Mons, Marketing und Kultur

Und das ist auch gut so: Die belgische Kulturhauptstadt Europas Mons hat entschieden, das 400 000-Euro-Kunstwerk „The Passenger“ abzureißen (dazu mehr auf der folgenden Seite). Man kann nur hoffen, dass andere, künftige Kulturhauptstädte aus diesem besondern Fall von einstürzenden Neubauten lernen.

Auch im Ruhrgebiet war in der Vorbereitung auf Ruhr.2010 darüber nachgedacht worden, ob die Kulturhauptstadt nicht ein neues, symbolisches Kunst- oder Bauwerk bräuchte, eine „Ikone“, wie es in solchen Fällen dann auch gern in unorthodoxen Kreisen heißt. Die Rede ist dann auch gern vom „Bilbao“-Effekt, wobei meist vergessen wird, dass der Effekt so heißt, weil er bislang noch nirgendwo anders funktioniert hat als in der einstigen Kohle- und Stahlstadt des Baskenlandes, das sich mit Frank Gehrys Guggenheim-Museum die weltweite Aufmerksamkeit von Kulturtouristen sicherte.

Am Beispiel Mons war nun zu studieren, welche Risiken eine solche Strategie mit sich bringt. Es ist fast schon leichtsinnig, das Wohl und Wehe einer Kulturhauptstadt von einem einzigen Werk abhängig zu machen. Doch schon das Denken, das dahintersteht, stammt eben weniger aus kulturellen denn aus marketing-strategischen Überlegungen. Vielleicht sollte man sich auch in Mons darauf besinnen, dass es in der Europäischen Kulturhauptstadt um Kultur geht.