Macht das Essener Bauamt Zollverein dicht?
27.03.2011 | 18:56 Uhr 2011-03-27T18:56:00+0200
Essen. Zeche Zollverein sorgt weiterhin für Wirbel. Jetzt gibt es Ärger um angebliche Mängel beim Brandschutz in der Kohlenwäsche, die das Ruhrmuseum beherbergt. Die Schließung droht.
Bauexperten kritisieren Mängel im Sicherheitskonzept des Weltkulturerbes Zollverein. Ab Mittwoch könnte sogar die Schließung der Kohlenwäsche drohen. Die Stiftung Zollverein bestreitet die Vorwürfe weitgehend.
Für Kopfschmerzen sorgen auf Zollverein derzeit neben Finanzschwierigkeiten auch bauliche Probleme. Nach Informationen der WAZ-Medien-Gruppe hatte das städtische Bauamt in Essen bereits im Jahr 2009 erhebliche Mängel festgestellt, die bis heute nicht ausreichend beseitigt wurden.
Dabei geht es um wesentliche Punkte: Insider berichten etwa von Schwierigkeiten beim Brandschutz im zentralen Gebäude der Anlage, der Kohlenwäsche. Dort ist auch das Ruhrmuseum untergebracht. Das Bauamt teilte nach einer erneuten Brandschau vor Ort am 8. März mit, wenn Zollverein nicht bis zum 30. März einen konkreten Plan vorlege, um die Mängel zu beseitigen, müssten „ordnungsbehördliche Maßnahmen bis hin zur Nutzungsuntersagung des gesamten Gebäudes erwogen werden.“
Mängel werden beseitigt
Zollverein schreibt auf Anfrage, die Mängelliste werde „unverzüglich von unserem Dienstleister Hochtief Facility Management abgearbeitet“. Das Problem: Mit Hochtief liegt die Stiftung Zollverein derzeit im Clinch. Seit Monaten sollen die Rechnungen des Konzerns nicht bezahlt worden sein.
Der Brandschutz ist auf Zollverein schon länger ein heißes Thema. Nach Informationen der WAZ-Mediengruppe wurde schon früher um die Entrauchung der Kohlenwäsche hart gekämpft, also um die Be- und Entlüftung des Gebäudes im Falle eines Brandes. Sinn der Entrauchung ist es, die Fluchtwege rauchfrei zu halten, damit zum Beispiel die Besucher des Ruhrmuseums bei einem Feuer fliehen können.
Ein Gutachter der technischen Überwachungsfirma Dekra hat den Informationen zufolge bereits Mitte Dezember 2009 festgestellt, dass die Entrauchung in der Kohlenwäsche nicht tauglich sei und das Gebäude deshalb nur nach Beseitigung der gröbsten Mängel für Publikum freigegeben werden dürfe. Das Bauamt wurde über das Dekra-Gutachten noch im Dezember 2009 informiert.
„Das ist solange kein Problem, wie kein Kind zu Tode kommt“
Nur kurze Zeit später, zwei Tage vor der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres am 10. Januar 2010, schrieb dann ein neuer Sachverständiger, diesmal vom Institut für angewandte Sicherheitstechnik aus Mülheim, dass noch immer wesentliche Brandschutzmängel bestünden und der Betrieb nur unter Auflagen zulässig sei. Das Bauamt genehmigte schließlich die Eröffnung im Liveprogramm des ZDF. Mehrere Beteiligte sagten dieser Zeitung, es sei politischer Druck aufgebaut worden, um die Anlage einzuweihen.
Damit nicht genug. Experten machen auch auf dem Zollverein-Gelände Sicherheitsmängel aus. So sei Zollverein als Industriegelände ausgewiesen. Eigentlich dürften deshalb etliche Bereiche nur unter Aufsicht – etwa bei Gruppenführungen mit geschultem Personal – zugänglich gemacht werden. Beispielsweise die kaum gesicherten Hochwege, von Zollverein „Mannschaftsbrücken“ genannt. Zollverein sagt: „Es gibt auf Zollverein durchaus Bereiche, die nicht ‚verkehrssicher’ sind.“ Diese seien aber nicht frei begehbar.
Das ist jedoch nicht immer der Fall. Kinder können auf Zollverein frei herumlaufen. Auch auf den kaum gesicherten „Mannschaftsbrücken“. Doch gerade für Kinder sind die Brücken Todesfallen. Die Geländer sind nicht ausreichend gesichert, Kinder könnten hier durchaus herunterstürzen. „Das ist solange kein Problem, wie kein Kind zu Tode kommt“, sagt ein Insider, „danach beginnt die Suche nach dem Schuldigen, der das alles genehmigt hat.“
10:09
@9 Ja klar, in den Großstadt-Metros tummelt sich ja auch nicht diese besondere Spezies, die es auf Zollverein zuhauf gibt: gelangweilte Schüler ohne Aufsicht (Klassenausflüge). Die Rolltreppe wird da gerne als Sport- und Spielgerät genutzt.. Ich habe tatsächlich schon mehrfach brenzlige Situationen für alte Mütterchen und Väterchen gesehen.
09:51
Hallo, EU-lenspiegel,
na, dann fahr mal in Budapest mit den Rolltreppen in der Metro. Genauso lang, mindestens doppelt so schnell und viel, viel älter! Und da sausen auch das alte Mütterchen und der Behinderte hoch. Also, alles in allem keine Mutprobe!!!
15:49
Ich bin etwas irritiert.
In Deutschland muss bei Vorkommnissen (die hier hoffentlich nicht eintreten werden) immer ein Schuldiger gefunden werden. Die Masse schreit dann immer: Wo waren die Behörden ??
Ist sie mal da und fordert gesetzlich relevante Dinge einzuhalten, wird auch gemeckert.
Versteh´ ich nicht.
13:47
Da wurde politischer Druck ausgeübt. Auch bei der LoveParade wurde ebenfalls politischer Druck ausgeübt. Also nicht nur dort sind Pleitgen, Scheytt und Gorny die Brandstifter.
13:19
Zollverein schreibt auf Anfrage, die Mängelliste werde „unverzüglich von unserem Dienstleister Hochtief Facility Management abgearbeitet“.
Glaubt Zollverein an den Weihnachtsmann? An Stelle von Hochtief würde ich keinen Finger mehr für die Stiftung Zollverein krumm machen, solange die nicht ihre Schulden beglichen haben.
Und einen anderen Dienstleister wird Zollverein wohl kaum finden mit dieser Zahlungsmoral.
Aktuell soll der Baukonzern Hochtief auf offenen Forderungen in sechsstelliger Höhe sitzen....Seit Monaten überweise Zollverein nicht einmal die vertraglich vereinbarten Pauschalen pünktlich an die Firma Hochtief, heißt es aus der Stiftung.
http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Millionenstreit-im-Weltkulturerbe-Zollverein-id4467207.html
09:37
Das Thema Sicherheit wird gerade bei öffentlichen Gebäuden und Veranstaltungen immer übertrieben.
Die Politik tut gut daran, Druck auf die Behörden auszuüben, wie es zum Beispiel auch bei der Loveparade geschehen ist.
09:22
Da möchte ein Insider wohl interne Querelen auf diese Art und Weise lösen, so kommt es mir vor. Man könnte auch vom Tetraeder fallen, wenn man es drauf anlegt...
07:38
Ich habe noch nie in meinem Leben so eine lange Rolltreppe gesehen.
Wenn es eine Privatfirma währe, müssten sicherlich 3 Podeste eingebaut werden.
Sollte auf der Treppe einem schwindelig werden, möchte ich nicht der Betreiber sein.
06:14
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Danke!
04:53
Brandschutz ist ein wichtiges Thema, einverstanden.
Verkehrssicherheit der Wege: Wieso kommt ausgerechnet jetzt eine solche Diskussion auf? Die Brücken gibt es nicht erst seit gestern. Ich finde das merkwürdig und glaube dabei nicht an den Zufall.
Es gibt so viele andere potenzielle Gefahrenstellen in dieser Region. Wir sind damit aufgewachsen. Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Ich habe den Eindruck, dass manches Erreichte kaputt geredet werden soll. Wenn wir mit unserer German Angst so weiter machen, schaffen wir uns ab. Kinder können überall hochklettern und herunterfallen. - Wie wollen wir das alles sichern? Es gibt aber auch Straßen. Kinder können auch angefahren werden. - Und, und, und. Wir würden wahrscheinlich mehr für die Sicherheit unserer Kinder tun, wenn wir uns mal an die Geschwindgkeitsbegrenzungen in Tempo-30-Zonen, vor Kindergärten und Schulen hielten und nicht noch bei Rot über die Ampel führen und beim Abbiegen den Vorrang von Fußgängern und Radfahrern beachteten - Was soll das jetzt? - Und überhaupt: Es gibt eine Aufsichtspflicht von Kindern durch die Erziehungsberechtigten.
Es wird langsam grotesk in diesem Land.