"In Love" mit dem New York der 50er-Jahre

Alfred Hayes’ Roman ist eine Neuentdeckung.
Alfred Hayes’ Roman ist eine Neuentdeckung.
Foto: Nagel & Kimche
Was wir bereits wissen
Die Wiederentdeckung "In Love" von Alfred Hayes entführt ins New York der 1950er. Es geht um eine Mann und eine Frau, eine zunächst simple Geschichte.

Essen.. Ein Mann und eine Frau: die simpelste aller Geschichten. Und die älteste. Immerhin jahrzehntealt ist der Roman „In Love“ des US-Amerikaners Alfred Hayes, den nun eine Neuübersetzung entstaubt – und dabei doch jenen melancholisch-rauchigen Sound bewahrt, mit dem Hayes das New York der 50er-Jahre beschwört.

Zerrissen zwischen Selbstüberhöhung und Selbstzweifeln

Der Mann: ein Schriftsteller Ende dreißig, zerrissen zwischen Selbstüberhöhung und Selbstzweifeln. Die Frau: eine schon geschiedene 24-Jährige, Mutter eines Kindes, das daheim bei den Großeltern lebt. In ihrem unordentlichen New Yorker Apartment trifft sich das Paar, geht Essen, ins Kino. Minutiös fängt Hayes Stimmungen ein, von der ersten gemeinsamen Taxifahrt durch weißverschneite Straßen bis zum missglückten Trip ans Meer, der statt Versöhnung nur noch mehr Streit bringt. Denn die Frau – beide bleiben namenlos – trifft einen anderen Mann, Howard. Er hat ihr Geld geboten für eine Nacht, tausend Dollar, eine unvorstellbare Summe. Sie geht nicht darauf ein, nicht gleich jedenfalls, aber das Angebot schmeichelt ihr, und vielleicht stimmt es, was Howard denkt: „Die Leute wollen Geld haben, weil Geld für alles steht.“

Der verlassene Geliebte erzählt die Geschichte

Der Leser weiß bereits, wie sie sich am Ende entschieden haben wird. Weil ihr verlassener Geliebter diese Geschichte erzählt. Die große Faszination des Romans liegt darin, wie schonungslos Hayes Gefühlswelten seziert. Für den jungen Mann schien die Rolle des Liebenden ja nur ein Spiel: Munter oder launisch, leidenschaftlich oder abweisend gibt er sich, nur um später die typische Frage aller Liebenden zu stellen – das gerade, war ich das? Wirklich?

„Aber nach allen Regeln des Küssens und Begehrens liebten wir einander offenbar, nach allen Anzeichen der Eifersucht, des Besitzergreifens, der plötzlich aufflammenden Leidenschaft liebten wir einander offenbar“, heißt es. Nur ist es im Roman so wie im wirklichen Leben: Wer Zeichen sucht, wer nicht ans Glück glauben kann, einfach so – hat schon verloren.

Alfred Hayes: In Love. Nagel & Kimche, 144 S., 16,90 €