Mein Johnny gehört zu mir!

Düsseldorf..  „Hör mal! Leg Du deine Zipfel auf den Tisch, und ich mache meinen Job“ lautet die ultracoole Ansage Johnny Castles alias Mate Gyenei an Kellner Robby. Der hält gerade formschön gefaltete Stoffservietten in den Händen. Die Damen im Publikum schmachten. Johnny Castle? Genau! Das ist der „Mein-Baby-gehört-zu-mir“-Johnny. Der „Das-ist-mein-Tanzbereich-das-ist-dein-Tanzbereich“-Johnny. Der Tanzlehrer mit dem schwarzen Unterhemd und erwähnenswerter 3 D-Bauchmuskulatur. Schmachtfaktor 100 bei „Dirty Dancing“. Jetzt ist das Musical bis zum 8. März im Düsseldorfer Capitol Theater zu genießen.

Raum für eigene Interpretationen

Durch Livemusik und hübscher Videoprojektionen gelingt es, die tragenden Momente des Kultfilms aus dem Jahr 1987 stimmungsvoll auf die Theaterbühne zu bringen.

Mit Anna-Louise Weihrauch ist die Rolle von „Baby“ Frances Housemann sehr gut besetzt. Weihrauch beherrscht das schwierige Unterfangen, einerseits die durch den Film geprägte Erwartungshaltung zu bedienen, andererseits Raum für eigene Interpretationen zu finden. „Mir ist es wichtig, die Wandlung vom Teenager zur Erwachsenen zu zeigen“, sagt Anna-Louise Weihrauch.

Die Handlung spielt 1963 in den USA. Familie Housemann macht drei Wochen Urlaub in einem Ferienclub. „Präsident Kennedy lebte noch und es gab noch nicht die Beatles“, heißt es. Baby, eine junge Frau mir einem festen Glauben an die Gleichheit der Menschen, erfährt in diesem Sommer, wie das Leben auch aussehen kann. Dass es Menschen gibt, die gleicher sind und dass es lohnt, für Ideale einzustehen. „Du hast vor nichts Angst“, sagt Johnny anerkennend zu ihr, dabei ist es auch für sie bis zum „Mein Johnny gehört zu mir“ ein weiter Weg.

Das Musical erzählt mehr als die amouröse Geschichte zwischen Baby und Johnny. Sätze wie „Wir waren der erste Ferienclub, in dem Schwarze und Weiße im gleichen Pool gebadet haben“, fallen dieser Tage lauter ins Ohr.

Das Stück von Eleanor Bergstein zeichnet Klischees und packt vor dem Happy End Gesellschaftskritik aus. Im Theatersaal war vermutlich kaum jemand, der nicht jeden Atemzug der Szenen und Lieder hätte synchronisieren können. Auch das trug zur grandiosen Stimmung bei.

Ein Lob geht an das Casting, alle Rollen sind ansprechend besetzt. Marie-Luisa Kaster macht „Penny“ unbeschreiblich weiblich, Baby Housemanns Schwester Lisa erhält durch Natalya Bogdanis Gewicht. Herrlich unterhaltsam setzt Benjamin A. Merkl seine Figur als Neil Kellermann, Enkel des Clubbesitzers, um.