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Literatur

Marga und der Typ, der aussieht wie Clooney

13.11.2008 | 00:01 Uhr

Essen. Eine Einladung zum Verfilmen - Judith Kuckarts Roman "Die Verdächtige".

Judith Kuckart legt es stets aufs Neue darauf an, ebenso schöne wie verstörende Bücher zu schreiben, karg bis elegant erzählte Romane von herausragender Merkwürdigkeit. Das war schon beim ersten Buch der ehemaligen Tanz-Studentin an der Folkwang-Hochschule so, die schnell von Johann Kresnik als Assistentin für sein Stück "Pier Paolo Pasolini" engagiert wurde. "Im Spiegel der Bäche finde ich mein Bild nicht mehr" hieß Judith Kuckarts Band mit Essays, die Else Lasker-Schüler 1985 auf der Suche nach einer weiblichen Ästhetik umkreisen, und genau so ein Satz wie dieser Titel könnte auch in ihrem jüngsten Roman stehen, der einer ihrer besten ist.

Die Kunst des Paukenschlags

Die Story fängt mit lauter kunstvollen Paukenschlägen an: Marga Burg, die nicht nur heißt, als wäre sie 60, sondern auch so gekleidet ist, geht zur Polizei - und trifft dort einen Kommissar, der aussieht wie George Clooney. Eben dieser Marga ist bei einer Fahrt auf der Geisterbahn Mathias abhanden gekommen, ihr Freund, der neben ihr saß. Das ist zwei Wochen her, und Marga in Wahrheit Ende 30, aber in diesem Roman ist nicht nur die Zeit aus den Fugen. Margas Bruder zum Beispiel, ein hochgradig eigenwilliges Dickerchen, "mit den Jahren um einen Kern Kind herum mehr und mehr verfettet", Liebhaber von Comics und Kreuzworträtseln, der mit seiner Schwester in einer Wohnung haust, seitdem die Eltern tot sind.

Kommissar Robert, der gerade dienstplanhalber von seiner Frau verlassen worden ist, ermittelt zusammen mit seiner mehr als klugen Kollegin Nico, wo denn der ominöse Mathias abgeblieben sein könnte. Eine Leiche gibt es nicht, aber es werden Schüsse fallen, unvermittelt und unberechenbar.

Hier ist nicht immer psychologisch bis ins Detail erschlossen, aber das ist, das hat Stil: Den Figuren einen Rest von Rätsel zu lassen, mal mehr, mal weniger groß. Und sie mit schönen Sätzen einzukleiden, von denen manche allerdings schon von ferne am Horizont zu winken scheinen: "Schau nur, ich bin ein schöner Satz!"

Der Roman hat eine überaus stimmige, ganz eigene Atmosphäre, die mit dem Geisterbahn-Motiv schon gleich zu Beginn angeschlagen wird; aus diesem Reich des Ungefähren, Ungewissen aber ragen Judith Kuckarts Beschreibung des Polizeialltags, der Polizeiarbeit heraus - selbstverständlich in Ausschnitten, aber in überaus authentischen, die im Gegensatz zur fraglichen Realität keine Sekunde langweilig wirken, sondern in überaus bildhafter Sprache und in plastischen Bildern. Die, zusammen mit der wendungs- und spannungsreichen Story, zu einer Verfilmung geradezu einladen.Fragt sich nur noch, wer George Clooney in der männlichen Hauptrolle bezahlen kann. (NRZ)

Judith Kuckart: Die Verdächtige. Roman. DuMont, 285 S., 19,90 E.

Jens Dirksen

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