Masse mit Klasse
16.10.2008 | 17:42 Uhr 2008-10-16T17:42:00+0200
Opernbarden? Popsänger? Rock'n'Roller? In jedem Fall sind die Ten Tenors begnadete Entertainer, was die Australier demnächst auf ihrer „Nostalgica”-Tournee unter Beweis stellen können. Vorab hatte freizeit Gelegenheit, dem Ten-Tenors-Zehntel Steven Sowden einige Fragen zu stellen - zehn an der Zahl.
Steven, die Ten Tenors tragen stets identische Bühnenanzüge – bekommt ihr Mengenrabatt beim Herrenausstatter?
Sowden: (lacht) Weiß ich gar nicht. Es sieht aber in der Tat immer so aus, als hätten wir morgens vergessen, uns untereinander abzusprechen und dann zufällig die gleichen Sachen aus dem Schrank geholt. Zuletzt sind wir in Einheits-Klamotten durch die Kölner Innenstadt gelaufen – und die Passanten sind wie angewurzelt stehen geblieben.
Wie fühlt es sich denn an, mit so vielen Jungs durch die Welt zu touren – wie ein endloser Pfadfinderausflug?
2.12.: Bochum (RuhrCongress)
3.12.: Hagen (Stadthalle)
4.12.: Duisburg (Mercatorhalle)
3.-5.2.09: Essen (Philharmonie)
6.2.: Siegen (Siegerlandhalle)
8.,10.,11.2.: Dortmund (Konzerthaus)
10.-12.3.: Düsseldorf (Tonhalle).
Karten von ca. 29-57 € gibt es in unseren TICKET-SHOPs, 01805/280123, Internet: www.DerWesten.de/tickets
Sowden: Ja, ein bisschen ist das so. Wir vergleichen uns aber lieber mit einem Football-Team. Das Tolle ist: Immer gibt es jemanden, mit dem man reden kann, wir machen Sport zusammen, gehen in Pubs.
Jede Mannschaft brauchteinen Spielführer – wer ist das bei euch?
Sowden: Eigentlich niemand. Bei uns läuft das meist demokratisch ab. Alle haben die Möglichkeit, ihre Meinung einzubringen.
Stimmt es, dass ihr stets mit einem elften Ersatz-Tenor auf Reisen geht?
Sowden (zögerlich): Ja... aber eigentlich versuchen wir, das geheim zu halten.
Mit der Geheimniskrämerei dürfte es jetzt vorbei sein...
Sowden: Stimmt (lacht). Es ist so: Für den Fall, dass mal jemand von uns krank wird oder den Flieger verpasst, müssen wir einfach vorsorgen. Es wäre nicht richtig, wenn wir nur zu neunt auftreten würden.
Aber genau das soll euch ja wirklich mal passiert sein...
Sowden: Ja, leider. Das ist eigentlich eine ganz lustige Geschichte: Wir waren nur zu neunt bei einem Auftritt im australischen Outback – und es gab nichts, was wir dagegen unternehmen konnten. Zum Glück aber standen in der Halle ein paar Säulen herum. Also haben wir uns so postiert, dass niemand im Publikum uns alle zur gleichen Zeit hätte sehen können. Jedenfalls sind wir ungestraft davongekommen.
Da ihr als Mammut-Truppe ja ausschließlich in großen Hallen auftreten könnt – seid ihr quasi zum Erfolg verdammt?
Sowden: Da ist was dran. Aber wir sind auch schon auf winzigen Bühnen aufgetreten: Als die Ten Tenors das erste Mal durch Deutschland getourt sind, haben wir in Hamburg in einer kleinen Halle gespielt, in der nur Platz für 300 Zuschauer war. Hätte man da auf der Bühne den Fuß ausgestreckt, hätte man den Leuten in der ersten Reihe vor den Kopf getreten – so eng war das.
Jetzt habt ihr mehr Platz auf der Bühne. Den braucht ihr ja auch für eure raumgreifenden Tanzeinlagen, oder?
Sowden: „Tanzeinlagen” nennen wir das lieber nicht – „Bewegung zur Musik” trifft es besser (lacht). Puh, diese Nummern sind anstrengend! Aber uns macht's Spaß – und dem Publikum auch. Denn wann hat man schon mal die Gelegenheit, zehn Tenöre zu sehen, die sich zur Musik der Bee Gees bewegen?
Wohl wahr. Zumal man sich Tenöre gemeinhin etwas anders vorstellt: um die 50, eher etwas übergewichtig...
Sowden: Absolut, das ist ja das typische Klischee: Jeder erwartet, dass wir eine Gruppe fetter Italiener sind. Umso größer ist die Überraschung, wenn wir dann schlussendlich auf der Bühne stehen. Vielleicht ist das ja auch zum Teil das Geheimnis unseres Erfolges.
Kommen zu euren Konzerten eigentlich vornehmlich Opernfans, die nichts gegen ein paar Popsongs am Abend haben, oder doch genau die umgekehrte Klientel?
Sowden: Hm, interessante Frage. Ich denke, wir erreichen beide Gruppen. In unseren Programmen ist schließlich für jeden etwas dabei. Mein kleiner Bruder zum Beispiel kam mal bei einem unserer Auftritte vorbei. Er steht eigentlich nur auf Rockmusik, kann mit Jazz, Klassik und so überhaupt nichts anfangen. Aber als er gesehen hat, dass wir auch Queen-Songs interpretieren, hat es ihn umgehauen. Er sagte, ihm hätte nicht alles gefallen – aber allein die wären es schon wert gewesen.
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