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Klassik

Mendelssohns „Elias“ mit Wucht und allen Feinheiten

31.01.2016 | 20:02 Uhr
Mendelssohns „Elias“ mit Wucht und allen Feinheiten
Dirigent Thomas Hengelbrock.Foto: Daniel Bockwoldt

Dortmund.  Das Balthasar-Neumann-Ensemble gastierte unter der Leitung von Thomas Hengelbrock mit Mendelssohn Bartholdys Oratorium im Dortmunder Konzerthaus.

So düster wie markant ist der Fluch, den Elias uns entgegenschleudert. Das Orchester reagiert mit nervösen Figurationen, stetig sich steigernd, die Blechbläser legen drohende Haltetöne über diese Wildheit, der Chor klagt inbrünstig: So opernhaft dramatisch beginnt Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“, wohl das ausdrucksstärkste, vielschichtigste Werk des Komponisten.

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Ein mitreißendes Stück, zumal dann, wenn es so erstklassige Interpreten findet wie jetzt im Dortmunder Konzerthaus, mit dem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble, am Pult Thomas Hengelbrock, der tags drauf in Baden-Baden mit dem 50 000 Euro schweren Herbert-von-Karajan-Preis ausgezeichnet wurde. Rhythmische Zugkraft und ein transparentes, gut ausgesteuertes Klangbild sind garantiert. Das Orchester musiziert auf historischem Instrumentarium, liebt scharfe, knackige Akzente und meidet Pathos.

Bariton voller Kraft und Leidenschaft

So rückt diese Musik nicht selten in die Sprache eines Berlioz vor, romantisch und revolutionär zugleich, sie besinnt sich auf Bach, findet ihren Platz aber auch im Gefüge der Opernreformer Gluck und Wagner. Diese Mischung, gepaart mit Mendelssohns ganz eigener Empfindsamkeit, macht das Werk so spannend. Und die Interpreten geben sich engagiert und stilsicher in allen Feinheiten.

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Michael Nagy singt den Elias, der den Götzenanbetern die große Dürre prophezeit, der sie verspottet und schließlich auf den rechten Weg führt, der des Lebens überdrüssig wird und letzthin Gott schaut. Ein Bariton voller Kraft und Leidenschaft, ein großer Gestalter. Ähnliches gilt für Genia Kühmeier, Ann Hallenberg und Lothar Odinius, die zudem äußerst sensibel singen.

Eine Wucht ist der Chor. In höchster Dramatik klar artikulierend, jede Stimmungsnuance zelebrierend. Und die kleinen Ensembles, die sich zeitweise herauslösen, klingen so rein wie superb. Eine derart plastische Interpretation führt das Geschehen unmittelbar vor Augen. Und zeigt, dass der in Mode gekommene Brauch, Oratorien zu inszenieren, überflüssig ist.

Martin Schrahn

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2016-01-31 20:02
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