Mattes’ McEwan

Mit welcher Könnerschaft Ian McEwan eine Chronik des frühen 21. Jahrhunderts mit der Wucht antiker Tragödien aufzuladen versteht, das allein ist faszinierend. Zugleich öffnet er in „Kindeswohl“ mit mikrochirurgischer Finesse erzählerisch eine Upper-Class-Wucherung am wohlgepolsterten Abgrund. Einerseits erleben wir die Londoner Richterin Fiona May als souveräne Herrin über höchste ethische Fragen, zugleich führt McEwan sie als jammervolle Existenz vor, da ihr 60-jähriger Gatte sie mit Seitensprung-Plänen konfrontiert. Eva Mattes’ ist als Hörbuch-Interpretin dieser auf sehr subtile Weise spannenden Gegenwartsprosa nicht durchweg ideal besetzt. Mattes’ „unterspielt“, die sprachliche Brillanz scheint ihr gleichgültig, manches gerät nivellierend betonungsmüde. Das mag die Ehe-Farben bei Mays trefflich wiedergeben, den großen Atem der Geschichte trägt es zu selten.

Ian McEwan: Kindeswohl. Gelesen von Eva Mattes.

5 CD, 6 Std. 17 Min., Diogenes Hörbuch

24,90 Euro

Suboptimal