Mit dem Porsche auf Schnäppchenjagd

Düsseldorf..  Draußen auf dem Hof kommt es zum verschärften Porsche-Auflauf, der Typ von der Security steht aber ebenso tätowiert wie gelangweilt herum. Zu Tätlichkeiten wird es kaum kommen, hier ist die bessere Gesellschaft versammelt, Geschäftsleute, Kleinstfamilien mit Luxus-Kinderwägelchen, Damen mit höchsthackigen Pumps und umfangreichen Sonnenbrillen. Am rollenden Stand mit fair gehandeltem Espresso vorbei geht es hinein in die Halle, in der Helge Achenbach früher seine ansehnliche Oldtimer-Sammlung untergebracht hatte.

Mischgebiet

Wir sind in einem Mischgebiet, da wo Düsseldorf in seine linksrheinischen Vororte ausfranst und Wohnstraßen von Kleingewerbebetrieben durchsetzt sind. Abwarten ist gerade jetzt aber nicht das Gebot der Stunde, im Gegenteil: Markus Eisenbeis, der Mann mit dem Hammer und Chef des – ausgerechnet ! – Kölner Auktionshauses Van Ham, macht Tempo, er hat bei seinen charmanten Begrüßungsworten für die Gäste der Auktion (und die anwesenden Fernsehkameras) etwas mehr Zeit verloren als geplant.

Durch das Glas des Sheddachs lugt die Junisonne herein, gar nicht so gut für die beiden Großbildschirme unter der Decke, auf denen die Radierung, das Foto, das Ölbild zu sehen ist, auf das gerade geboten wird. Im Saal darunter: Sehleute, Sammel-Anfänger, Scouts, Galeristen. Aufgereiht eine Phalanx Van-Ham-Mitarbeiterinnen zwischen Telefonen und Bildschirmen, sie bringen fernmündliche und Online-Gebote in der Halle zur Geltung.

Kurz nach dem Auftakt, man ist noch beim Buchstaben B: „700 Euro“, ruft Eisenbeis Katalognummer 243 auf, eine signierte Baselitz-Radierung. Bis 1000 Euro geht es in 50er-Schritten, dann muss man pro Gebot einen Hunderter drauflegen. Bei „1200 zum Dritten“ ist diesmal Schluss – etwa die Hälfte dessen, was im Kunsthandel sonst dafür gezahlt wird. Der nächste, farblich etwas attraktivere Baselitz landet denn auch bei 2000. Muss ja auch zur Einrichtung passen.

Beschädigte Skulpturen

Ein Foto von Hilla Becher, Lithografien von Beuys, zwei Collagen von Christo, dazwischen Arbeiten von Künstlern aus der zweiten und dritten Reihe. Oder reihenweise Frischware von Akademie-Professoren und -Absolventen. Achenbach kaufte ja auch auf Verdacht. Am Eingang gibt’s für 29,80 noch das Heldenporträt in Buchform, das kurz vor dem Absturz des berühmtesten aller Kunstberater erschien: „Helge Achenbach: Der Kunstanstifter. Vom Sammeln und Jagen“. Manche Skulpturen wie die von Abraham David Christian, manche Rahmen der kostbaren Auktionsware sind beschädigt. Zurückgestellt. Für langwierige Reparaturarbeiten mag im florierenden Handel des Helge Achenbach nicht immer die Zeit gewesen sein.

Inzwischen ist man bei Nr. 586, Kunst auf einem Bierdeckel „for Helge“: Keith Haring hat ihn mit einer Schlange verziert, die dabei ist, sich in ihren Schwanz zu verbeißen. Den Laien im Saal, die in der Hoffnung auf ein Immendorff-, Lüpertz- oder Warhol-Schnäppchen gekommen sind, mag es atemberaubend schnell vorkommen, wie Markus Eisenbeis, „zum Dritten!“ in den Saal ruft. Aber mit Rücksicht auf Neulinge hatte der Auktionator anfangs nur mit 60 Losen pro Stunde kalkuliert, normalerweise versteigert er binnen einer Minutenzeigerrunde 90 davon. Mit gelben Nummern-Schildern melden sich die Bieter im Saal, Eisenbeis diktiert die Zahlen den Protokollanten zu seiner Rechten.

Wer den Zuschlag bekommen hat, kann draußen bezahlen, bar, mit der EC-Karte, sogar mit Scheck, quer über den Hof ist eine provisorische Kasse eingerichtet. Und sich das Kunstwerk am Packtisch gegenüber gleich transportfertig machen lassen. Und der Schritt, den Menschen draufhaben, die vom Gefühl getragen werden, gerade Kunstberater-Kunst zum Sonderangebotspreis erstanden zu haben, der ist wirklich sehenswert. Beschwingt. Unternehmungslustig. Stolz.