Lieber „Fast verheiratet“ als „Pommes essen“

Die Hochzeitsgäste bei "Fast verheiratet" (Alison Brie, Chris Pratt) mussten fünf Jahre auf den großen Tag warten - so lange dauert in der Komödie die Verlobungszeit des Filmpaars.
Die Hochzeitsgäste bei "Fast verheiratet" (Alison Brie, Chris Pratt) mussten fünf Jahre auf den großen Tag warten - so lange dauert in der Komödie die Verlobungszeit des Filmpaars.
Foto: UPI
Was wir bereits wissen
Zwei neue Filme im Kino: „Fast verheiratet“ ist eine romantische Komödie mit allerhand Realitätsgehalt, bei der dann am Ende ganz Hollywood-gemäß die Hochzeitsglocken läuten. „Pommes essen“ dagegen ist ein allzu klischeehaft geratener Kinderfilm.

Essen.. Zu mir oder zu dir? Diese Entscheidung ist ja oft nicht mehr nur eine Frage des ersten Dates. Wenn zwei sich lieben, heißt das heutzutage eben noch lange nicht, dass man auch zusammenzieht. Schon gar nicht wenn er, Tom, ein gefragter Gourmetkoch und sie, Violet, eine ehrgeizige Uni-Absolventin ist. Zwei Leben, zwei Berufspläne und die für Hollywood-Romanzen immer noch ziemlich fortschrittliche Frage, wie man das denn zusammenbringt mit den Karriere-Träumen und der Ehe, verbindet Nicholas Stoller nun in seiner romantischen Komödie „Fast verheiratet“.

Verliebt, verlobt, verzogen heißt es also nach einem kurzen harmonischen Geplänkel für Tom (Jason Segel) und Violet (Emily Blunt). Eben noch mitten in den Vorbereitungen für ihre Traumhochzeit, stecken die beiden schließlich mächtig im Umzugstress. Violet bekommt ein Angebot von der Universität Michigan. Tom will ein moderner, sensibler Mann sein und folgt seiner Liebsten ins Eis. Es sind nicht nur die niedrigen Temperaturen, die Tom bald eine eigentümliche Vorliebe für Selbstgestricktes entwickeln lassen. Der Mann, der in San Francisco ein Held am Herd war, mutiert in Michigan zum Hausmann. Und die Beziehungs-Konflikte, die Stoller an dieser Männlichkeits-Krise fest macht, sind so ehrlich wie überhöht.

Unkonventionelle Komödie - aber am Ende muss geheiratet werden

„Fast verheiratet“ beweist sich dabei als verlässlich Humor-robustes Produkt aus der erfolgreichen Komödien-Schmiede des amerikanischen Gag-Grossisten Judd Apatow („Brautalarm“). Die Beziehungs-Proben, die er seinen Fast-Vermählten mit auf den Weg gibt, sind für Hollywood-Verhältnisse erfrischend unkonventionell.

Aber am Ende läuten doch immer noch die Hochzeitsglocken. Bis dahin aber haben Tom und Violet auf durchaus amüsante Weise erfahren, dass Hochzeitsvorbereitungen eben mehr brauchen als die Wahl des Menüs, den Kauf eines Kleides und die Verpflichtung der Tanz-Combo. Und dass es für ein spontanes, kopfloses Ja trotzdem nie zu spät ist. Nicht einmal nach fünf wechselvollen Jahren Verlobungszeit.

In "Pommes essen" - geht's um Currywurst

Die Misere des Kinderfilms „Pommes essen“ beginnt schon bei der Titelwahl. Von Pommes ist in Tina von Trabens Langfilmdebüt nämlich so gut wie nie die Rede, geht es doch in Wahrheit ausschließlich um die Curry-Wurst – und das Geheimrezept für die dazu passende Sauce. Schön immerhin, dass endlich einmal wieder jemand einen Kinderfilm dreht, der nicht auf einer populären Buchreihe basiert und damit schon die halbe Miete eingefahren hat. „Pommes essen“ tritt ohne solche Rückversicherung an und hätte deshalb umso mehr ein ausgereiftes Drehbuch bar aller Klischees und ohne Glücksgarantie verdient gehabt.

Es geht um eine Curry-Wurst-Dynastie, deren legendäre Sauce seit den Sechzigern zum Pflichtprogramm der Duisburger Malocher nach der Arbeit gehörte. Doch mit den Jahren läuft das Geschäft immer schlechter, und nun ist der Curry-Patriarch auch noch gestorben. Tochter Frieda (Anneke Kim Sarnau) zerbricht fast an der Aufgabe, Imbissbude und drei Töchter unter einen Hut zu bringen. Als der Arzt sie in die Kur schickt, müssen die Kinder ran.

Alles eitel Sonnenschein im Kinderfilm

Es hätte dem Film gut getan, sich ein wenig der Dramatik zu stellen, die hier heraufdämmert. Stattdessen erleben wir fortgesetzt sonnige Tage und eindeutig zuzuordnende gute Menschen (Thekla Carola Wied als gute Fee mit Migrantenhintergrund) und schnell erkennbare falsche Fuffziger wie Onkel Walther, den örtlichen Pommes-König und Bruder von Mama Frieda. Obwohl sich Smudo von den „Fantastischen Vier“ eigentlich gegen die Schublade stemmt, in die man ihn hier stecken will: Er gibt seiner Figur etwas Müdes, Ausgebranntes mit, Resultat eines falschen Lebens. Es nützt ihm nichts, er muss schließlich doch fies sein.

Was sich derweil allerdings bei den Kindern abspielt, die den großen Rettungsplan schmieden, das verlässt den Boden der Realität sehr schnell. Man richtet sich behaglich im Bereich gefälliger Konfliktlösungen ein.