Moers Festival führt vor, was Jazz-Musiker heute bewegt

Moers..  Es ist schon merkwürdig beim 44. Moers Festival“ fanden knapp 12 000 Besucher vier Tage lang fast nichts zu meckern am Programm des Festival-Chefs Reiner Michalke, das von reichlich Großformationen dominiert war.

Wer etwa fürchtete, der norwegische Hardingerfiddler Olav Mjelva würde an der Seite der schwedischen Sängerin Sofia Jernberg das „Trondheim Jazz Orchestra“ in die Niederungen skandinavischer Volksmusik führen, sah sich am Montag aufs Angenehmste enttäuscht. Man erlebte eine von Streichern, Bläsern und Rhythmikern feinsinnig austarierte Synthese aus Neuer Musik, zeitgenössischer Improvisation und klug reflektierter Folklore, die das ohnehin schillernde Farbspektrum von Orchester- Klangwelten der Vortage luzid bereicherte.

Auch der Kölner Altsaxophonist Frank Gratkowski, sonst gerne mal ein Kandidat für Diskussionen, lieferte mit seiner Art-Rock-Jazz-Combo „Z-Country Paradise“ glänzende Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Zwar maulte manch altgedienter Veteran über fehlenden Free-Jazz, der einst am Niederrhein eine Hochburg hatte – was Reiner Michalke zurecht konterte, der sei so historisch wie Dixieland; er wolle zeigen, was Jazzmusiker heute bewege. Was ihm überzeugend gelang, auch wenn man sich fragen darf, ob viermal Colin Stetson mit seinen virtuos-stimmgewaltigen Muskelspielen auf Saxophonen aller Größen nicht doch des Guten etwas zuviel war.

Freuen konnte man sich jedenfalls über viele junge Europäer, die erfrischend unorthodox alle Möglichkeiten verfügbarer Soundscapes quer durch alle Stil- und Spielarten ausloten. Wer etwa Mikko Innanen und seinen gewitzten Finnen hörte, der weiß nun, dass man sich um die Zukunft des Jazz keine Sorgen machen muss.

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