Nach "Charlie Hebdo"-Anschlag: "Titanic" bleibt auf Kurs

Was tun, wenn auf Satire mit blutigem Ernst reagiert wird? Das deutsche Magazin "Titanic" will nach dem Anschlag auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion "standhaft bleiben", wie Chefredakteur Tim Wolff "Meedia" sagt.

Nach dem schrecklichen Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris richten sich in Deutschland viele Blicke auf die "Titanic". Wie gehen die deutschen Satiriker mit dem Terror gegen ihre Kollegen um, der zwölf Menschen das Leben gekostet hat? "Bevor ich Satiriker bin, bin ich erst einmal fassungslos, dass Menschen mit Raketenwerfern in eine Redaktion rennen und Leute umbringen", sagte Chefredakteur Tim Wolff dem Branchendienst "Meedia", betont aber, dass er selbst keine Angst hat. "Ich möchte, dass sich unsere Haltung nicht ändert, dass wir Relevantes und Witziges in Beiträge fassen und dabei wie bisher standhaft bleiben."

Und tatsächlich hält die "Titanic" ihren Kurs und setzt dem Terror beißend schwarzen Humor entgegen. Im "Liveticker in eigener Sache" findet sich etwa auf der "Titanic"-Webseite dieser "Terrorhinweis": "Für 16 Uhr ist in der TITANIC-Redaktion eine Pressekonferenz angesetzt, bei der RTL, Hessischer Rundfunk, Frankfurter Rundschau und sämtliche weitere Privat- und Systemmedien anwesend sind. Für Terroristen bietet sich hier die Möglichkeit, nicht nur eine Satireredaktion auszulöschen, sondern auch die gesamte deutsche Lügenpresse. Es gibt Schnittchen (hinterher)!"

Auch Martin Sonneborn hat ein kurzes Statement herausgegeben: "Das ist nicht komisch. Mit Anzeigen, Abokündigungen oder Kalaschnikow-Geballer auf Satire zu reagieren, gilt in der Szene als unfein", schreibt der ehemalige Chefredakteur und Europa-Abgeordnete auf seiner Facebook-Seite. "Unser Mitleid gilt den Franz. Kollegen. Bei Titanic könnte so etwas nicht passieren, wir haben nur 6 Redakteure."

Als Startcartoon hat die "Titanic" ein altes Titelblatt auf die Homepage gestellt: "Religionen im Vergleich", wobei die Glaubenssysteme durch Penisse repräsentiert werden - der Islam hat dabei den Kleinsten. Dennoch warnt Wolff dazu, nun erst recht den Islam an sich zu attackieren, etwa durch eine Flut von Mohammed-Karikaturen. Das "träfe sehr, sehr viele Menschen, die mich nicht töten wollen: Der mit Abstand größte Teil der Muslime in Deutschland hat unseren Erfahrungen nach keinerlei Probleme mit Satire", sagt er "Meedia".