Lori Nelson Spielman - die Bestseller-Lady im Gespräch

Lori Nelson Spielman in Düsseldorf. Ihr spätes Debüt schlug ein wie eine Bombe.
Lori Nelson Spielman in Düsseldorf. Ihr spätes Debüt schlug ein wie eine Bombe.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Vor Ken Follett die Bestsellerliste führen, das muss man erst einmal schaffen. Lori Nelson Spielman gelang es. Wir haben sie in Düsseldorf getroffen.

Düsseldorf.. „Hi, I’m Lori“, sagt Lori Nelson Spielman zur Begrüßung, und auch sonst ist alles an ihr amerikanisch: das große Lächeln, die strahlenden Augen. Und die 54-jährige Autorin strahlt zu Recht. Über 800.000 Mal hat sich ihr spätes Debüt „Morgen kommt ein neuer Himmel“ 2014 in Deutschland verkauft. Damit wurde Lori Nelson Spielman, noch vor Ken Follett und Jonas Jonasson, zur Jahresbestsellerin. Bei ihrer Deutschland-Stippvisite in Düsseldorf sprach die Autorin mit Britta Heidemann über Erfolg, Mütter und Töchter – und ihr neues Buch.

Ihr Debüt war ein wahrhaft himmlischer Erfolg, wie fühlt sich das an?

Lori Nelson Spielman: Traumhaft. Jenseits aller Erwartungen. Meine Welt ist plötzlich explodiert. Ich hatte ein nettes Leben, meinen Job als Lehrerin. Aber ich habe keine Kinder, also ist das Buch mein Beitrag, mein Erbe in der Welt.

Haben Sie eine Idee, warum gerade dieser Roman so einschlug?

Spielman: Ich wünschte, ich würde die magische Formel kennen! (lacht) Ich glaube, das Buch inspiriert die Leserinnen dazu, ihre Träume zu verwirklichen. Es ist die Geschichte einer Frau, die meint, schon alles zu haben – einen guten Job, Geld, den richtigen Mann. Aber dann wird sie durch ihre Mutter gezwungen, ihr Leben völlig neu zu betrachten. Und sie merkt, wie sehr sie sich von ihrer Kindheit und ihren Träumen verabschiedet hat.

Diese Zusammenfassung gilt auch für den zweiten Roman.

[kein Linktext vorhanden] Spielman: Ja, das stimmt vielleicht. Wobei ich es nicht darauf angelegt habe, im Gegenteil. Ich wollte beweisen, dass ich eine neue Story, neue Charaktere entwickeln kann – die genauso stark sind. Und ebenso die Probleme der Leserinnen kennen: Ich glaube, gerade Frauen um die 30 setzen sich unter Druck, alles richtig zu machen – im Job, in der Kindererziehung, der Ehe.

Ihre Bücher fragen nach einem erfüllten Leben. Wenn Sie gezwungen wären, diese Frage in ein, zwei Sätzen zu beantworten...?

Spielman: … schwierig! Vielleicht: Überlegen, was wichtig ist. Das mag nicht unbedingt das sein, von dem wir dachten, dass wir es wollen. Ich bekomme viele Briefe von Leserinnen, die sich im Leben gefangen fühlen – den Jobs, den Zwängen.

Ihr neuer Roman dreht sich ums Verzeihen, um Ehrlichkeit. Ist es gut, immer die Wahrheit zu sagen?

Spielman: Wenn Sie jemanden mit der Wahrheit verletzen würden, nicht unbedingt. Wenn ich den Auftritt einer Freundin sähe und sie wäre nicht gut? Es kann rücksichtsvoll sein, nicht die Wahrheit zu sagen.

Auf Ihrer Internetseite geben Sie angehenden Autoren Tipps. Das Mantra „Niemals aufgeben!“ fehlt dort.

Spielman: Manchmal beißt sich ein Autor in einem Text fest. Aber der erste Text wird eigentlich nie veröffentlicht. Deshalb sollte man loslassen können. Ich habe vor der ersten Veröffentlichung einen Jugendroman, ein Theaterstück und einen anderen Frauenroman geschrieben. . .

In Ihren Romanen ist die Mutter-Tochter-Beziehung wichtig. Ist Ihr Verhältnis zu Ihrer Mutter eng?

Spielman: Ja, wir sind uns sehr nah. Ich habe keine Kinder, mir aber immer eine Tochter gewünscht. Meine Mutter hat alles gelesen, was ich geschrieben habe. Als ich ihr „Morgen kommt ein neuer Himmel“ gab, nahm sie es mit in den Urlaub. Eines Tages war sie auf dem Anrufbeantworter: „Ich habe gerade dein Buch gelesen. Ich denke, es wird veröffentlicht werden!“ Das war so süß von ihr! Ich habe die Nachricht sechs Monate lang nicht gelöscht. Und immer, wenn ich wieder eine Absage von einem Verlag oder einem Agenten bekam – da habe ich sie abgespielt.