Mein Bringhof

Wir haben Glück. Ganz in unserer Nähe befindet sich nämlich ein Bringhof. Da können wir - wie der Name ja schon sagt - unseren alten Krempel hinbringen. Und das kostet nichts. In aller Regel. Doch es gibt natürlich auch Ausnahmen. Und dann wird das Glück sehr schnell zum Pech. Glück und Pech liegen eben auch auf einem Bringhof verdammt dicht beieinander. Gerade so wie im richtigen Leben. Also außerhalb des Bringhofs.

Hier nun ein paar Bringhof-Beispiele: Kürzlich haben wir in unserem Garten eine kleine Tanne gefällt. Die Zweige definiert der Bringhof als Grünabfall, der kostenfrei entsorgt werden darf. Nicht jedoch das Stämmchen. Das schlägt mit 7,50 Euro zu Buche. Mit unserem alten Regal war es noch verrückter. Zum leichteren Transport haben wir es auseinander genommen. Das war ein Fehler, denn jetzt war das Regal kein Regal mehr, sondern nur noch eine Menge Bretter.

Eine Tür ist nur ein breites Brett

Möbel kann man umsonst beim Bringhof abgeben, Bretter dagegen schreien förmlich nach einer Gebühr. Kühlschränke, Stereoanlagen und Fernseher nimmt der Bringhof wiederum gern ohne Zuzahlung entgegen. Vielleicht werden diese Teile irgendwo gewinnbringend ausgeschlachtet, was weiß ich.

Unsere alte Badezimmertür eignet sich jedenfalls offenbar nicht zur Weiterverwertung. Sie ist auch kein Möbelstück, sondern eher so etwas wie ein breites Brett mit Schlüsselloch. Also müssen wir dafür zahlen.

Die Höhe der Gebühr sollte eigentlich geregelt sein, liegt aber in der Praxis beim hoheitlichen Bringhof-Meister. Er ist der eigentliche Herr und Macher der Gebühren. Wann etwas 7,50 Euro kostet oder das doppelte oder das dreifache, ist offenbar im Grenzbereich eine Stimmungsfrage oder geschickte Verhandlungssache.

Mitnehmen darf man beim Bringhof übrigens nichts. Eben nur bringen, nicht holen. Sonst hieße es ja auch Holhof. Wo kämen wir schließlich hin, wenn man einfach im Müll noch etwas Nützliches finden würde. Nein, nein, mit dem Bringen erlischt jedes Recht auf Besitz.

Von Abbeize bis Zement

Alle Rechte und Pflichten, Gebühren und Nicht-Gebühren sind natürlich von unserer Stadt penibel geordnet und aufgeschrieben. Stolze 90 Seiten umfasst der entsprechende „Abfall-Kalender“, der jedes Jahr neu aufgelegt wird. Von A wie „Abbeize“ bis Z wie „Zement“ können hier die unterschiedlichsten Teile, Stoffe, Reste und Verhaltensvorgaben nachgeschlagen werden. Die Vokabeln Glück und Pech sucht man allerdings vergeblich.