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Luzifernalisch gut

26.06.2012 | 18:59 Uhr
Luzifernalisch gut
Seid umschlungen, ihr Tausende: Tom Petty und seine Musik haben sich nicht viel verändert. (Foto: Getty Images)

Köln.   Er hat lange auf sich warten lassen. Seit über 20 Jahren hat Tom Petty mit seinen Heartbreakers kein Konzert mehr in Deutschland gegeben. Jetzt hatte man in Köln die Gelegenheit zu einem späten Wiedersehen. Da Petty ein Mann ist, der sich treu bleibt, hat sich nicht viel verändert.

Bei Schlecker ist Schlussverkauf, alles um 90 Prozent reduziert. Die Regale sehen aus wie weiland im Konsum der DDR. Nur die Fliegenklatschen will keiner haben. In blauem, geriffelten Plastik mit weißem Griff stapeln sie sich in einem Einkaufswagen. Stunden später, in der Lanxess-Arena, hätte man die verschmähten Schnäppchen aus der insolventen Drogeriemarkt-Kette gut gebrauchen können. Um all denen, die da mit viel Hingabe und Begeisterung und ebenso wenig Taktgefühl fortwährend die Innenseiten ihrer Hände gegeneinander schlugen, eins hinter die Löffel zu geben.

Altgediente Mitstreiter

Das ist aber auch schon das Einzige, was man am Konzert von Tom Petty & The Heartbreakers bemängeln könnte. Wobei der 61-Jährige und seine teils schon altgedienten Mitstreiter Benmont Tench (Piano), Mike Campbell (Lead-Gitarre), Ron Blair (Bass), Scott Thurston (Gitarre) und Steve Ferrone (Drums) dafür nun wirklich nichts können. Auf einem von drei Konzerten in Deutschland – nach Hamburg und vor Mannheim ist Köln die zweite Station – erteilt die amerikanische Band mit dem verdienten Stern auf dem „Walk of Fame“ 8500 Fans eine Doppelstunde Rock’n’Roll.

Lebensvolle Rockmusik

Die mehr als 20 Jahre, die sich Petty und seine Herzensbrecher in Europa nicht mehr haben blicken lassen, sind mit einem Schlag wie weggewischt. Das, was da geboten wird, ist die perfekte Lektion. So dicht, so prall, so lebensvoll und intensiv muss Rockmusik sein. Luzifernalisch gut.

Die „long list of songs“, die Petty eingangs ankündigt, ist angesichts einer Karriere, die schon 1975 begann, mit 17 Stücken und drei Zugaben nicht wirklich lang, aber dafür umso gehaltvoller. Bis zur letzten, unverzichtbaren Zugabe „American Girl“ (1977) bleiben mit „You Wreck Me“, „Don’t Come Around Here No More“ und „Free Fallin’“, „Learning To Fly“, „Yer So Bad“ und „Runnig Down A Dream“ kaum Wünsche offen.

Die Bestuhlung interessiert nicht

Die Arena ist bestuhlt, aber das interessiert niemanden. Die Leute stehen. Sie toben. Und wenn am Schluss Mary Jane zum letzten Tanz ansetzt, die Muppet-Show-Puppenbühne noch einmal in tiefem Rot erglüht und Petty all seinen Sarkasmus geballt im rasend punkigen Rhythmus von „I’m A Man“ entfesselt, dann finden 8500 Menschen: Der Typ ist sexy. Sogar mit dieser Frisur.

Susanne Schramm



Kommentare
28.06.2012
08:26
Luzifernalisch gut
von rockingbert | #1

Fantastisches Konzert mit den Heartbreakers in Top-Form.
Gottseidank war es schön laut und sogar ziemlich gut abgemischt für diese Riesenhalle.
Es hat sich voll gelohnt.
Einziger Kritikpunkt: Es hätte noch viel länger gehen können.

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