Mönchengladbach widmet dem Apfel eine kritische Einführung

Die Künstlerin Antje Majewski nähert sich dem Apfel - künstlerisch, biologisch, ökologisch, ökonomisch und historisch.
Die Künstlerin Antje Majewski nähert sich dem Apfel - künstlerisch, biologisch, ökologisch, ökonomisch und historisch.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Städtische Museum Abteiberg in Mönchengladbach widmet dem Apfel eine umfassende Ausstellung. Zwei Künstler fragen, was aus ihm geworden ist.

Mönchengladbach.. Antje Majewski hat Äpfel gemalt: den glänzenden Shooting-Star mit rotem Fruchtfleisch, die robuste Schönheit vom Land der alten Sorte, den kleinen roten mit der eigenwilligen Beule am Stilansatz. Dann noch diese beiden äußerlich perfekten Exemplare - aber genmanipuliert. Die Künstlerin hat jeden dieser Äpfel "getroffen" und weiß, wo sie herkommen. "Vor zwei Jahren hatte ich von Äpfeln keine Ahnung, außer dass ich sie gekauft und gegessen habe", gesteht die in Berlin lebende Malerin und Videokünstlerin Majewski.

Das hat sich gründlich geändert: In der Ausstellung "Der Apfel. Eine Einführung" (12.7.-25.1.) geht sie mit dem polnischen Konzeptkünstler Pawel Freisler im Mönchengladbacher Museum Abteiberg der Entwicklung des Apfels auf den Grund - künstlerisch, biologisch, ökologisch, ökonomisch und historisch.

"Die Freiheit der Äpfel"

Die Zeiten, in denen sich Maler wie Paul Cézanne ganz der Schönheit dieser symbolträchtigen Frucht widmeten, sind vorbei. Cézannes berühmtes Stillleben "Les Pommes" (Die Äpfel 1889/1890) hatte es vor zwei Jahren bei einer Versteigerung auf knapp 42 Millionen Euro gebracht. Er musste sich keine Gedanken über die Herkunft der Früchte machen: Sie wuchsen wahrscheinlich auf Wiesen an knorrigen Bäumen. Heute stehen sie vor allem auf Plantagen und werden in der Regel durch Veredelung geklont, wie Majewski gelernt hat. Weltweit dominieren zehn Sorten, die Genvielfalt und die Individualität verkümmern.

Kunst Wie alles zusammenhängt - der globale Handel, der technologische Fortschritt und der Trend zu den Einheitsäpfeln - zeigt die Videokünstlerin in ihrem Film "Die Freiheit der Äpfel". Sie meint damit, die Freiheit der Bäume, sich so zu entwickeln, wie die Natur das von ihnen will.

In den Apfelwäldern von Kasachstan sei das noch möglich: Da vermehrten sich die Bäume noch natürlich. Aber die Pollen der Kulturpflanzen machen vor den Wäldern nicht Halt. Als Beispiel für den Schwund der genetischen Vielfalt bei den Lebensmitteln hätten die Künstler auch gut eine andere landwirtschaftlichen Frucht nehmen können, sagte sie.

Niederrheinischer Apfelsorten werden gepflanzt

Dass es gerade der Apfel wurde und nicht etwa die Kartoffel hängt mit dem polnischen Künstler Pawel Freisler zusammen. Ihr Email-Austausch begann vor fünf Jahren über das "Standard-Ei" des Konzeptkünstlers. In Anlehnung an den lateinischen Spruch vom Ei bis zu den Äpfeln als Sinnbild für Anfang und Ende plädierte Freisler für den Apfel. Sein Beitrag zur Ausstellung sind kleine getrocknete Äpfelchen, in die er Mikro-Ornamente hineingeschnitzt hat.

Es sind kleine Objekte, die außerhalb der Vitrinen sogar noch duften. Es ist noch Leben drin. An manchen Stellen gibt es winzige Spuren von Schimmel. Für in einem Museum ausgestellt Kunstwerke ein eher ungewöhnlicher Umstand.

Mit einem künstlerisch-ökologischen Projekt für die Stadt setzten die Künstler am Ende der Ausstellung einen Impuls für die Zukunft: Ende Oktober werden 100 Bäume alter niederrheinischer Apfelsorten angeboten. Mit Hilfe von Baumpaten sollen sie an öffentlichen Orten in der Stadt gesetzt werden. Alle Bürger dürfen später die Früchte essen. (dpa)