pianisten Fazil Say droht Haftstrafe
Regierungskritiker
Dem bekanntem türkischen Pianisten Fazil Say drohen eineinhalb Jahre Haft. Say soll auf Twitter den Islam beleidigt haben. Die türkische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Say hat auch eine Verbindung nach NRW.