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„Ruß“ im Musiktheater - Tanz-Märchen zwischen Kaue und Kohle

21.01.2013 | 20:30 Uhr
„Ruß“ im Musiktheater - Tanz-Märchen zwischen Kaue und Kohle
Bridget Breines „Ruß“ nach „Aschenputtel“ im Musiktheater im Revier, GelsenkirchenFoto: Musiktheater Gelsenkirchen

Gelsenkirchen.  Gelsenkirchens neues Ballett glänzt im Musiktheater im Revier mit einer spannenden Aschenputtel-Deutung: „Ruß“ zeigt nach der Premiere mit dem „Ersten Gang“ einmal mehr, wie sehr die neue Tanz-Chefin Bridget Breiner ihrer Compagnie ein ganz eigenes Bewegungsvokabular aufgeprägt hat.

„Der erste Gang“ gelang mit Bravour. Jetzt geht Bridget Breiner, die neue Ballettchefin am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier, den nächsten Schritt mit ihrem ersten, abendfüllenden Handlungsballett – und tritt auch hier nicht daneben.

Mit der Produktion „Ruß“ bringt die gebürtige Amerikanerin im Kleinen Haus in wunderbaren Bildern überzeugend eine von „Aschenputtel“ inspirierte Geschichte auf die Bühne. Das Publikum reagierte begeistert auf die tänzerische und choreographische Glanzleistung.

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Bridget Breiner, die nach über drei Jahrzehnten des überaus erfolgreichen Schindowski-Balletts nun eine neue Compagnie mit ganz eigenem Bewegungsvokabular zusammengestellt hat, dokumentiert mit „Ruß“ die große Potenz ihres Ensembles. Klassischer Spitzentanz mischt sich glücklich mit zeitgenössischem Bewegungskanon, das Volksmärchen verbindet sich klug mit modernem Familien-Psychogramm, musikalischer Glanz im Dreivierteltakt mit ruppigen Arbeitersongs.

Aus Grimms Märchen widmet sich das „Ballett im Revier“ der Geschichte Aschenputtels, das, gedemütigt von Stiefmutter und Stiefschwestern, am Ende doch den Prinzen gewinnt. Aber Breiner nimmt dem Märchen die Schwarzweiß-Dimension und hinterfragt die psychologische Struktur. Und siehe da: Auch die vermeintlich Bösen haben’s nicht leicht.

Die reduzierte Bühne von Jürgen Kirner versetzt das poetische Märchen in das klischeebelastete Retro-Ambiente einer Kohleregion. Verschiebbare Bretterwände geben zu Beginn schlaglichtartig den Blick auf die Familienkonstellationen zwischen Glück und Elend frei. Klamottenkörbe unter der Decke deuten eine Schwarzkaue an. Überzeugend markiert die Musik die Brüche zwischen Märchen und Sozialdrama, von den „Aschenbrödel“-Walzern von Johann Strauß Sohn über raue amerikanische Arbeitersongs aus den 30ern bis zu live gespielter Akkordeonmusik (perfekt Marko Kassl).

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Kraftvolle Ensemble-Leistungen glücken beim Tanz der Arbeiter. Breiner lässt sowohl barfuß und als auch mit Spitzenschuhen agieren. Als Idealbesetzungen entpuppen sich die beiden Kontrahentinnen, Alina Köppen als naives, Ruß geschwärztes Arbeiterkind und Kusha Alexi als Stiefschwester, die im Moment des Scheiterns ein grandioses, expressives Seelengemälde tanzt. Am Ende bekommt das Aschenputtel den Prinzen, einen Industriellensohn (Junior Dimitre), die verzweifelte Stiefschwester wird aufgefangen vom athletischen Arbeiter (Joseph Bunn). Und lacht über den Schuh, hier ein klobiger Arbeiterstiefel, der ihr den Prinzen nahm und letztlich doch das Glück brachte. Ende gut, alles gut, wie im Märchen eben. Großer Jubel für einen brillanten Ballett-Abend.

26., 31. Jan.; 1., 8., 16., 24. Feb. Karten unter Tel. 0209-4097200

Elisabeth Höving

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2013-01-21 20:30
Kultur