Lionel Richie im kalten Oberhausen

Oberhausen..  Kaum ist er da, möchte er schon wieder weg: „Oberhausen, ihr habt eine wunderbar warme Stadt!“ Soulsänger Lionel Richie schüttelt sich nach den ersten Klängen des deutschen Tourauftakts – aber nur für einen Eröffnungsscherz.

Dem deutschen Winter setzt der 65-Jährige aus Alabama ein tief ausgeschnittenes Hemd und haufenweise Hüftschwünge entgegen. Auf der breiten Leinwand der König-Pilsener-Arena lodern am Samstag Flammen. Viele der 9000 Fans schieben sich die Ärmel des Pullovers nach oben. „All Night Long“ – Lionel Richie hat viel vor.

Dass die Akustik anfangs nicht schnurrt, seine Stimme etwas blechern schallt, lässt sich der Sänger nicht ansehen. Richies „Alle aufstehen!“ reicht, um 9000 Fans in Stehparty-Laune zu versetzen.

Für gute Partys benötigt man nicht nur schmissige Musik, sondern auch gute Witze-Erzähler. Lionel Richie: „Es gibt drei Gruppen von Leuten, die in meine Konzerte gehen. „Leute, die all die Hits der Commodores lieben. Dann Fans, die Lieder aus der Zeit von „All Night Long“ mögen. Und dann die Jungen, die mich auf der Straße ansprechen: Meine Mutter hört Ihre Lieder sehr gern!“

Der Sänger hat einen Heidenspaß dabei „Ob-er-hau-sen“ verbal in seine Einzelteile zu zerlegen und mit charmantem Akzent bei jeder Zwischenmoderation einzubauen. Ein Gag in der Endlosschleife, bis Konzertende gibt es ihn 26 Mal.

Auch nicht schlecht: Für das authentische Duett „Endless Love“ mit Diana Ross mühte sich Richie um einen Gastauftritt der Sangeskollegin. „Ich sagte: Oberhausen? Sie sagte: No-berhausen!“ Also übernehmen die Fans in der Halle den weiblichen Teil der Schmuseballade aus dem Jahr 1981. Das Fazit des 65-Jährigen: „Wer braucht da noch Diana Ross?“.

„Hello“, „Brick House“, „Just for you“, „Say you, say me“. Lionel Richie strickt sein Konzert überwiegend aus seinen großen Hits. Flott, lebendig. „Don’t stop that music“ singt mancher Fan als eigenes Fazit lautstark mit — nach gut zwei Stunden ist dann aber doch Schluss.