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"Girls"

Lena Dunham - der neue Anti-Star zu "Sex and the City"

20.01.2013 | 10:23 Uhr
Lena Dunham steht derzeit im Rampenlicht.Foto: rtr

Washington.  Lena Dunham steht derzeit im Rampenlicht. Die 26-jährige New Yorkerin spielt in der Fernseh-Serie "Girls" nicht nur die Hauptfigur Hannah Horvath. Sie hat Regie geführt und die Serie darüber hinaus geschrieben, produziert und gelebt. Erzählt wird in "Girls" die charmante Anti-These zu "Sex and The City".

Hannah Horvath hat Zellulite, Löcher im Schlüpfer und trotzdem den meisten Sex. Hannah Horvath hat einstürzende Häuser als Tätowierungen auf ihren teigigen Schultern und Haare, für die das Wort Frisur unglücklich gewählt scheint. Hannah Horvath kann in Manolo Blahniks einfachen nicht laufen. Hannah Horvath ist im Moment das am meisten bestaunte Fräuleinwunder in Amerika.

Hinter Hannah Horvath, die bei den "Golden Globes" von Null auf 100 für die Fernseh-Serie "Girls" die wichtigsten Preise in der Kategorie Comedy einheimste, steckt Lena Dunham. Die 26-jährige New Yorkerin ist nicht nur die Hauptfigur und Regisseurin. Sie hat die Serie geschrieben, produziert und - gelebt. Erzählt wird in "Girls" die charmante Anti-These zu "Sex and The City"; jener Hochglanz-Abfolge von Frauen-um-die 40-treffen-verkorkste-Männer-Geschichten, in denen Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw nach einem Prinzen fürs Leben suchte und doch nur auf Döspaddel stieß.

Ungeschönte Sex-Szenen

Hannah Horvath sucht auch. Nur anders. Abgeklärter, ohne Illusionen. Bei ihr glamourt es nicht, blinkt kein Schmuck, blitzen keine geweißten Schneidezähne, leuchtet keine nächtliche Skyline. Es riecht nie nach Dior. Nur nach unter den Armen. So jemand trifft Adam, einen dumpfen, liebenswürdigen Egomanen, der in seiner düsteren Bude gern auf dem Sofa liegt, sich leid tut und beim Sex mit Hannah wie ein TüV-Prüfer mit ihren Speckrollen spielt. Lena Dunham inszeniert ihre Sex-Szenen herrlich umständlich, unappetitlich und ungeschönt nackt. Also normal. Danach geht sie medium-befriedigt zurück zu ihren drei Freundinnen.

Marnie ist Galeristin, Jessa Party-Gängerin. Und Shoshanna will unbedingt ihr Jungfrauendasein beenden. Gemeinsam steht das Quartett für einen großstädtischen Ausschnitt der Generation Praktikum, auf die im Wirtschaft-erlebt-ihr-blaues-Wunder-Land Amerika niemand wirklich wartet. Bereits kurz nach dem Start von "Girls", in Deutschland bisher zu sehen im Nischensender Glitz, überbot sich die launische Kritikerschar mit Hymnen. Magazine wie der "New Yorker" oder "Vanity Fair" stiegen ganz tief in die Feminismus-Analyse-Kiste und erkannten in Lena Dunham ein Jahrhundert-Talent. Selten sei so unverstellt und amüsant zugleich "die Bedeutung von abgenutzten Begriffen wie hip, schön, cool oder sexy herausgefordert worden". Dabei ist die Hochgelobte kein bisschen weniger neurotisch, skeptisch und vom Leben verbogen als ihre Erzeuger. Von ihnen, Mutter Laurie ist eine bekannte Fotografin, Vater Carroll malt Anzügliches in Popart-Stil, muss sie die Neigung zur Selbstentblößung haben. Eine Ader, aus der sich Gold machen lässt. Foto-Größen wie Annie Leibovitz und Terry Richardson steht sie Modell. Der renommierte Verlag Random House zahlt für ein Büchlein im Duktus eines Lebensratgebers vorab ein Zeilenhonorar von 3,5 Millionen Dollar.

Lena Dunham: "Ich bin die Stimme meiner Generation"

Kein Fernsehsender, der sich nicht um die junge Frau reißt, die Sätze sagt wie diesen: "Ich bin die Stimme meiner Generation", kurz abwartet und dann hinterschiebt: "vielleicht auch nur eine Stimme meiner Generation." Aufgewachsen ist Lena Dunham in chaotisch geordneten Künstlerverhältnissen in Manhattan. Als sie acht war, lag sie zum ersten Mal auf dem Sofa des Familien-Therapeuten.

Sex and the City 2

Im elterlichen Loft entstand auch ihr erster Film. "Tiny Furniture". Er erzählt lakonisch von einem Mädchen, das nach dem College-Abschluss zurück nach Haus kommt und nicht mehr weg will. Sie weiß nicht, welchen Platz die Welt da draußen für sie bereithält. Die Flucht in die Kunst, Dunham beschreibt sich in dem Film selbst, kam da gerade recht.

In Zosia Mamet, der Tochter des Schriftstellers David Mamet, Allison Williams, Tochter des NBC-Nachrichtensprechers Brian Williams, und Jemima Kirke, der Tochter des Schlagzeugers Simon Kirke, hat Lena Dunham für "Girls" prächtige Partnerinnen im Geiste gefunden. Gemeinsam tasten sich unbeholfen, sympathisch narzisstisch und selbstironisch durchs Leben. In der zweiten Staffel gibt Hannah Adam den Laufpass. Geküsst wird ab sofort "Sandy", ein schwarzer Republikaner. Und in den Schlüpfer sind keine Löcher mehr.

Dirk Hautkapp



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