Millionengrab Dortmunder U
29.11.2010 | 18:25 Uhr 2010-11-29T18:25:00+0100
Dortmund.Pech und Pannen begleiten den Umbau des Dortmunder U schon das ganze Kulturhauptstadtjahr. Jetzt kommt womöglich eine Riesenpleite hinzu: Die Kosten für die Sanierung könnten 50 Millionen Euro übersteigen.
Pech und Pannen begleiten den Umbau des Dortmunder U schon das ganze Kulturhauptstadtjahr lang. Jetzt kommt womöglich noch eine Riesenpleite hinzu: Die Kosten für die Sanierung der Brauer-Brache sind dramatisch in die Höhe geschnellt, mit 22,5 Millionen Euro wird nun allein die Instandsetzung des ehemaligen Kellereihochhauses zu Buche schlagen. Ursprünglich hatte man für diese „Dach- und Fachsanierung“ nur sechs Millionen angesetzt. Im Februar war die Summe dann auf zehn Millionen Euro taxiert worden.
Die Kostenexplosion könnte nun die Brüsseler Bürokraten aufhorchen lassen. Es droht ein aufwändiges EU-Verfahren, im schlimmsten Fall fordert die EU ihr Geld zurück.
NRW-Kulturministerium bereitet EU-Großprojekte-Antrag vor
„Wir bereiten uns vorsorglich darauf vor, bei der EU einen Großprojekte-Antrag zu stellen“, bestätigte Stefanie Jenkner, Sprecherin des federführenden NRW-Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, auf Anfrage. Die Grenze für derartige Großprojekte liegt bei 50 Millionen Euro. Und da blieb der Ausbau des Beton-Kolosses der Union-Brauerei (Baujahr: 1927) zum 2010-Leuchtturmprojekt mit vorgerechneten 45,76 Mio Euro klar drunter.
Ohne Hilfe aus Brüssel wäre Dortmunds wichtigster Beitrag zur Kulturhauptstadt nie realisiert worden. Denn die 32 Millionen Euro Landesförderung enthielten allein 23 EU-Millionen, also die Hälfte des Gesamtetats. Nur 30 Prozent sollte die Stadt selbst beisteuern – zuzüglich möglicher Mehrkosten. Dass das „europaweit einzigartige Innovationszentrum“ für knapp 46 Millionen nicht zu bekommen sein würde, müssen die Projektverantwortlichen zumindest geahnt haben; die Dortmunder Grünen jedenfalls sahen die Gesamtkosten von Anfang an bei 70 Millionen.
Kämmerer hält mehr als 50 Millionen für wahrscheinlich
Stadtkämmerer Jörg Stüdemann hält den Sprung über die 50-Mio-Grenze für „wahrscheinlich“. Die Zahl unterm Strich ist für den SPD-Mann inzwischen aber gar nicht mehr ausschlaggebend. Der Anstoß für die anspruchsvolle Großprojekte-Prüfung im Nachhinein sei aus dem NRW-Finanzministerium gekommen, teilte Stüdemann in einem nicht-öffentlichen Bericht für den Stadtrat mit - und zwar im Frühjahr 2010, also noch vor der Abwahl der Regierung Rüttgers. Im Finanzministerium hatte man wohl urplötzlich kalte Füße bekommen und stellte zumindest in Frage, ob die „Differenzierung in Teilprojekte“ (also die Abtrennung der Dach- und Fachsanierung vom eigentlichen Ausbau) tatsächlich vereinbar ist mit den Förderrichtlinien der EU.
Wie die Prüfung in Brüssel ausgehen wird, mag der Kämmerer nicht abschätzen. Eher schon ist sich Stüdemann sicher, dass sein Haushalt schadlos bliebe, sollte die EU zu dem Schluss kommen, dass die 23 Millionen zu Unrecht geflossen sind, und ihr Geld zurückfordern. „Wir haben unseren Förderantrag beim Land gestellt und auf der Grundlage des Bewilligungsbescheides des Landes gehandelt“, stellt Stüdemann klar. „Wir halten uns letztlich an die Landesregierung.“
Auch beim Betrieb des Kreativzentrums laufen die Kosten aus dem Ruder
Doch nicht nur beim Bau, auch beim Betrieb des Kreativzentrums laufen die Kosten aus dem Ruder. Damit der Turm, dessen Ankermieter das Ostwall-Museum ist, nicht aus dem auf Kante genähten Kulturetat gespeist werden muss, soll eine Stiftung gegründet werden. Der Clou: Als Grundstock will die Stadt ausgerechnet den millionenschweren Kunstschatz des Museums heben.
Natürlich denkt niemand ernsthaft daran, die wertvollen Bilder und Skulpturen in Bares umzumünzen. Eine Stiftung aber könne leichter Sponsoren gewinnen und Darlehen aufnehmen, so das Kalkül. Wie viel die Stiftung erwirtschaften muss, um den Turmbetrieb („wenigstens 70 Beschäftigte”) zu gewährleisten, liegt derzeit im Nebel. Eines steht aber fest: Ein derartiger Entschluss wäre rechtlich unumkehrbar, sagen Experten: „Das ist eine Entscheidung für die Ewigkeit.”
14:54
Mit dem U wird nie was verdient werden. Kultur verschlingt nur Gelder, bringt aber nix ein.
Und mit den Gastronomen, die ja nun fast Exklusivrechte in Dortmund genießen werden, hat man sicher einen freundschaftlichen Vertrag ausgehandelt.
14:29
@ 38
Ja ja - Nachbars- und des Kindes Mund tun sehr oft die Wahrheit kund.
09:39
War anlässlich der EC-Ruhr-Tagung erstmals in dem Teil. Einziger Eindruck: POTTENHÄSSLICH!!!!!! Mensch Dortmunder, was habt Ihr Euch dabei gedacht? Unfertig und nicht nachvollziehbar, so eine Bauruine (bis unters Dach) schon der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und dann den oberen Teil dieser Bier-Pyramide auch noch KATHEDRALE zu nennnen. Mannomann das ist schon blasphemisch. Unglaublich.
14:56
Ich finde es vollkommen schwachsinnig das Projekt jetzt runterzureden,welches in der Tat z. ZT.noch unordentlichen Baustellencharakter bietet
.
Was fehlt sind kostengünstige Finisharbeiten bis zum weiteren Fortgang. der wesentlichen Erschließung.
Zunächst sollte der Turm bis nach unten verklinkert werden ,falls weitere Anbauten ( Pergula , Pavillion Videogroßfläche nicht geplant sind.
Das Entree, von der Kampstrasse aus gesehen ,sollte mit allen Anschlüssen versehen, endlich gepflastert werden und vielleicht die Hinweise auf die schon bestehende Restauration Inside ( Incl. Raucher und Nichtraucherzone in solider Form mit Aushang des Veranstaltungsplanes kombiniert werden.
Im Entreebereich nicht nur zwei verlorene halbrostige Aschenbecher sondern geplegte überdachte Raucherfläche.
Das umliegende Terrain sollte als kostenfreie Parkplatzfläche bis zum Fortgang der Bauarbeiten gesäubert und mit provisorischen Aktionszäunen drappiert sein .
Die Lager -Maschinen und Bauwagen sollten ebenfalls durch Mietzäune dem Besucher soweit möglich verborgen bleiben.
Ein Weihnachtsbaum im Entreebereich wäre sinnvoll auch hier mit kostenloser Vermietung der Fläche für kleinen Weihnachtsmarkt.
Was dringend benötigt wird ist ein vernünftiges Marketing des Areals und Aktionen auf sämtlichen Etagen. !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
23:39
@ #35
Ich sehe hier weder, dass wir uns duzen, noch, dass ein allseits bekannter anonymer Kommentator unter einem seiner vielen Nicks hier mehr Ahnung hat als das, was man unseren Provinzblättchen entnehmen konnte und kann.
Ich kann hier nur zum x-ten Mal auf einen WDR-Lokalzeit-Beitrag mit Prof. Gerber aus dem letzten November verweisen, in dem er klar in die Kamera sagte, dass man bei den Gutachten stark unter Zeit- und Gelddruck stand. Der WDR wird seine Gründe haben, warum dieses Interview nicht mehr auffindbar war - und das *vor* der Beschränkung der Online-Archivgröße der ÖffentlichRechtlichen.
23:15
@ 34 Herr Lohmann
Mensch Kläusken, watt stänkerse denn hier so rum? Der von Lustig hat wohl mehr Ahnung vom U als du und er hat doch recht! Wenn wegen dem Denkmalschautz doch alle wussten, daß es teuer würde beim U warum haben se dann vorher nichts gesagt? Du Schlaumichel schreibst das auch noch selber, daß es alle gewusst haben. Es war auch nach meine Meinung volle Absicht das zu vertuschen. Schlechte Bausubstanz kann man auch vorher feststellen. Das ist jetzt nur Ausrede und ein belügen der Bürger.
20:45
@ #33
Die Industrieruine ist denkmalgeschützt. Da konnte sich *Jeder*, auch der letzte abschreibende Dorftrottel, ausmalen, dass die Bausubstanz nicht die beste ist.
Brau und Brunnen hat seine damaligen ShoppingCenter-Pläne ganz einfach wegen der Bahnhofspläne aufgegeben. Wusste damals aber auch Jeder.
Dann kam der Verwaltungsneubau und danach der Aufkauf durch Radeberger, also wurde die neue Zentrale nicht mehr benötigt. Weiß aber auch jeder Dortmunder.
Gibt es noch mehr Insiderwissen, welches Sie durch getürkte Fremdkommentare loswerden möchten?
19:38
@ #31
Beobachten Sie einfach die weitere Berichterstattung zum Dortmunder U in den Medien.
Das die Stadt Dortmund schon ab 1998 von dem desolaten Zustand der Industrieruine wusste ist beweisbar. Da hilft es nun auch nicht mehr - liebe mitlesenden Genossen - die Schredder anzuwerfen.
Auch Brau und Brunnen und der Projektentwickler ECE - jetzt beim Thier-Center aktiv - hatten angeblich Gutachten vorliegen, die den Umbau der Industrieruine zu einem Shopping-Center nicht rentabel erscheinen liessen. Vermutlich mit ein Grundfür die Überlassung des Gebäudes an die Stadt Dortmund, die nur für das Gelände und das bereits neu vor dem U errichtete Bürogebäude den Kaufpreis entrichtete.
Als die Pläne zur Umnutzung des U als Museum aufkamen und auch bei dem Architekturwettbewerb zum U wurden die bekannten Probleme nicht in den Projektunterlagen aufgeführt. Vermutlich, da die damit verbundenen Kosten das Projekt von vorneherein hätten scheitern lassen.
In Folge wurde die viel zu geringe Kostenkalkulation Grundlage für den Beschluss des Rates der Stadt Dortmund zum U und für die Fördermittelanträge beim Land NRW respektive der EU verwendet.
Hier droht nicht nur die verzinste Rückzahlung der Fördergelder sondern auch ein Strafverfahren wegen Subventionsbetruges. Die Eu-Kommision gilt da als sehr kleinlich und handelt streng,
Andererseits: Wer hat Interesse in Düsseldorf, Berlin oder Brüssel Dortmund in das absolute Finanz-Nirwana zu stossen? Aber schon Mao sagte: Bestrafe eine (Stadt) und erziehe hunderte. Es bleibt also spannend.
18:55
@ #31
Sie sind ja ungewöhnlich gut über den Gesamtkomplex informiert
Nur weil unser Fakeilein permanent abschreibt?
18:45
@peter von lustig: Sie sind ja ungewöhnlich gut über den Gesamtkomplex informiert - kann ich da mehr drüber hören?