Leinen los Richtung Ruhr

Saarbrücken/Duisburg..  Von ihrem Heimathafen Saarbrücken aus geht die „Maria Helena“ regelmäßig auf Tournee. Nun steht dem Theaterschiff eine lange Reise bevor: Sie führt ins Ruhrgebiet. Es geht ab Donnerstag über die Saar, die Mosel, den Rhein. Dem Eigentümer Frank Lion zufolge steht dem Schiff mit rund 600 Flusskilometern die bisher längste Strecke als Theaterkahn bevor. Bis Mitte Juli schippert die „Maria Helena“ entlang der alten Kohleroute, künstlerisch soll das industrielle Erbe des Saarlandes nach Lothringen, Luxemburg und Nordrhein-Westfalen transportiert werden.

Insgesamt sind bei dem Projekt „Feuer und Stahl – Kino und Kunst im Kohlekahn“ mehr als 62 Veranstaltungen an Bord oder an Anlegern geplant. Die Palette reicht von Filmvorführungen, Videoinstallationen und Lesungen bis hin zu Theaterperformances und Konzerten.

Für die 1911 gebaute „Maria Helena“ dürfte die Fahrt kein Problem werden. „Sie hat schon längere Strecken zurückgelegt“, berichtet Schiffseigner Lion. Mehr als 100 Jahre transportierte der Kahn Kohle, Getreide, Kies, Stahl oder Erbsen über französische Flüsse und Kanäle bis nach Lyon und Paris – erst als Treidelschiff, das von Pferden gezogen wurde, von 1955 an dann mit eigenem Motor.

Kapitänspatent für den Rhein

In ganz Deutschland liegen mehr als ein Dutzend Theaterschiffe. Genauer weiß das auch der Bundesverband freier Theater nicht. Die „Maria Helena“ sticht aus dieser Flotte heraus: Sie hat nach Erkenntnissen der Zulassungsbehörden als einzige einen Motor und kann somit aus eigener Kraft auf Tournee gehen. Die führt zum Finale (5. bis 14. Juli) nach Duisburg, Oberhausen, Recklinghausen, Dortmund.

Für die nun anstehende, lange Fahrt der betagten Péniche – das Wort beschreibt eine Klasse von Kanalschiffen – waren aber doch noch einige Vorbereitungen nötig. „Wir mussten in Luxemburg einen dritten Kapitän anheuern, der ein Patent für den Rhein hat“, berichtet Lion.
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