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Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland

29.07.2010 | 12:26 Uhr

Duisburg. Parteifreunde stellen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland als tragische Figur dar. Seine Mitarbeiter sind dagegen tief enttäuscht. Dabei waren es gerade die menschlichen Qualitäten, die ihn zu einem durchaus beliebten OB ge­macht hatten.

Fritz Pleitgen hat schon am Tag danach eine „moralische Mitverantwortung“ an der Loveparade-Tragödie eingeräumt – und das, obwohl der Ruhr2010-Chef an der Megaveranstaltung gar nicht unmittelbar beteiligt war. Von Adolf Sauerland hat man solche Worte bisher nicht gehört, im Gegenteil. Er werde alles tun, um nachzuweisen, dass er keine Fehler begangen habe, hat Duisburgs Oberbürgermeister (CDU) gesagt. Und weiter: Er wolle nicht für den Rest seines Lebens für die Toten verantwortlich gemacht werden.

Versprochene Aufklärung

Solche Worte werfen Zweifel auf, was denn die Aufarbeitung eigentlich wert ist, die Sauerland versprochen hat; und ob es nicht bloß darum geht, dass jemand nicht mit seinen Schuldgefühlen konfrontiert werden will. Mitarbeiter sind tief enttäuscht von dem Menschen Adolf Sauerland, den sie nach der Katastrophe erleben: „Bis Samstag hätte ich alles für ihn getan“, sagt einer aus dem Rathaus. Dass der OB aber gleich nach dem Unglück Festivalbesucher verantwortlich gemacht hat – einfach nur empörend.

In Duisburg schlägt OB Sauerland Empörung entgegen. Foto: rtr

Dabei waren es doch gerade die menschlichen Qualitäten, die Sauerland zu einem durchaus beliebten Oberbürgermeister in Duisburg ge­macht hatten. Der 55-jährige ehemalige Lehrer am Berufskolleg in Krefeld ist ein Kumpeltyp, hu­morvoll, kann gut mit Leuten, er kümmert sich. Das kommt an beim Bürger. Kritik aber geht gar nicht, Sauerland reagiert extrem dünnhäutig, selbst bei Kleinigkeiten.

Als jüngst bei einer Gesellschafterversammlung des Hafens ein Logport-Manager unter „Verschiedenes“ anmerkte, das Planungsamt habe beim Einbau von Spundwänden nicht mitgespielt, ging der OB gleich in die Luft. Vor versammelter Mannschaft, inklusive Staatssekretär, wurde der Manager derb abgekanzelt. Der Machtmensch Sauerland will, dass alle Probleme mit ihm abgesprochen werden, bevor sie sitzungsöffentlich werden. Das dürfte auch im Vorfeld der Loveparade gegolten haben.

Sauerland brachte die Innenstadt voran

Ein solches Machtbewusstsein hatten ihm viele nicht so recht zugetraut, als Sauerland im Vorfeld der 2004er Wahl die Hand hob, als die Christdemokraten nach einem Herausforderer für die spröde damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Zieling (SPD) suchten. Sein Glück: Parteichef Mahlberg wollte nicht, auch niemand sonst, und mit einem externen Bewerber hatten die Christdemokraten bei der Wahl zuvor eine Bauchladung hingelegt. Also kam der emsige, aus dem Stadtteil Walsum stammende Schulpolitiker zum Zuge – und schaffte das in der roten Hochburg Duisburg nicht für möglich Gehaltene: Sauerland zwang die Amtsinhaberin in die Knie und beendete die 56 Jahre währende Vorherrschaft der „Sozis“.

2009 wurde Sauerland mit 44 Prozent wiedergewählt. Es gab einigen Ärger, weil das schwarz-grüne Bündnis, mit dem er zunächst regierte, da weitermachte wo die Sozis aufgehört hatten – mit Postenschacherei. Sauerland konnte das aber nichts anhaben. Er hat als Oberbürgermeister Dinge richtig gemacht: Mit seiner klaren Entscheidung für das Forum-Einkaufszentrum brachte er nach Jahren des sozialdemokratischen Zögerns die Innenstadt voran. Um Integration - wichtig gerade in einer Stadt wie Duisburg - hat sich ein Adolf Sauerland mindestens so verdient gemacht wie ein Armin Laschet, nur eben an der Basis.

Die Trauerfeier abwarten

Dass so jemand jetzt bei der Loveparade bitter viel falsch gemacht haben könnte, das mag man in seiner Partei vor Ort immer noch nicht glauben. Es gibt sogar Leute, die stellen ihn gar als tragische Figur dar. Der OB habe die Loveparade überhaupt nicht unbedingt gewollt: „Adolf Sauerland hat immer gewusst, dass man ihm in einer Stadt wie Duisburg die Parade eh nicht danken würde, weil hier kein Geld dafür da ist“, sagt ein CDU-Parteimann. Druck von außen - nachzulesen in alten Pressemeldungen aus der Landespolitik und von Ruhr2010 - habe dazu geführt, dass sich der Rathauschef dazu entschlossen habe, die Parade tatsächlich stattfinden zu lassen. Die Fraktion stehe zum OB, ist der Parteimann überzeugt.

Es gibt aber auch andere Meinungen. CDU-Ratsmitglieder, die ahnen, dass der Rathauschef spätestens dann nicht mehr zu halten ist, wenn die Staatsanwaltschaft offiziell gegen ihn ermitteln sollte. Und dass es eigentlich richtig wäre, wenn jemand nicht erst auf dem letzten Drücker die politische Verantwortung für die Loveparade-Genehmigung übernehmen würde. So recht hat man sich in der CDU-Fraktion dazu noch keine Meinung gebildet. „Lassen Sie uns die Trauerfeier abwarten“, sagte ein CDU-Ratsherr gestern im NRZ-Gespräch.

Holger Dumke



Kommentare
31.07.2010
14:33
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von pipapu | #58

# 52

Dummheit und Gehässigkeit muß der Grund für einen derartigen Kommentar sein.

30.07.2010
12:52
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #57

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.07.2010
02:01
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von Mathias | #56

Lassen Sie uns die Trauerfeier abwarten, sagt ein CDU-Ratsherr. Meine Vermutung ist, dass spätestens Angela Merkel die Gunst der Stunde nutzen und den OB publikumswirksam demissionieren wird; hierfür reichen ihr bekanntlich wenige wohlgesetzte Worte, die lediglich harmlos klingen...

30.07.2010
00:44
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von FragenÜberFragen | #55

Klasse! Mir tut sich ein für unmöglich gehaltenes Szenario auf: Profil- und profitheischende Dilettanten könnten aus einer Stadt gejagt werden.
Duisburger, setzt ein Zeichen für die Republik.
Ein Ruck könnte durch Deutschland gehen.

29.07.2010
18:25
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von Fotograf14 | #54

2 Aspekte lassen z. Zt. keinen Rücktritt vermuten:

1. Der Bund der Steuerzahler teilte soeben mit, daß Sauerland im Falle seines Rücktritts seine Pensionsansprüche verlöre. Würde er dagegen vom Rat abgewählt, könne er diese behalten.
2. Würde es zu Neuwahlen kommen, würde mit hoher Wahrscheinlichkeit die CDU den OB nicht wieder stellen. Daran haben weder der CDU-Chef Mahlberg noch die der CDU angehörenden Mitarbeiter der Stadtspitze ein Interesse, da diese im Falle eines Wechsels ihre Stellen verlören.

Also wird aus beiden Beweggründen auf Zeit gespielt - das dumme Geschwätz, daß er die Aufarbeitung der Katastrophe moderieren könne, glaubt Sauerland doch selbst nicht. Und welche Fragen will er eigentlich klären? Er ist Chef der Verwaltung und damit der Verantwortliche - basta.

Allerdings bin ich ob der Tatsache, daß die Duisburger Staatsanwaltschaft ermittelt, wegen der herrschenden politischen Verbindungen nicht zufrieden; das Verfahren sollte, um jeden Verdacht einer möglichen Manipulation (die ich nicht unterstelle) auszuschließen - wie bei der Polizei - an eine andere Stadt gegeben werden.

29.07.2010
17:52
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von taosnm | #53

#12 r.kant

Der OB hätte sich dieser, meiner Meinung nach unwürdigen und nicht menschlichen Hetzjagd entziehen können, indem er wie ein Mensch reagiert hätte, betroffen, mitleidend, eventuell Fehler oder Unvermögen eingestehend, ohne Schuld auf sich zu nehmen.

Leider war seine erste Reaktion, die Toten selbst zu beschuldigen. Schlimmer geht es gar nicht. Leider hatte er nicht das geringste Gespür dafür, was man sagen darf und was nicht.

Unabhängig davon, was die strafrechtliche Betrachtung dieser Katastrophe ergeben wird, ein OB trägt die moralische und politische Verantwortung, und die heisst in diesem Fall: Rücktritt. Das hat nichts mit Schuldeingeständnis zu tun. Die Schuld wird festgestellt von Menschen, die nicht in die Oranisation eingebunden waren.

Mich dauert Herr Sauerland, weil er sich mehr vorgenommen hat, als er schulten kann. Es ist ziemlich armselig, was da jetzt an öffentlicher Repräsentation stattfindet.

Wenn Herr Sauerland klug ist, was ich bezweifle, sollte er wissen, dass er die Stadt nicht mehr vertreten kann und auch die Verwaltung blockiert. Ein geregeltes Arbeiten wird nicht mehr möglich sein. Noch ein Grund mehr, zurückzutreten. Das muss ihn übrigens keineswegs daran hindern, an der Aufklärung mitzuarbeiten. Ganz im Gegenteil, es würde ihm erlauben, entlasteter zur Aufklärung beizutragen.

Also, nicht nur anderen den schwarzen Peter zuschieben, Herr Sauerland hat viele, auch teilweise überzogene Reaktion durch sein eigenes Verhalten verursacht. Ich wünsche ihm die Kraft, das zu erkennen und entsprechend zu handeln.

29.07.2010
17:50
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von pipapu | #52

# r.kant

Ich stelle mir einmal Ihre bekannten Kommentare vor, wenn der OB ein Sozialdemokrat gewesen wäre!
Wie fair war man mit Frau Ypsilanti, die keine Schuld zu vertreten hatte oder wie fair war die Meinung über die Bochumer OB, die das Format und den Mut hatte, nein zu sagen?

29.07.2010
17:41
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von Gerechtigkeit | #51

Wie will der OB Sauerland denn sein Amt in Zukunft ausüben?
Aus seinem Versteck?

29.07.2010
17:38
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von pipapu | #50

# Wie gut, dass es immer die anderen gibt! Wenn Sie hier schon Frau Kraft nennen, die nicht einmal ein Interesse in der Opposition und aus Mülheim kommend an Duisburg gehabt haben wird, dann können Sie das doch wenigstens mit einer Aussage oder gar einem Dokument belegen!

Über Herrn Pleitgen kann man reden, wenn man weiß, ob sein Interesse an der LP entgegen seinem Wissen über die Sicherheitsproblematik hinausreichte.

Ist Herr Uwe Gerste, MarketingChef, noch in seinem wohlverdienten Urlaub?

Hat Herr Adolf Sauerland vielleicht den handschriftlichen Vermerk des Herrn Dressler mit seiner Ablehnung der Verantwortung für die Veranstaltung gar nicht gelesen? Dat. 18.o6.2o1o

29.07.2010
17:28
Mitarbeiter tief enttäuscht von Sauerland
von Möchte_kotzen | #49

Diese Trauerfeier scheint mal wieder dem Profiliergehabe der Stadt zu dienen. Große Töne spucken und dann noch nicht mal die Angehörigen einladen!

Die Liveübertragung ins Stadion deutet ja auf eine größere Veranstaltung hin. Hoffentlich kriegen die Duisburger DAS wenigstens hin!!!

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