Lärm-Beschwerden bei "Rock am Ring" – 90.000 feiern weiter

33 Menschen wurden bei Blitzeinschlägen auf dem "Rock am Ring"-Gelände verletzt. Das Festival, das erstmals in Mendig stattfindet, wurde am Samstag dennoch fortgesetzt.
33 Menschen wurden bei Blitzeinschlägen auf dem "Rock am Ring"-Gelände verletzt. Das Festival, das erstmals in Mendig stattfindet, wurde am Samstag dennoch fortgesetzt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bei "Rock am Ring" sind in der Nacht zu Samstag 33 Menschen bei einem Unwetter verletzt worden. Das Festival wurde trotzdem wie geplant fortgesetzt.

Essen.. Mit Musik von Bands wie den Beatsteaks, den Foo Fighters und Motörhead geht am Sonntag das Musikfestival "Rock am Ring" zu Ende. In der Nacht zum Sonntag hätten sich mindestens 50 Anwohner des kleinen Eifelstädtchens Mendig wegen Ruhestörung beschwert, berichtete die Polizei.

Eine Frau aus Vallendar sorgte für einen größeren Polizeieinsatz, indem sie behauptete, ihr Nachbar werde mit einer Schusswaffe beim Festival für Ruhe sorgen. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass sie dies nur erfunden hatte.

Bei schweren Unwettern mit Blitzeinschlägen waren beim Festival in der Nacht zu Samstag 33 Menschen verletzt worden – Besucher wie Mitarbeiter des Events. Sie mussten in Krankenhäuser gebracht werden, wie die Polizei und der Veranstalter mitteilten. Schwer verletzt wurde niemand. Wegen des Unwetters wurde das Programm in der Nacht abgebrochen. Am Samstagnachmittag feierten die knapp 90.000 Rockfans dann weiter wie geplant.

Rock am Ring Bereits am Samstagmittag sei es den Verletzten wieder gut gegangen, sagte Yvonne Kuhn von der ärztlichen Leitung auf dem Festivalgelände im Eifel-Ort Mendig. Bis spätestens Sonntag könnten alle aus den Krankenhäusern entlassen werden.

Drei Blitze schlugen auf dem "Rock am Ring"-Gelände ein

Insgesamt drei Blitze schlugen nachts auf dem Gelände ein, wie Polizeisprecher Gerd Bertram sagte. Zunächst habe es so ausgesehen, als würde das Gewitter vorüberziehen. Dann sei doch ein erster Blitz gegen 01.30 Uhr im Backstage-Bereich einer Bühne niedergegangen. Auf dieser habe zu der Zeit keine Band mehr gespielt, acht Mitarbeiter wurden verletzt.

Veranstalter Marek Lieberberg sagte, vor dem ersten Blitzeinschlag habe es widersprüchliche Meldungen gegeben. Es habe erst so ausgesehen, als ziehe dieses Unwetter vorüber. "Das hat sich geändert. Und als es sich änderte, war es schon zu spät."

"Rock am Ring"-Besucher wurden in größere Zelte gebeten

Als dann ein weiteres Gewitter vorhergesagt wurde, beendeten die Veranstalter ein Konzert des Techno-Djs Fritz Kalkbrenner auf einer Nachbarbühne. Besucher, die noch vor dieser Bühne waren, wurden in größere, blitzgeschützte Zelte gebeten. Dieses Unwetter zog zunächst vorbei, zu den weiteren Einschlägen kam es dann gegen 3.30 Uhr auf einem Campingplatz sowie um kurz nach 4.00 Uhr nahe des Towers des Flugplatzes. Bei den anderen 25 Verletzten handelt es sich Kuhn zufolge um Besucher des Events.

Niemand sei direkt von einem Blitz getroffen worden. Die Verletzten hätten Kontakt zu Gegenständen gehabt, die den Strom der Blitze weitergeleitet hätten - etwa Metallgitter. Geklagt hätten einige über Muskelschwäche sowie Herz- und Kreislauf-Beschwerden.

Das Programm von "Rock am Ring" ging am Samstag wie geplant weiter. An der Bühne sei eine Leitung von einem Blitz getroffen worden. "Die wird jetzt zusätzlich abgedeckt", sagte Veranstalter Marek Lieberberg.

Konzert bei "Rock am Ring" musste abgesagt werden

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) besuchten am Samstag das Festival-Gelände. Lewentz - auch seine vier Kinder waren auf dem Festival - lobte den Einsatz der Rettungskräfte: "Es ist sehr professionell abgelaufen." Alles sei unter Kontrolle gewesen. Das Rettungskonzept an dem neuen Standort habe den "Echttest" bestanden. "So eine Wettersituation kann es geben."

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte in der Nacht vor Gewittern im Großraum rund um das Festival gewarnt. Für den betroffenen Landkreis Mayen-Koblenz sei um 0.16 Uhr auf das potenziell gefährliche Gewitter hingewiesen worden, sagte DWD-Meteorologin Anna Wieczorek in Offenbach. Um 3.35 Uhr sei dann eine Unwetterwarnung herausgegeben worden. Generell könnten Blitzschläge zwar auf einen Landkreis bezogen vorhergesagt werden. "Einen Blitzeinschlag bei "Rock am Ring" können wir aber nicht vorhersagen. Dass eine Gewitterzelle den Landkreis trifft und dabei auch Blitze entstehen, schon."

Wegen des Unwetters war am Freitag bereits das Konzert von DJ Fritz Kalkbrenner verschoben und schließlich abgebrochen worden. Auf der Facebook-Seite und auf Twitter hatten die Veranstalter gegen zwei Uhr in der Nacht vor dem Unwetter gewarnt.

Festival Die Bild-Zeitung zitiert einen Festival-Besucher, der das Unwetter erlebt hat: „Das war eine der schlimmsten Nächte meines Lebens. Eine Gewitterzelle ist direkt über uns niedergegangen, Blitze schlugen ein paar Meter entfernt ein, Leute haben in Todesangst geschrien, die Polizei hat mit Durchsagen dazu aufgefordert, nicht in Panik zu verfallen", berichtet er.

"Rock am Ring" erstmals in Mendig

Erstmals findet das Festival in diesem Jahr nicht mehr auf dem Asphalt des Nürburgrings, sondern auf dem Flugplatz des Eifel-Örtchens Mendig statt. Zuvor sorgte bereits ein Camping-Engpass für Ärger. Per Facebook hatten die Veranstalter am Mittwochabend volle Campingplätze gemeldet - und den Fans Vorwürfe gemacht.

So hieß es dort: "Leider widerspricht die Befüllung der Campingplätze allen bisherigen Erwartungen und unseren Berechnungen." Die Plätze seien "viel zu locker gefüllt", zwischen den Zelten gebe es "sehr viel ungenutzten Raum."

Camping-Engpass bei "Rock am Ring"

Als Beweis posten die Veranstalter zwei Luftbilder dazu. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen seien fünf Quadratmeter pro Person plus Laufwege geplant gewesen - die Planung sei nun über den Haufen geworfen.

Am Donnerstag gab das Management bekannt, dass man zusätzliche 30 Hektar für Zeltplätze bereit stellen könne.

Die Feuerwehr in Mendig hat eine Telefon-Hotline für Angehörige von "Rock am Ring"-Besuchern eingerichtet: 02652-6029143 (dpa/we)