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Interview

Mathias Richling: Kabarett ohne Bart

08.12.2010 | 16:52 Uhr
Mathias Richling: Kabarett ohne Bart

Der beste Parodist der deutschen Humorzunft setzt wieder zur Demaskierung der politischen Klasse an: Mathias Richling präsentiert sein neues Programm „Der Richling-Code“ in der Region.

„Der Richling-Code“ klingt etwas mysteriös. Wird in Ihrem neuen Programm tatsächlich ein Geheimnis gelüftet?

Richling: Ja, natürlich. Aber das ist das Geheimnis des Abends, deshalb kann ich es jetzt nicht verraten. Nur so viel: Alle Systeme, zu denen der normale Bürger Vertrauen haben sollte – also Politik, Kirchen und Banken – sind zusammengebrochen. Darum geht es.

Ich wage die kühne Prognose, dass es aber auch Parodien zu sehen geben wird...

Richling: Das ist richtig. Es ist im Grunde eine Entschlüsselung von Deutschland im Missbrauch, wo alle zu Wort kommen, die etwas im Lande zu sagen haben. Oder auch nichts zu sagen haben.

Entschwinden Sie dafür zwischendurch in die Maske?

Richling: Nein, nein, nein. Wenn ich das meinen Zuschauern zumuten würde, müssten sie die meiste Zeit  auf mich warten. Nein, an so einem Abend muss ich mir das alles ohne Maske erspielen.

Dabei habe ich Sie im Verdacht, dass Sie den Mummenschanz insgeheim sehr genießen...

Richling: Das ist schon richtig. Es erleichtert natürlich, in eine Figur zu schlüpfen und es verkürzt den Erkennungsprozess beim Zuschauer. Es gibt aber auch sehr lästige Figuren – formal, nicht inhaltlich. Wolfgang Thierse ist unglaublich ärgerlich mit diesem Wuschelbart. Aber wie mein Regisseur Günter Verdin immer sagt: „Hättest du etwas Gescheites gelernt, wäre dir das erspart geblieben!“

Wir sind froh, dass es anders gekommen ist. Liegen Ihnen Frauenfiguren eher?

Richling: Männer machen mir auch Spaß. Wenn ich Frauenklamotten anziehe, denke ich oft: Wer sich das ausgedacht hat, ist ein Frauenhasser. Immer diese Nylons und so. Fürchterlich. Großen Respekt!

Allen Politikern, die Sie darstellen, verleihen Sie etwas Drolliges. Droht da nicht die Schärfe verloren zu gehen?

Richling: Guter Einwand! Da muss man aufpassen. Deshalb sage ich auch immer, ich mache weniger Parodien als vielmehr Karikaturen. Es gibt stets mehrere Möglichkeiten, Kritik rüberzubringen.

Wer stand Pate für Ihre Bühnenfigur mit der hektischen Stimme und den fuchtelnden Händen?

Richling: Das bin ich schon selber. Früher war ich auch privat so. Mittlerweile versuche ich, mich da ein wenig zurückzunehmen. Denn ich erreiche manchmal einen Grad von Schnelligkeit, wo ich mich selber nicht mehr verstehe.

Ihre Nummern wirken immer so kundig, als hätten Sie Insiderwissen. Ist das auch so?

Richling: (lacht) Ich glaube, ich gucke einfach nur genauer hin. Manchmal habe ich eine Insider-Vermutung. Insiderwissen bringt mir aber nichts. Die Leute müssen eine Grundinformation haben, dann kann ich das paraphrasieren.

Kabarettisten wissen immer alles besser als die Politiker. Warum ist noch kein Kabarettist in die Politik gewechselt?

Richling: Das kann ich mit einem einzigen Satz beantworten: Ein Arzt wäre nicht unbedingt der bessere Patient. Zum Ausführen des Politikerberufes gehört sehr viel Kompromissbereitschaft. Das an den Tag zu legen, kann ich mir sehr schwer vorstellen.

Richling live

9.12. Recklinghausen (Congress Zentrum Ruhrfestspielhaus), 11.12. Düsseldorf (Tonhalle), 10.5. Krefeld (Seidenweberhaus), 11.5. Oberhausen (Ebertbad), 2.5. Bochum (RuhrCongress), 17.11. Mülheim (Stadthalle). Karten von ca. 20 bis 42 € gibt’s in unseren TICKET-SHOPs unter Tel. 01805/280123.

Carsten Dilly

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