Leere Worte

Wie stellen wir uns einen idealen Politiker vor? Schon der griechische Philosoph Platon hatte dazu einige Jahrhunderte vor Christi Geburt eine sehr genaue Meinung: „Nicht zu täuschen, und wissentlich sich nicht zu täuschen, sondern die Täuschung zu hassen, die Wahrheit dagegen zu lieben“, schrieb er in seiner berühmten „Politeia“ den Berufsöffentlichen eindringlich ins Stammbuch.

Über die Jahrtausende hinweg hat sich an dieser Forderung im Grunde genommen nichts geändert - aber eben auch nicht an der mangelhaften Einlösung. So jedenfalls empfinden es viele Bürger, und sie machen dies vor allem auch an der schwammigen Sprache der Politiker fest.

Der Autor Reinhard Schlüter hat sich jetzt einmal die mühselige Arbeit gemacht, möglichst viele Politik-Phrasen zu sammeln, zu ordnen und auf ihren eigentlichen Inhalt hin zu untersuchen. „Schönsprech“ hat er das Ergebnis genannt, und er dokumentiert darin, „wie uns Politik und Lobby das Blaue vom Himmel erzählen“ (Riemann Verlag, 224 S., 12,99 Euro).

Alternativlos mit Augenmaß

Es beginnt schon damit, dass uns Politiker ewig irgendwo „abholen“ wollen, dass sie dies natürlich stets mit „Augenmaß“ tun, obendrein „in aller Deutlichkeit“ und gleichzeitig bereit, möglichen „Diskussionsbedarf“ zu berücksichtigen. Sie zeigen sich dabei grundsätzlich „gut aufgestellt“, machen tüchtig ihre „Hausaufgaben“, bleiben entschlossen „handlungsfähig“, suchen die eigene „Initiative“, um gleichzeitig „konsensbereit“ zu sein. Mitunter werden Politiker sogar richtig mutig, denn „scharf verurteilen“ macht ihnen Freude, ebenso wie „den richtigen Weg“ zu finden, einen „Vorstoß“ zu wagen, „Weichenstellungen“ einzuleiten, nur um doch immer „das Wohl der Wertegemeinschaft“ im Blick zu behalten. Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in all diesen so gern formulierten Worthülsen eine „alternativlose“ Haltung, denn „hier zählt der Mensch“, heißt es ebenso vollmundig wie treuherzig.

Reinhard Schlüter gibt in seiner Analyse aber auch uns derart Regierten eine gewisse Mitschuld an der Verbal-Misere. So zitiert er den Künstler André Heller, der nämlich eine „behagliche Lust am Nichtwissen“ in der Bevölkerung ausgemacht hat. Ganz ähnlich sieht es übrigens der deutsche Philosoph Peter Slotedijk, der von einer „chronischen Duldungsstimmung“ in diesem Zusammenhang spricht.