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Autorin Nunn meldet sich mit "Tal des Schweigens" zurück

08.02.2016 | 17:30 Uhr
Autorin Nunn meldet sich mit "Tal des Schweigens" zurück
Malla Nunn, geboren in Swasiland, hat mit „Tal des Schweigens“ einen exzellenten Rätselkrimi vorgelegt.Foto: Fiora Sacco

Essen.   Der Fall der Zuluprinzessin ist zugleich Rätselkrimi und Gesellschaftsroman: „Tal des Schweigens“, das neue Buch von Malla Nunn, ist ein Bestseller.

Gleich vier Krimis aus Südafrika haben es kürzlich auf die Bestenliste geschafft, zwei von den Routiniers Mike Nicol und Deon Meyer, die wir schon öfter gelobt haben. Aber es gibt auch zwei neue Namen: Paul Mendelson, dessen vielschichtiger Thriller „Die Unschuld stirbt, das Böse lebt“ (bei Rowohlt) im Jahr 2014 spielt und ebenfalls von den Spätfolgen jenes Staatsterrors berichtet, der sich Apartheid nannte.

Und Malla Nunn mit dem „Tal des Schweigens“, das genauso gegenwärtig wirkt, obwohl es um die Durchsetzung der pseudo-gesetzlichen Gewaltherrschaft der weißen Minderheit in den frühen 50er-Jahren geht. Die besondere Qualität des Buchs liegt aber darin, dass dies nicht spektakulär oder polemisch erzählt wird, dass vielmehr die Probleme und Konflikte wie von selbst zutage treten.

Da ist natürlich die „Rassenfrage“, die sich keineswegs im einfachen Schwarz-Weiß erschöpft, sondern vielfarbige Nebenwidersprüche aufweist: Briten gegen Buren, „mixed race“ oder „coloured people“ (meist Inder), die verfeindeten Clans, Stämme und Völker der Schwarzafrikaner. Und die Frauen, die quer durch alle Schichten unterdrückt werden, wobei „zivilisatorische“ Unterschiede nur oberflächlich sind. Das geht von der englischen Ärztin, die von ih­rem Ehemann im Suff verprügelt wird, bis zur ermordeten schwarzen Schönheit, die ihrem Häuptlingsvater doch eigentlich zwanzig Kühe als Brautpreis einbringen sollte.

Detective Sergeant Cooper und Constable Shalalaba

Aber auch Detective Sergeant Cooper aus dem weißen Armenviertel muss allerhand einstecken. Aus dubiosen Gründen degradiert, wird er nur noch auf „Scheißfälle“ angesetzt, in denen die „Kaffern“ unter sich sind. Dass und wie er und sein schwarzer Constable Shalalaba den Fall der Zuluprinzessin lösen, dass dabei „schwarze“ Magie und Coopers Weltkriegstrauma eine Rolle spielen, ist der überraschende Pfiff dieses exzellenten Rätselkrimis. Dass er (scheinbar) konventionell vom Alltag im einsamen Tal erzählt, dem Brennglas aller ethnischen, sozialen und persönlichen Konflikte, macht ihn darüber hinaus zu einem ernsthaften historischen Gesellschaftsroman. Auch weil Nunn heutige Auffassungen vom Verhältnis von Rassen und Geschlechtern mitschwingen lässt, aber niemals ausspricht oder gar proklamiert.

Nach Australien emigriert

Mala Nunn ist selbst im bitterarmen, von Südafrika abhängigen Swasiland geboren, hat eine „mixed-race“-Schule besucht und konnte in den 70ern mit ihren Eltern nach Australien emigrieren. Und wieder sind die Ariadne-Frauen aus Hamburg für eine Entdeckung zu loben. Obwohl: Es gab bei Rütten & Loening schon zwei Krimis mit Cooper und Shalalaba auf Deutsch, bloß hat sie kaum einer gelesen. Schwerer Fehler! Aber leicht zu korrigieren: Im örtlichen Buchhandel sind sie immer noch lieferbar.

Jochen Vogt

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2016-02-08 17:30
Mala Nunn
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