Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Konzert

Ladies first - Die Ärzte beglücken tausende Frauen

20.12.2011 | 13:06 Uhr
Ladies first - Die Ärzte beglücken tausende Frauen
Farin Urlaub einmal ganz sanft: Er ist vom Blick auf die Frauen-Kulisse sichtlich angetan. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool

Dortmund.   Ladies first! Tausende Frauen hatten die Berliner Band „Die Ärzte“ einen Abend lang für sich alleine. Zusammen feierten sie eine sanfte Form von Poppunk in der Dortmunder Westfalenhalle.

Streng genommen hätten sie ja gar nicht auftreten dürfen. Wo Männer doch einen Abend lang Hausverbot hatten. Aber dann hätten tausende Frauen in der Westfalenhalle einiges verpasst. Die Ärzte waren schon immer für ihre unkonventionellen Auftritte bekannt. Diese Konzerte in Dortmund werden trotzdem wegen ihrer besonderen Kuriosität in die Geschichte einer Band eingehen, die sich selbst als beste Band der Welt bezeichnet. Zwei Konzerte. Eins nur für Frauen, das andere für die Kerle.

Ladies first, zuerst die Damen. Eine Kulisse, die auf den ersten Blick ein Traum für die drei Jungs auf der Bühne sein muss. Keine verschwitzten Männer-Körper, keine bierseligen Pöbeleien, kein grölender Krawall in den ersten Reihen: „Für uns geht ein Lebenstraum in Erfüllung“, ruft Farin Urlaub vorhersehbar und man meint etwas Larmoyantes in seinem Gesicht, das auf einer Großbildleinwand gezeigt wird, zu erkennen.

Eine Eintrittskarte, übersät mit Blümchen

Dieses Mädchen-Ding fängt schon bei der Eintrittskarte an: Sie ist übersät mit Blümchen. Und die Kulisse ist wenig popunkig gestaltet, sondern plüschig, rosig und herzig. Die drei Herren schweben auf einer großen Schaukel sitzend scheinbar aus dem Himmel direkt auf die Bühne. Für das Konzert am Folgeabend kündigt Bela B. an: „Da werden wir auf drei Klos auf die Bühne kommen.“ Lustig, wie der ganze Abend.

Frauen feiern sanfter. Egal, wie rockig die Lieder sind. Sie tanzen wattebauschiger, bewegen sich runder, singen höher, kreischen mehr. Böse Zungen würden behaupten: Zickenalarm. Aber das stimmt nicht. Sie haben Spaß als Teil dieser übererfüllten Frauenquote. Die Liederauswahl ist natürlich aufs Publikum zugeschnitten. Und da fällt auf, dass die Berliner Band in ihrer fast 30-jährigen Geschichte etliche Songs fabriziert hat, die für diese Art der Geschlechtertrennung perfekt passen: „2000 Mädchen“, „Manchmal haben Frauen...“, „Wenn alle Männer Mädchen wären“ oder „Wilde Mädchen“. Dass sie auch ihren Klassiker „Elke“ spielen, ist mutig. Textzeile gefällig? „Sie sah aus wie ein Stück Mettwurst...“ Kommt aber an, Ärzte-Fans sind nicht empfindlich.

Die Mädels haben Zeit zu rocken

Eine Befürchtung, die Farin Urlaub angeblich vor dem Konzert gehegt hatte, bestätigt sich unterdessen nicht: Nein, die Mädels sind heute nicht zu sehr mit ihren Fingernägeln beschäftigt. Sie haben Zeit zu rocken! Und sie genießen die Vorteile eines männerfreien Abends: Beim Pogo einmal nicht in Lebensgefahr zu geraten, weil tonnenschwere Jungs unkontrolliert herumspringen, und die freie Sicht auf die Bühne ohne tapsige Bärentypen vor der Nase.

Man muss den Ärzten zugute halten, dass sie trotz der Verlockung an ihrem Prinzip festhalten und sich „Männer sind Schweine“ weiterhin verkneifen. Es ist ein Lied, das inzwischen nur noch zum Ballermann passt. Die Nummer ist einfach durch.

Neben den drei Herren auf der Bühne gibt es übrigens noch einen weiteren Mann im Rund. Es ist der Bierverkäufer, der durch die Reihen zieht – und er ist heute kein gefragter Typ. Er hätte lieber Prosecco verkaufen sollen.

Kirsten Simon

Facebook
 
Kommentare
21.12.2011
11:14
Ladies first - Die Ärzte beglücken tausende Frauen @1+2 - miriamdortmund:
von Pase_Lacki | #4

@2: Die Ärzte haben sich noch nie als richtige Punks bezeichnet, wissen Sie doch selber aufgrund ihres Lebensraums und ihrer Herkunft, dass sie mittlerweile keine mehr sind. Man kann allerdings auch als Millionär Punk im Herzen sein.

@1: Oder wie in dem meisten Saunen oder radikalen Feministinnen-Partys, auf denen Dreibeiner keinen Zutritt haben.

Kleiner Tipp: Einfach nicht alles so verbissen sehen. Mehr Spaß haben. Oder anderen gönnen.

21.12.2011
09:20
Ladies first - Die Ärzte beglücken tausende Frauen
von Methy | #3

Ach miriamdortmund: Wenn du Ahnung hättest, wüsstest du, dass deine Aussagen totaler Unsinn sind.

Es war einfach nur ein Spaß, aber sofort gibt es Leute, die die Sexismus-Keule schwingen müssen.
Und das die Ärzte sich selber und das ganze Punk-Sein auf die Schippe nehmen, hast du auch nicht kapiert.

20.12.2011
18:14
Ladies first - Die Ärzte beglücken tausende Frauen
von miriamdortmund | #2

„Für uns geht ein Lebenstraum in Erfüllung“, ruft Farin Urlaub..

Ein Lebenstraum die Ärzte zu sehen. Echt gut.

Lustig finde ich auch das sich Musiker, bzw. Millionäre, die Frisur von einer Maskenbildnerin strubbellig machen lasen, und sich dann Punk nennen.

20.12.2011
18:10
Ladies first - Die Ärzte beglücken tausende Frauen
von miriamdortmund | #1

Richtig toll. Jetzt können wir auch Frauen und Männer bei Hochzeiten, beim Sportunterricht,beim Fußball bei Beerdigungen usw. trennen.
So wie man es Zb im Iran macht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6179872/create

Aktuelle Fotos und Videos
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Tanz-Queen Magdalena Brzeska
Bildgalerie
Let's Dance
Aus dem Ressort
Künstler wirft der Documenta-Leitung Zensur vor
Ausstellung
Streit um die Documenta in Kassel: Die evangelische Kirche wollte zur Documenta-Zeit vor einer Kirche ebenfalls Kunst zeigen. Dagegen wehrte sich die Documenta-Leitung - und muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, Zensur zu betreiben.
Türkischem Pianisten Fazil Say droht Haft wegen Tweet
Regierungskritiker
Dem bekanntem türkischen Pianisten Fazil Say drohen eineinhalb Jahre Haft. Say soll auf Twitter den Islam beleidigt haben. Die türkische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Say hat auch eine Verbindung nach NRW.