Menschen im Revier

Erinnern Sie sich an den Moment in Ihrem Leben, in dem Sie die größte Angst hatten?

Angst hatte ich in meinem Leben noch nicht richtig. Aber ich erinnere mich an den traurigsten Moment in meinem Leben: Das war, als mein Vater gestorben ist. Wir hatten ein sehr enges Verhältnis, da hat kein Blatt zwischen gepasst.

Mein Vater war früher schwer alkoholabhängig. Er hat viele Anläufe gebraucht, aber die 17 Jahre vor seinem Tod war er trocken. Er hat eine Langzeittherapie gemacht, und das Café Sprungbrett hier, das war wie ein Zuhause für ihn.

Was für ein Café ist das?

Es ist ein Verein für suchtkranke Menschen, aber hier kann jeder herkommen. Ich komme zum Beispiel regelmäßig vorbei.

Wie war Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater, als er noch trank?

Man hat gesehen, was der Alkohol anrichten kann. Ich habe früh erkannt, dass es eine Krankheit ist.

Wie alt waren Sie da?

14, 15, 16 – da habe ich realisiert, dass er nicht aus Jux und Dollerei trinkt, sondern weil der Körper das verlangt. Dass er ein Problem hat. Ich habe ihn immer unterstützt. Er war halt mein Vater. Und wenn er noch 20 Anläufe gebraucht hätte... Dieses Unterstützen, dass er wusste, er kann sich auf meine Schwester und mich verlassen, das bringt einen sehr nah zusammen. Es war sehr, sehr schwer, ihn zu verlieren. Ist es immer noch, nach fast zwei Jahren. Man vermisst ihn immer noch. Aber das Leben muss ja weitergehen.

Hattingen Altstadt

Hingucken, Tach sagen, nachfragen: Mehr Bilder dieses Fotoprojektes auf menschenimrevier.de Foto: Monika Idems