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Kunstsammlung aus Olpe macht jetzt in Salzburg Furore

22.08.2008 | 18:36 Uhr

Salzburg/Olpe. Als entartet abgestempelt und verfemt von den Nazis waren nicht nur Künstlergruppen wie "Der Blaue Reiter" oder "Die Brücke" mit großen Namen wie Max Beckmann und Otto Dix. ...

... Die Schergen des braunen Kulturfaschismus verboten Hunderten von Malern und Bildhauern das Ausstellen ihrer Werke in Galerien und Museen. Viele von dieser "zweiten Generation" standen nie im Rampenlicht und sind, selbst wenn sie den Krieg überlebten und danach weiterarbeiteten, in Vergessenheit geraten. Denn ab 1945 setzte sich ein neuartiges "Diktat" durch, das der abstrakten, nicht figürlichen Malerei.

Das meint zumindest der in Olpe lebende Gerhard Schneider, der seit 30 Jahren nach diesen verschollenen Bildern und Zeichnungen, nach Künstlern oder ihren Nachkommen sucht. Mit Leidenschaft, Sachkenntnis und Gespür für Museumsqualität. So verfügt der Antiquar, Ex-Lehrer und promovierte Germanist heute über eine beachtliche Kollektion von etwa 400 (überwiegend expressionistischen und kubistischen) Gemälden und Grafiken, die anspruchsvollen Expertisen standhalten. 126 davon haben jetzt den Weg in ein bedeutendes Museum geschafft: Die Sammlung Gerhard Schneider präsentiert ihre Spitzenexponate im Museum Salzburg, auf 500 Quadratmetern des frisch renovierten Hauses am Mozartplatz.

Sicherlich eine Auszeichnung für die langwierigen Recherchen und den Sammlungsaufbau des 70jährigen Südsauerländers, für den "Entdecken" zum Lebensziel wurde. Daher nennt Schneider die Schau, die weitere Weihen in Berlin, Bayreuth und vermutlich in Moskau erhalten wird: "Entdeckte Moderne 1910-1945". Die komplette Kollektion (darunter auch Werke von Conrad Felixmüller, George Grosz, Käthe Kollwitz und Max Pechstein) gehört zur "Bürgerstiftung für verfemte Künste", die vorläufig im Museum Baden in Solingen eine Heimat gefunden hat. Eine Zusammenlegung mit der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft im benachbarten Wuppertal ist geplant.

Warum nun die Schau in Salzburg? Hier gedenkt man des 70. Jahrestags des "Anschlusses" ans NS-Reich und der österreichischen Fassung der Münchner Schmäh-Schau "Entartete Kunst", von der ebenfalls in Salzburg einige Exponate auftauchen. Außerdem waren für Schneider die Bilder von Valentin Nagel (1891-1942) der Anstoß dafür, gezielt zu sammeln. Dessen Ölporträt von 1930, "Frau mit Schleife im Haar", das alle Plakatwände der Festspielstadt ziert, weist auf den kubistischen Expressionismus eines Ernst Ludwig Kirchner und besticht durch Könnerschaft des Künstlers. Der Deutsche Nagel heiratete eine Salzburger Kaufmannstochter, die ihn nach der Machtergreifung ernähren musste, "da er keine Bilder mehr verkaufen durfte", so Schneider.

Neben Valentin Nagels besten Arbeiten fallen vor allem der lebensgroße "Kniende männliche Akt" von Florenz Robert Schabbon und ironische Großstadt-Szenen aus Berlin von Georg Netzband (1900-1984) auf. Bis 12. Oktober, Museum Salzburg. Info: 0043/662/6208 080. www.salzburgmuseum.at / Katalog: 39 E.

Von Michael-Georg Müller

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