Mit Marion kracht’s

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Was wir bereits wissen
Gut besuchte und bejubelte Premiere von „Auf ein Neues“ im Theater an der Kö in Düsseldorf. Viel Prominenz auf der Bühne, allen voran Marion Kracht.

Düsseldorf..  Catherine ist der Typ Powerfrau – Mitte vierzig, energisch und strotzend vor Selbstbewusstsein und alleinerziehende Mutter einer munter pubertierenden Göre. Madame stolpert Heiligabend über einen Clochard, ausgerechnet an der Türe zu ihrer schnieken Wohnung, in der Tochter Sarah gerade vor Liebeskummer vergeht. Dass die Mama den obdachlosen Michel zunächst davonjagt, empört Sarah. Um ihr zu beweisen, dass sie kein Monster ist, entschließt sich Catherine, dem Bettler zu helfen. Bittet ihn, die Weihnachtsgans mit ihnen zu teilen. Eine Einladung mit ungeahnten Folgen, für alle.

So zumindest in „Auf ein Neues“ – einer französischen Komödie von Antoine Rault, mit der das Theater an der Kö das Neue Jahr beginnt. Die bejubelte Premiere im gut besuchten Boulevardtheater in den Schadow-Arkaden war ein Erfolg besonders für die Mimen, die mit reichlich Tempo einen pointensicheren Schlagabtausch hinlegen.

Vorbei die Zeit des ultraseichten Blondchens

Prominent besetzt ist das Stück, mit Pfiff und Power in Szene gesetzt vom Berliner Theatermacher Martin Woelffer. Denn als Protagonistin engagierte er Marion Kracht. Die 52jährige Darstellerin, heute selbst Mutter von zwei Söhnen, macht in jeder Hinsicht eine glänzende Figur. Und zeigt, dass sie künstlerisch einen großen Sprung nach vorn gemacht hat. Vorbei die Zeit des ultraseichten Blondchens Tina Drombusch mit wässrig blauen Augen– eine Rolle, mit der Marion Kracht in der ZDF-Serie „Diese Drombuschs“ vor 30 Jahren durchstartete und seitdem eine glänzende TV- und Theater-Karriere hinlegte.

Sie spitzt die Rolle der karrieregeilen Catherine zu, beweist Mut zu übertriebenen Klischees und zur Lächerlichkeit – als nüchterne Geschäftsfrau, die mit allen Mitteln einen Penner aus der Gosse herausholen will und wie ein preußischer Offizier den Ärmsten herumkommandiert. Oder als Mama, die virtuos und kreischend mit verrutschtem Hut über Geschenke-Türme unterm Weihnachtsbaum balanciert und direkt in den Armen des alkoholisierten und ungewaschenen Michel landet. Kracht – wie auch ihre Mitspieler Daniel Morgenroth (Michel) und Lene Wink (Sarah) – beherrschen Wortwitz und Situationskomik, ebenso wie Zurückhaltung.

Denn unvermittelt weicht in diesem Stück überschäumende Heiterkeit einem nachdenklichen Tonfall. Und zwar dann, wenn das polierte Lebenskonzept der karrieresüchtigen Frau ins Wanken gerät und Tochter und der gescheiterte Michel ihr unbequeme Fragen stellen. Seltene, aber effektvolle Szenen, die nicht aufgesetzt wirken, sondern beweisen, dass Gesellschaftskritik auch im Gewand von Leichtigkeit und Boulevard-Geplauder daher kommen kann. Eine Seltenheit auf deutschsprachigen Bühnen.

Neben der Kracht überzeugt die aparte, erfrischende Lene Wink als flippige Tochter, die sich permanent mit Musik über Kopfhörer zudröhnt, sich gegen die Mutter auflehnt und wenn’s eng wird, doch zu ihr hält.

Morgenroth indes schlüpft souverän in die Rolle des abgestürzten Informatikers und verlotterten Clochards oder geriert sich als scheinbar geläuterter Anzugträger.

Fazit: Eine gelungene, temperamentvolle Komödie mit dosiertem Tiefgang.