Literarisches Mau-Mau

An gescheiterten Versuchen, das legendäre „Literarische Quartett“ wiederzubeleben, herrscht wahrlich kein Mangel. Im Fernsehen funktioniert hat am ehesten die Literatursendung, die auf Lesebefehl statt Buchdiskussion setzte und in Elke Heidenreich die denkbar glaubwürdigste Verkörperung der Gegenpäpstin zu Reich-Ranicki gefunden hatte. Nun will das ZDF die alte Vierer-Runde wiederbeleben. Mit Volker Weidermann, dem jüngst zum „Spiegel“ gewechselten Fachmann für Literaturbetriebsbegehungen, der Wohlfühlschmöker-Spezialistin Christine Westermann und dem als Berufsprovokateur verkleideten Schriftsteller Maxim Biller, zu denen sich jeweils ein Literaturkritiker als Gast hinzugesellen soll.

Ob es in dieser Konstellation tatsächlich zu auf- und anregenden Gesprächen kommen wird? Man kann das mit guten Gründen bezweifeln. Das „Literarische Quartett“ war ja keine Literatursendung, sondern ein Unterhaltungsformat, dessen gewünschter Nebeneffekt die unterschiedliche Beleuchtung neuer Bücher war. Unverzichtbar darin die Auftritte von Marcel Reich-Ranicki als Literatur-Rumpelstilzchen – die nur deshalb goutiert wurden, weil seine literaturkritische Kompetenz unumstritten war. Für eine ähnliche Rolle taugt in der Runde niemand.

So könnte der einzige Gewinn einer solchen Sendung am Ende sein, dass sie Volker Herles vom Bildschirm verdrängt.