Man braucht Diplomatie und Einfühlungsvermögen

Essen..  Auch ein hochkarätig besetztes Klassikfestival kann ein Lied singen, von der Not, Ersatz zu finden. Professor Franz-Xaver Ohnesorg, Intendant des Klavierfestivals Ruhr, spricht über seine wichtigsten Aufgaben, „wenn es brennt“.

Worauf kommt es bei der Suche nach Ersatz an?

Ohnesorg: Dass man sich in die Situation unserer Konzertbesucher und deren Erwartungshaltung versetzt. Mit unserer Alternative müssen wir dieser möglichst nahekommen. Wenn etwa ein Interpret eines reinen Chopin-Programms absagt, müssen wir in dieser Richtung aktiv werden.

Anne-Sophie Mutter hat schon mal am Tag ihres Auftritts abgesagt...

Eine dramatische Situation. Am Vormittag rief sie mich an, dass sie nicht ins Flugzeug steigen kann. Wir hatten nur Stunden, Ersatz zu finden. Ersatz ist ohnehin ein heikles Wort, denn es gibt nur eine Anne-Sophie Mutter. Es wurde dann Julia Fischer, damals hochschwanger. Sie hat den Abend wunderbar gerettet.

Steht Einspringen nicht im Widerspruch zur Eitelkeit des Künstlers?

Es gehört mit dazu, einem Künstler nicht den Eindruck zu vermitteln, dass er nur der Nothelfer ist. Guten Gewissens kann ich Künstler fragen, die etwa ohnehin im nächsten Jahr bei uns eingeladen sind.

Nutzen Künstler solche Engpässe, um Preise zu treiben?

Das ist mir noch nie passiert, dass besondere Forderungen im Raum stehen. Aber natürlich muss das Angebot stimmen, dazu die Logistik. Ich halte das ohnehin für eine unserer Stärken: Künstler fühlen sich bei uns sehr wohl. Auch meine Mitarbeiter sind darin geübt, ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

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