Le Carré lauschen

Sie haben den Wunsch, der Stimme jenes Meisters zu lauschen, der den Agententhriller definierte wie kein zweiter (Ian Fleming ist ja doch eine andere Liga)? John le Carré hat es sich nicht nehmen lassen, immerhin die Einführung seiner Erinnerungen persönlich zu sprechen: sehr feines, sehr distinguiertes Deutsch ist da zu hören. Ein Gentlemen, dessen Liebe zur deutschen Sprache Silbe für Silbe hörbar wird.

Es ist ein nobles Entrée für die ungekürzte Lesung, die Walter Kreye (Foto) übernimmt. Ganz fern dürfte auch ihm die Welt des Verbrechens nicht sein, vier Jahre war er für Fernseh-Deutschland „Der Alte“. Gediegen unaufgeregt, wenn auch nicht ganz so sophisticated wie le Carré, aber doch nah am Geist dieser charmant plaudernden Autobiografie ist Kreyes Vortrag. Man schließt die Augen und hört nicht ohne Überraschung, wie das Leben eines Großen episodisch vorüberzieht.

John le Carré: Der Taubentunnel. Ungekürzte Lesung mit dem Autor und Walter Kreye. Hörbuch Hamburg. 10 CDs, 785 Minuten, 24 €

Ohren spitze(l)n