Luis hat eineNanny

Wenn die Jungs größer werden, können sie nach der Schule surfen gehen. Nicht im Internet. Sondern auf einem der beiden Ozeane. Die Strände sind von ihrem Zuhause in einem Vorort von Kapstadt in 30 Minuten zu erreichen. Und schon heute dürfen sie im Pool im eigenen Garten planschen. „In acht von zwölf Monaten spielt sich unser Leben draußen ab“, schwärmt die 35-jährige Mutter, die in Bergkamen groß geworden ist. „Sogar im Winter haben wir tagsüber manchmal 20 Grad.“

Früher haben Nicole und ihr Mann Andreas mit Sohn Henry immer auf die Sonne gewartet, um wenigstens mal auf den Balkon gehen zu können. „Wir fühlten uns oft urlaubsreif und sehnten uns nach der Ferne, mal raus zu kommen, in die Natur. Befreundete Familien waren, genauso wie wir, mit ihrem eigenen Leben beschäftigt.“ Nur selten habe man sich getroffen. „Deutsche Eigenbrötlerei“ nennt sie das heute.

Weil Andreas Anfang 2012 unglücklich mit seinem Job war, haben sie einfach mal seinen Beruf „Offsetprinter“ bei Google eingegeben. Und das Internet spuckte eine Stellenanzeige in Südafrika aus. „So nahm unser Abenteuer seinen Lauf . . .“

Luis kam vor einem Jahr in Südafrika zur Welt. „Die Krankenhäuser sind vom Standard her zwar nicht wie in Deutschland, aber trotzdem okay.“ Allerdings würden Mütter lange nicht so unterstützt wie in Deutschland. Elternzeit, Elterngeld, Kindergeld für alle Familien und gesetzliche Krankenversicherung, so etwas gebe es in Südafrika nicht. „Die Mütter haben nur einen rechtlichen Anspruch auf vier – unbezahlte – freie Monate.“ Sie können selbst entscheiden, wann sie diese nehmen. „Viele arbeiten bis wenige Tage vor der Geburt, um die vollen vier Monate nach der Geburt zu haben.“

Teilzeit, wie die Projektmanagerin Nicole sie anstrebt, sei die Ausnahme. Die meisten Mütter arbeiteten bald wieder Vollzeit, auch weil sie es aus finanziellen Gründen müssen. Dafür haben viele „Hilfspersonal“. Eine Putzfrau oder ein Gärtner koste umgerechnet nur 15 Euro am Tag. „Die Südafrikaner sind es gewohnt, von einer Nanny betreut oder auch erzogen zu werden.“ Oft schläft die Tagesmutter bei der Familie, um morgens die Kinder anzuziehen, da die Mutter früh zur Arbeit muss.

In den ersten vier Jahren gehen die Kleinen in Spielgruppen, halb- oder auch ganztags. In dem Jahr, in dem sie fünf werden, wechseln sie zur Vorschule, mit sechs, sieben in die Grundschule, von der die Nanny sie abholt. Schon aus Sicherheitsgründen. Überfälle seien nicht selten.

Nicoles Nanny putzt, wäscht und kocht auch, so dass die Familie viel mehr Zeit füreinander habe. Allerdings habe es lange gedauert, bis sie eine Frau gefunden hätten, der sie wirklich vertrauen und die den Kindern gegenüber auch mal „Nein“ sage. „Nannys sagen ungern Nein, weil sie es sich ja nicht mit den Kindern verderben wollen und schlimmstenfalls gekündigt werden. Und dieses Verhalten kann aus den Kindern sehr verwöhnte Kinder machen.“

Insgesamt sei die Kultur entspannter. „Ich bin sofort da“ könne allerdings alles zwischen fünf Minuten und fünf Stunden bedeuten. „Was mich auch nach knapp drei Jahren als Deutsche noch rasend macht.“

Das Beste sei aber die Sonne. „Aufgrund des Wetters sind alle gut gelaunt, man trifft sich zum Grillen, am Strand, auf einem Weingut.“ Oft gebe es Spielplätze. „Es ist toll, sich frei zu fühlen und nicht in einer Wohnung eingesperrt zu sein, weil es draußen schon wieder regnet.“